Wulff-Affäre Bonusmeilen bringen Wulff neuen Ärger
Bärbel Krauß, dapd, dpa, 13.01.2012 18:00 Uhr
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Fast drei Viertel der Bundesbürger (72 Prozent) halten Wulff laut aktuellem ZDF-Politbarometer inzwischen für dauerhaft beschädigt. Foto: dpa
Fast drei Viertel der Bundesbürger (72 Prozent) halten Wulff laut aktuellem ZDF-Politbarometer inzwischen für dauerhaft beschädigt. Foto: dpa
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Berlin - Bundespräsident Christian Wulff ist jetzt auch wegen des Einsatzes von Bonusmeilen der Lufthansa auf einer privaten Reise in die Kritik geraten. Die "Bild"-Zeitung berichtete am Freitag über eine Urlaubsreise Wulffs in die USA im April 2007. Danach sollen der damalige niedersächsische Ministerpräsident, seine heutige Ehefrau Bettina und deren Sohn während des Rückfluges von Miami nach Frankfurt/Main eine Höherstufung (Upgrade) von der Economy- in die Businessclass erhalten haben.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr erklärte, Wulff habe für das Upgrade privat erworbene Bonusmeilen genutzt. Ein Sprecher der Staatskanzlei in Hannover sagte, Wulff habe private und dienstliche Meilenkonten getrennt geführt. Für das Upgrade 2007 hätte Wulff laut "Bild" allerdings 210 000 Bonusmeilen verrechnen müssen. Nach Angaben der Lufthansa gibt es während eines Fluges keine Möglichkeit, ein Upgrade zu erwerben. 210 000 Bonusmeilen seien für ein Upgrade für drei Personen realistisch, allerdings für Hin- und Rückflug, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Sigmar Gabriel verschärft Kritik

Die Meilen könnten sowohl mit bezahlten Flügen als auch mit dem Umsatz der LH-Kreditkarte erworben werden. Für einen Langstreckenflug von Frankfurt nach Chicago und zurück werden beispielsweise bis zu 15.000 Meilen in der Economy-Klasse auf dem Meilen-Konto gutgeschrieben.Wegen der privaten Nutzung dienstlich erworbener Bonusmeilen sind immer wieder Politiker in Erklärungsnot geraten. Unter ihnen waren der heutige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und der damalige Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (damals PDS).

Während der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel die Kritik an Wulff und an Bundeskanzlerin Angela Merkel verschärfte, betonte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Freitag, dass die Rücktrittsfrage allein in der Hand von Wulff liege. "Über den Verbleib im Amt entscheidet der Bundespräsident selbst",sagte Steinmeier. Falls Wulff im Amt bleibe, stehe ihm ein "sehr weiter Weg" bevor, um den Respekt der Bürger zurückzugewinnen.

Gabriel hingegen warf Merkel vor, Wulffs Agieren nur zuzusehen und nichts zu unternehmen, obwohl der das Amt des Staatsoberhaupts in einem Maß beschädigt habe, das man sich nicht vorstellen konnte. "Das, was in den letzten 60 Jahren einen Bundespräsidenten ausgemacht hat, repräsentiert er nicht mehr und wird er auch nicht mehr repräsentieren", sagte der SPD-Chef. Die Frau von Altbundespräsident Walter Scheel, Barbara Scheel, riet Wulff zum Rücktritt. Amt und Person seien beschädigt.

"Eine Frage der Zeit"

Es sei "eine Frage der Zeit, dass ein Amtsinhaber mit Würde die Konsequenzen zieht und geht", sagte Scheel dem SWR in Basel. Auch aus der Wirtschaft kamen solche Forderungen. Der Bundespräsident habe seine Glaubwürdigkeit eingebüßt, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, dem NDR.  "Ihm fehlt die Autorität, ihm fehlt jetzt das, was moralische Instanz darstellt, das ist seine Kraft, eine moralische Instanz zu sein, ein Notar des deutschen Volkes zu sein - und das kann er nicht mehr sein", fügte der Unternehmer aus Seevetal hinzu.

Andere Wirtschaftsvertreter aus Wulffs Heimatbundesland Niedersachsen äußerten sich ähnlich. Ungeachtet der Kritik an ihrem Mann demonstrierte Bettina Wulff am Freitag präsidiale Normalität und versuchte, die Krise wegzulächeln. Sie begrüßte die Ehepartner der nach Deutschland entsandten Diplomaten. Dabei dankte sie ihnen für ihren Einsatz und wünschte ihren Gästen für 2012 "viel Elan, Energie und Erfolg für ihre Vorhaben". Auch die Frau des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, Eva Luise Köhler, war unter den Gästen des Empfangs.

"Meines Wissens hat es keine Absagen gegeben", sagt ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. Fast drei Viertel der Bundesbürger (72 Prozent) halten Wulff laut aktuellem ZDF-Politbarometer inzwischen für dauerhaft beschädigt, nur 24 Prozent sehen das anders. Auch halten ihn nur 34 Prozent noch für glaubwürdig und 61 Prozent nicht für glaubwürdig. Allerdings ist eine Mehrheit von 50 Prozent der Befragten der Meinung, dass Wulff im Amt bleiben sollte.

