Zeitung in der Schule: Gymnasium Rutesheim Glück: (k)eine Glückssache

Von Von Ann-Sophie Paul 

Was ist Glück? Das hat Anne-Sophie Paul sich und andere gefragt. Eine Suche, die gar nicht so einfach ist, dabei liegt die Antwort manchmal direkt vor der eigenen Nase.

Kann man Glück kaufen oder essen? Foto: dpa
Kann man Glück kaufen oder essen? Foto: dpa

Rutesheim - Was ist überhaupt Glück? Gibt man das Wort bei Google ein bekommt man 80 800 000 Suchergebnisse. Es gibt diverse Glücksratgeber, die es möglich machen, das jeder glücklich sein kann, der sich daran hält. Man kann also lernen glücklich zu sein. Ist wirklich „jeder seines Glückes Schmied“? oder ist Glück reine Glückssache?

Warum erkranken dann immer mehr Menschen an Depressionen? Sie brauchen sich doch nur an die Anweisungen der Glücksforscher zu halten. Wo ist das Problem? Das liegt schon in der Definition des Wortes. „Älter werden ohne Angst und Stück für Stück, das nenn ich Glück.“ So beschreibt Peter Maffay in dem Lied „Das ist mein Traum“ seine Vorstellung von Glück. Iris Berben, eine deutsche Schauspielerin, ist da ganz anderer Meinung. Sie sagte in einem Interview mit der Bild-Zeitung: „Alt werden, ist einfach scheiße.“ Auf jeden Fall haben Herr Maffay und Frau Berben unterschiedliche Vorstellungen vom Glücklichsein. Es ist eine wichtige Erkenntnis in der Glücksforschung, dass Glück für jeden etwas anderes bedeutet.

Wie gehe ich mit Glück um? Die Autorin Mirjam Pressler betitelt ein von ihr geschriebenes Jugendbuch mit „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen.“ Die Vorstellung bei ihr: das Glück als eine Art Gast zu betrachten, der ab und zu vorbeikommt. Das es manchmal spontan und ohne Anmeldung kommt, finde ich sehr schön. Man sollte ihm einen Stuhl hinstellen und zum Verweilen auffordern und hoffen, dass er sehr lange bleibt. Nur muss man erkennen, dass der Gast Glück da ist, und man muss Zeit für ihn haben oder sie sich nehmen. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist das oft nicht möglich. Auch gibt es im Leben sicher großes und kleines Glück und wir müssen aufpassen, dass wir beim Warten auf den VIP (Very Important Pleasure)-Gast nicht die weniger wichtigen lieben Gäste vergessen. Wann kommt schon Brad Pitt zu Besuch? Freuen wir uns auch auf den Onkel, die Freundin oder Nachbarin und knallen ihnen nicht die Tür vor der Nase zu. Glück bedeutet für viele Reichtum, etwa ein Lottogewinn, auf jeden Fall Millionen Euro. Ist es nicht schon ein kleines Glück, wenn der Lebensunterhalt durch ein regelmäßiges Gehalt gesichert wird? Wenn man nicht hungern muss? Viele Menschen außerhalb Deutschlands haben dieses Glück nicht!

Ist jeder seines Glückes Schmied? Ist man für sein Glück selbst verantwortlich? Setzt einen diese Aussage nicht total unter Druck? Bin ich unfähig zum Glücklichsein? Bin ich selbst schuld an meinem Unglück? Hier muss ganz klar unterschieden werden zwischen Dingen, die man beeinflussen kann und Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Meistens erleben wir das Glück sehr kurz und das Unglück eher lang. Das ist eine subjektive Wahrnehmung. Das Unangenehme kommt einem immer länger vor als das Angenehme. Im Unglück „suhlt“ man sich gern etwas länger. Manche versuchen ihr Glück zu schmieden indem sie auf Glücksbringer (Schornsteinfeger, Kleeblätter oder Hasenpfoten) oder Rituale setzen. Die berühmte Tennisspielerin Serena Williams zum Beispiel bindet ihre Schnürsenkel vor einem Spiel stets auf die gleiche Weise. Und sie ahnte ihre French-Open Finalniederlage schon voraus, weil sie ihre Schnürbänder nicht wie gewohnt gebunden, ihre Badelatschen und ihr Wechsel-Dress nicht in der Tennistasche gehabt und außerdem hatte sie den Ball vor dem Aufschlag nicht fünfmal aufprellen lassen. Nach der Niederlage erklärte sie: „Ich wusste, es war eine Fügung.“ Psychologen nennen das eine selbsterfüllende Prophezeiung! Auch ihre Kollegen Novak Djokovic, Raphael Nadal und Andrea Petkovic haben so ihre Rituale. Was die mit ihren Trinkflaschen veranstalten. Manchmal ist es verwunderlich, dass ein Tennismatch nur zwei Stunden dauert. Alles nur schlichter Aberglaube. Und diesen findet man überall. Zerbrochen Spiegel bringen Unglück. Sieben Jahre um genau zu sein. Bei einer schwarzen Katze wird es noch komplizierter. Hier entscheidet sogar die Laufrichtung.

Der Autor und Arzt Eckart von Hirschhausen schreibt dazu in seinem Buch „Glück kommt selten allein“. „In manchen Ländern gelte rechts als günstig, in anderen links. Aber jedes Mal auswandern, wegen einer Katze? Ob eine Katze für Ihr Leben etwas bedeutet, hängt nicht von ihrer Laufrichtung ab, sondern von der zentralen Frage – sind Sie Mensch oder Maus?“ Diese Worte beschreiben es meiner Meinung nach sehr gut, was man vom Aberglauben halten sollte. Denn durch ihn, gibt man doch das Ruder des Glücks wieder an das Schicksal ab. Es entstehen unnötige Abhängigkeiten.

Glücklichsein ist für mich nicht nur Glückssache, sondern auch die Folge der richtigen Gedanken und Handlungen. Man sollte realistische Ziele und Wünsche haben, die eventuell erfüllbar sind. Das erspart einem eine große Enttäuschung. Glück bedeutet für mich zum Beispiel Gesundheit. Aus diesem Grund rauche ich nicht, esse gesund, trinke keinen Alkohol und treibe viel Sport. Ich versuche mein Glück zu unterstützen. Ich versuche mich an kleinen Dingen zu erfreuen, an meinem Hund, an einen schönen sonnigen Tag, ein nettes Beisammensein mit meinen Freunden, an einem Tennisspiel. Denn man muss auch sensibel für das Glück sein. Denn manchmal „sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.“