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Zeitschrift „Interview“ Die besten Antworten sind kurz

Markus Reiter, vom 26.01.2012 21:53 Uhr
  Foto: Cover der Zeitschrift
  Foto: Cover der Zeitschrift

Stuttgart - Leser mögen sie laut Erkenntnissen der Journalismusforschung keine Interviews, weil sie schwierig zu lesen seien. Manche Journalisten glauben, man könne damit ohne viel Aufwand die Spalten füllen. Schließlich müsse man nur ein paar Fragen stellen und die Antworten aufschreiben. Beide Urteile sind natürlich ungerecht. In Wirklichkeit ist das Interview eine sehr anspruchsvolle Form. „Die Königsdisziplin des Journalismus“, sagt Jörg Harlan Rohleder. Er ist einer der beiden Executive Editors der Zeitschrift „Interview“, deren deutsche Ausgabe morgen erstmals erscheint. Rohleder, der in Echterdingen aufgewachsen ist, blickt auf eine Vergangenheit bei der Stuttgarter Zeitung zurück. Hier hat er 1996 ein Praktikum im Kulturressort absolviert. Später schrieb er als freier Mitarbeiter Popkritiken.

Herr Rohleder, welche intelligente Frage müsste ich denn gleich zu Anfang stellen, damit es ein gutes Interview wird?

Andy Warhol hat immer als erstes gefragt, mit wem man zuletzt geschlafen habe.

Äh, das will ich jetzt aber eher nicht wissen. Werden Sie diese Frage ihren Gesprächspartnern stellen?

Nein, das ist nicht mein größtes Interesse. Aber ich fand es ganz interessant, dass Warhol damit durchgekommen ist.

Ich weiß ja erst seit gestern, dass ich Sie interviewen soll. Wie muss man sich für ein Interview vorbereiten, das man für „Interview“ führen will?

Für ein Gespräch mit Bill Gates habe ich mir mal eine Woche Zeit genommen. Das Wichtigste an einem guten Interview ist die Vorbereitung. Wenn die Leute Bücher geschrieben haben, sollte man die lesen. Wenn sie Filme gedreht haben, zumindest einige davon gesehen haben.

Wen würden Sie denn am liebsten interviewen?

Mein Traum: den Dalai Lama und Adam Yauch, einen der Gründungsmitglieder der Beastie Boys im Dreiergespräch. Yauch engagiert sich seit Jahren für Tibet.

„Interview“ wird es in Deutschland nicht leicht haben. Im angelsächsischen Journalismus sind Interviews, die aus einer Abfolge von Fragen und Antworten bestehen, unüblich. In den meisten Fällen entscheiden sich die Autoren für einen Text, der längere Zitate enthält, aber um biografische Informationen und Schilderungen der Interviewsituation ergänzt wird. Damit umgehen Amerikaner und Engländer Probleme wie beim Gespräch mit

Ein Interviewpartner, der den Interviewer mit extrem kurzen Antworten quält.

Für welche Form des Interviews entscheiden Sie sich bei „Interview“?

Wir machen Frage-Antwort-Interviews.

Warum?

Das ist das Markenzeichen der amerikanischen Ausgabe und von Andy Warhol. Die sind berühmt geworden, weil sie eben – anders als die anderen US-Medien – die Gespräche im Wortlaut veröffentlicht haben.

Warum machen Sie es dann nicht umgekehrt und werden in Deutschland berühmt, weil sie durchgeschriebene Interviews veröffentlichen?

Die unterscheiden sich ja kaum von journalistischen Porträts mit drei, vier längeren Zitaten. Dann hieße die Zeitschrift „Porträt“.

Das Problem der meisten Gespräche von Printmedien mit deutschen Prominenten sind deren PR-Agenten. Die klopfen jede Antwort darauf ab, ob ihre Schützlinge etwas Imageschädigendes gesagt haben könnten und schreiben die Gespräche manchmal völlig um. Diese Sitte des Autorisierens ist im angelsächsischen Journalismus unbekannt. Wie wollen Sie verhindern, dass Ihnen beim Autorisieren die tollsten Interviews kaputtgemacht werden?

Das ist ein echtes Problem. Wir wollen uns eine Reputation aufbauen und zeigen, dass gute Interviews nicht nur für den Leser interessanter sind, sondern auch dem Star nützen.

Was macht denn einen guten Gesprächspartner aus, außer dass er beim Autorisieren großzügig ist?

Dass er kurz antwortet. Und dass er anekdotisch antwortet, also Geschichten erzählt und nicht nur Floskeln. Deswegen stelle ich immer nur zwei, drei Höflichkeitsfragen am Anfang zum eigentlichen Anlass des Gesprächs, also einem neuen Album oder einem neuen Film. Danach interessiere ich mich lieber für die Vita des Gesprächspartners. Ist doch auch für die Person besser, wenn er nicht immer gleichen Fragen hört und sein Antwortprogramm runterspulen muss. Mick Jagger zum Beispiel ist damals sofort darauf eingegangen und hat aus seinem Leben erzählt.

Das war ja jetzt endlich einmal eine längere Antwort…

 

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