Kommentare (4)
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JAN
20
Geor Wengert, 21:38 Uhr

Mediale Hetzjagd auf den Bundespräsidenten Wulff

In den Medien hat die „Hetzjagd“ auf Bundespräsident Wulff eigentlich schon längst den menschlichen und medialen Tiefpunkt erreicht: tiefer geht es eigentlich nicht mehr! Man glaubt es nicht, aber im „Fall Wulff“ geht es immer noch ein Stück tiefer. Man will ihm zeigen, wer mächtiger ist, die „Medien-Meute“ oder der Bundespräsident! Das ist meine persönliche Wahrnehmung. Die mediale "Hetzjagd" auf Wulff wird immer widerwärtiger, ohne jeden Respekt und ohne jede Achtung weder vor dem Menschen Wulff noch vor dem Amt des Bundespräsidenten! Was die deutschen Medien mit unserem Bundespräsidenten seit vielen Wochen veranstalten, ist für niemanden mehr verständlich oder nachvollziehbar, sondern meist nur charakterlos und abstoßend. Es gibt in den Medien eine Zielsetzung: wie können wir mit weiteren "Schmutzgeschichten", an den Haaren herbeigezogenen strafrechtlichen Verdächtigungen und vagen Vermutungen unseren Bundespräsidenten Wulff endlich „vom Hof jagen“, in einem Ton, wie es primitiver und banaler nicht mehr geht. Es steht überall die unausgesprochene Frage im Raum: Wann gibt ihm endlich jemand den Plattschuss, dass er von selbst gehen muss? Diese Erwartungshaltung ist mit den Händen zu greifen. Die sog. Prominenz aus Politik, Wissenschaft, Medien und aus dem Show-Geschäft, die sich allabendlich in den „Talk-Shows“ tummelt, haben mehrheitlich eines gemeinsam: Sie alle wollen nur ihren eigenen Heiligenschein zur Schau stellen! Zudem sind sie von sich überzeugt, als moralische Instanzen, natürlich ohne Fehl und Tadel und mit leuchtend weißen Westen, sich vor dem Fernseh-Volk mit ihren moralischen Ergüssen aufspielen zu müssen. Es herrscht inzwischen der Eindruck in unserem Land, dass der Bundespräsident nicht nur heilig, sondern noch heiliger sein muss als seine öffentlichen Ankläger selbst. Diese selbsttäuschende Verlogenheit, diese Falschheit, diese dreiste Heuchelei und diese schamlose Scheinheiligkeit widert an und tut richtig weh. Man kann nur noch Mitleid haben mit dem „waidwunden“ Wulff. Die meisten dieser selbst ernannten Sittenwächter glauben auf Wulff zeigen zu dürfen, aber selbst sehen sie die Dreckhaufen vor ihren eigenen Türen nicht mehr. Man kann es nicht mehr hören und nicht mehr sehen, was diese populistische und opportunistische "Meute" über die Medien von sich gibt, es ist einfach nur noch widerlich. Nun hat auch Michel Friedmann am 17.1.2012 bei Maischberger seinen Auftritt gehabt: vor einem Millionen-Publikum hat er sich natürlich die Chance nicht nehmen lassen, mit seinem "Schandmaul" von seiner eigenen äußerst fragwürdigen Vergangenheit abzulenken. Dieser immer redende und immer Recht haben wollenden Besserwisser durfte leider wieder einmal seine Lieblingsrolle als „widerwärtigster Kotzbrocken des deutschen Fernsehens“ unnachahmlich und meisterhaft spielen. Man muss sich fragen, wie lange Wulff und seine Familie dies alles noch durchhalten werden. Das Amt des Bundespräsidenten ist nicht nur erheblich beschädigt, sondern es ist schon völlig kaputt, egal ob Wulff bleibt oder geht. Nur ein Wunder kann ihn noch in seinem Amt halten. Zu dieser Situation hat er leider einen gehörigen Teil an Fehlern selbst beigetragen. Aber ist er nicht auch nur ein Mensch, der Fehler machen darf? Wenn wir ehrlich zu uns selbst wären, müssten wir zugeben , dass es sich nur um lässliche Sünden handelt, die wir unserem Bundespräsidenten eigentlich verzeihen müssten! Aber die "Meute" ist gnadenlos, herzlos und skrupellos. Nicht einmal ein Heiliger kann dieses macht- und nutzlose Amt noch retten. Am besten wäre es, wenn wir das Amt des Bundespräsidenten sofort abschaffen würden. Vielleicht ist dies das tatsächliche Ziel der "Meute". Die Monarchie wurde auch abgeschafft. Einen Ersatzkönig zum Repräsentieren, so wie das Amt unseres völlig machtlosen und nutzlosen "Operetten-Präsidenten" ausgestaltet ist, brauchen wir nicht mehr. Was meinen Sie dazu?

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JAN
15
Christianus, 09:46 Uhr

Nimm mit

Wer kann uns von diesem Abstauber erlösen??????

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JAN
13
Bernd Heinicke, 21:35 Uhr

Herr Wulff treten Sie als BP zurück!!!

Ich möchte keinen Bundespräsidenten, der lernen muss, sich anständig zu verhalten. Jeder abhängig Beschäftigte wäre -bei gleicher Sachlage -rausgeschmissen worden. Es hat etwas mit Charakter und Anstand zu tun, seine "Bürger" nicht zu belügen. Halbwahrheiten bleiben Halbwahrheiten. Selbst das Versprechen in ARD/ZDF hat er gebrochen. "Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Detail zu den Abläufen sehen (...!!!)" - Auch dieses Versprechen hat er nicht eingelöst. Einen Bundespräsidenten, dem man nicht (mehr) glauben kann, entehrt das Amt. Hier muss das Amt vor dem Bundespräsidenten geschützt werden. Herr Wulff muss zurücktreten und Platz machen für einen vorbildlichen Kandidaten den das Volk wählen sollte. Bernd Heinicke

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