Wunderwaffe gesucht Die ZVS nach der Reform
Christoph Link, 12.07.2010 07:51 Uhr
Hochsaison für die Mitarbeiter der ZVS: bis Donnerstag müssen alle Anträge für die begehrten Studienplätze eingegangen sein. Foto: Link
Hochsaison für die Mitarbeiter der ZVS: bis Donnerstag müssen alle Anträge für die begehrten Studienplätze eingegangen sein. Foto: Link
Dortmund - Das alte Schild "ZVS" hängt noch über dem Eingang, aber das Z hat sich aus der Verankerung gelöst und hängt schief herunter. Überhaupt versprüht das Gebäude der früheren Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) in der Sonnenstraße in Dortmund unrenoviert den spröden Charme der 70er Jahre. Es wirkt vernachlässigt. Dabei sind die 120 Mitarbeiter eigentlich in Aufbruchstimmung, denn die Hochschulrektorenkonferenz und die 16 Bundesländer haben ihre Zukunft kürzlich auf eine neue Basis gestellt: Man heißt seit dem Frühling offiziell "Stiftung für Hochschulzulassung" und hat sich für die junge Kundschaft den flotteren Beinamen "Hochschulstart.de" zugelegt.

Aber selbst Pressesprecher Bernhard Scheer erwischt sich oft dabei, wie ihm noch das "ZVS" rausrutscht. Am Donnerstag, 15. Juli, endet um Mitternacht die Bewerbungsfrist für das Wintersemester, und entsprechend rege ist nun der Andrang in der Poststelle, der im Keller untergebrachten Beratungsstelle für Abiturienten und im Callcenter. Die Anträge werden längst im Internet gestellt; dass Studienplatzbewerber mit quietschenden Reifen in letzter Minute vor der ZVS stoppten und ihren Antrag abgaben ist Vergangenheit. "Es reicht, wenn der Datensatz am Donnerstag so gegen 23.58 Uhr gespeichert wird", sagt Scheer. Aber der Antrag müsse vollständig ausgefüllt sein. Beglaubigte Unterlagen können bis Ende Juli auf dem Postweg nachgereicht werden.

Im Callcenter, wo telefonisch beraten wird, herrscht nun Hochbetrieb. "Sogar Eltern rufen an und fragen, wann ihr Kind endlich einen Studienplatz für Medizin erhält", sagt Jörg Pohlmann, Koordinator im Callcenter. Häufig werde nach den Chancen einer Bewerbung gefragt, doch eine Prognose könne man nicht geben. Die Einzelkriterien der Universitäten änderten sich oft kurz vor Semesterbeginn. Vorhersagen sind Kaffeesatzleserei. Man könne nicht einmal sagen, dass ein Abiturient mit der Durchschnittsnote 1,0 an beliebten Studienorten wie Berlin oder Heidelberg garantiert Medizin studieren könne.

"Seit es die ZVS gibt, steht sie unter Beschuss"


Der Andrang für das Medizinstudium ist gewaltig: Auf fünf Bewerber kommt ein Platz, und die Mitarbeiter der Stiftung sind es leid, den Unmut der Abgelehnten auf sich zu ziehen: "Seit es die ZVS gibt, steht sie unter Beschuss. Wir sind der Bote, der für die schlechten Nachrichten geprügelt wird. Dabei macht die zentrale Studienplatzvergabe nur deutlich, dass eines der reichsten Länder nicht genügend Studienplätze hat", sagt Scheer. Wenn jemand seinen Unmut über die Bildungspolitik loswerden wolle, möge er sich an die Wissenschaftsminister wenden.

Im vergangenen Herbst hatte die Studienplatzvergabe wieder negative Schlagzeilen gemacht, weil im Oktober noch 18.000 Plätze frei geblieben waren und weit nach Semesteranfang viele Bewerber noch nicht wussten, ob und wo sie einen Studienplatz haben. Von "Chaos" und "Durcheinander" war die Rede. Dass solche Missstände auch zu Beginn des Wintersemesters 2010/11 erneut eintreten, kann die Stiftung für Hochschulzulassung nicht ausschließen. Schuld daran sind die zum Teil flächendeckenden Mehrfachbewerbungen, zu denen die Bewerber wegen der sehr differenzierten Zulassungskriterien der 350 deutschen Universitäten und Hochschulen gezwungen sind.

Kommentare (2)
Anzeigen
JUL
14
Stuttgarter II, 10:44 Uhr

@Freedom

Vielleicht sollten Sie sich doch erst mal mit dem Thema beschäftigen, bevor Sie hier irgendwas schreiben. Die Probleme sind erst dadurch entstanden, dass man letztes Jahr die Unis die Platzvergabe selber machen lassen hat. Dann hat gar nichts geklappt und jetzt darf die ZVS das Chaos wieder aufräumen.

JUL
12
Freedom, 13:49 Uhr

Dinosaurier ZVS

Die ZVS ist doch nur ein weiteres Stück Bürokratie, welches schon seit Jahrzehnten vom Steuerzahler durchgeschleppt wird, ohne jemals funktioniert zu haben. Die Unis sollen sich gefälligst selbst um ihre Bewerber kümmern, diese zentrale Studenten-Landverschickung passt vielleicht in die DDR, aber nicht in ein Land, in welchem eigentlich Konkurrenz um die beste Lehre und die besten Studenten herrschen sollte. Weg damit, das gesparte Geld sollte in die Unis investiert werden, da wäre es besser aufgehoben.