Zentrum am Killesberg Land erteilt Investor eine Absage
Thomas Borgmann, 21.01.2011 08:04 Uhr
Das Modell des neuen Zentrums an der Ecke Kochenhof (vorne) und Stresemannstraße (rechts). Im Vordergrund liegt das Stadtteilzentrum, rechts das Forum K, in dem auch Mietwohnungen für Studenten der Kunstakademie entstehen. Unmittelbar am Park liegen die Eigentumswohnungen, links daneben ist der Zugang zum Park. Foto: Illustration: Fürst Development
Das Modell des neuen Zentrums an der Ecke Kochenhof (vorne) und Stresemannstraße (rechts). Im Vordergrund liegt das Stadtteilzentrum, rechts das Forum K, in dem auch Mietwohnungen für Studenten der Kunstakademie entstehen. Unmittelbar am Park liegen die Eigentumswohnungen, links daneben ist der Zugang zum Park. Foto: Illustration: Fürst Development
Stuttgart - Das neue Jahr hat für den Salzburger Investor Franz Fürst mit einer schlechten Nachricht begonnen. Nach langen und intensiven Verhandlungen hat es das Finanzministerium des Landes jetzt abgelehnt, im künftigen Forum K an der Stresemannstraße Räumlichkeiten für die benachbarte Kunstakademie anzumieten. Ein Sprecher des Ministeriums sagte dazu lediglich, das Projekt sei "aus wirtschaftlichen Gründen nicht zustande gekommen". Details wollte er nicht nennen.

Franz Fürst erklärte auf Anfrage: "Diese Entscheidung des Ministeriums hat mich überrascht, denn wir hatten zwei Jahre lang verhandelt und im vergangenen November vom Finanzministerium bereits einen Mietvertrag zugesandt bekommen." Ihm tue es leid, "dass unsere Idee, im Forum K ein neues Institut für Kunsttechnologie anzusiedeln, nicht verwirklicht wird". Für die Akademie selbst, aber auch für Stuttgart und die gesamte Region wäre dies "ein wichtiger kreativer Impuls" gewesen.

Er wisse, dass die Kunstakademie diese Chance gerne genutzt hätte. Das Institut sollte ein Neuanfang für die bereits bestehende, renommierte Restaurierungswerkstatt der Akademie sein, in der wertvolle Kunstwerke – auch für Museen und Galerien – gesichert und saniert werden. Auch im Stuttgarter Rathaus wurde die Absage des Finanzministeriums mit Bedauern zur Kenntnis genommen, schließlich hatte der Gemeinderat im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen, das von Franz Fürst erdachte Projekt mit einem kommunalen Zuschuss von mehr als einer Million Euro zu unterstützen und damit dem Land finanziell entgegenzukommen.

Bauarbeiten sollen im Februar beginnen


Das Geld aus der Stadtkasse war dazu gedacht, die Mietkosten des Landes für die neuen Räume der Akademie über zwanzig Jahre hinweg zu subventionieren. Der Stadtkämmerer Michael Föll, der das Kulturprojekt gefördert hatte, sagte: "Ich bedaure die Absage des Landes sehr, denn ein Institut für Kunsttechnologie wäre eine vorteilhafte und vernünftige Ergänzung für die Akademie gewesen.

Es ist schade, dass die Hochschule am Killesberg in Zukunft keine Möglichkeit mehr hat, ihre Außenstellen dort zu konzentrieren und sich zu erweitern." Immerhin, so der Stadtkämmerer, seien die von Fürst geplanten Neubauten auf dem ehemaligen Messegelände am Killesberg durch die Absage nicht gefährdet.

Trotz dieses Rückschlags, so kündigte Franz Fürst jetzt an, sollen im Februar die Bauarbeiten für das neue Stadtteilzentrum, das Forum K sowie die mehr als siebzig Eigentumswohnungen am Rand des Höhenparks beginnen. Fünfzig Prozent der Wohnungen seien verkauft, die geplanten Gewerbe- und Büroflächen zu siebzig Prozent vermietet.

Die "Modemeile" ist passé


Die Räume, die für die Akademie gedacht waren, würden ebenfalls als Büroflächen angeboten – die Nachfrage in Stuttgart sei groß, Sorgen wegen der Vermietung mache er sich nicht. Im Stadtteilzentrum am Kochenhof werden die Einzelhandelskonzerne Aldi und Edeka Supermärkte einrichten, dazu kommen Filialen der DM-Drogeriekette sowie die Stuttgarter Volksbank. Geplant sind nach Fürsts Angaben auch Arztpraxen, eine Apotheke, ein Optiker, eine Buchhandlung, ein Möbelgeschäft sowie diverse Gastronomie.

Unter dem Gebäudekomplex wird eine Tiefgarage mit 320 Stellplätzen entstehen. In zwei Jahren soll die Aufsiedlung am Killesberg abgeschlossen sein. Mit dem Bau des Scenario auf dem alten Messeparkplatz will Franz Fürst allerdings "erst im Sommer oder Herbst beginnen". Das Baugesuch dafür sei noch in Arbeit. Den ursprünglichen Begriff einer "Modemeile" werde er für dieses Projekt "nicht mehr verwenden".

Das ursprüngliche Konzept eines sogenannten Orderzentrums für die Modebranche habe er überarbeitet – künftig solle es im Scenario Angebote aus den Bereichen Gesundheit und Wellness, Design und Mode geben.
Kommentare (13)
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JAN
21
Mutbürger, 14:00 Uhr

Fürstendämmerung

Die Stadt hat Herrn Fürst 1,06 Mio beim Kaufpreis für die Grundstücke nachgelassen. Wenn ich die städtischen Finanzamateure richtig einschätze ist dieses Geld teilweise futsch, auch wenn die Kunstakademie keine Räume bekommt (Ersatz für Planungsaufwand, Umplanung etc.) Jetzt rächt es sich, dass man nicht die vorhandenen, im städtischen Eigentum stehenden Messegebäude an der Stresemannstraße nicht behalten und mit überschaubarem finanziellem Aufwand umgebaut hat. Die Nachnutzung der Messe als Ausstellungsräume und Besucher-Technologie-Park wurde ohnehin sofort mit fadenscheinigen Argumenten abgetan. Fürst sei alternativlos. An die Stelle der "Fashion-Mall" soll jetzt ein Gesundheits-Gemischtwarenladen treten. und irgendwann kommt das erahnte Outlet-Center. Was bleibt ist ein Killesberg-Park ohne Parkmöglichkeitenmit vorhersehbarem Chaos.

JAN
21
Nachbar Eisenbeiß, 13:37 Uhr

Kein Geld!

Das ist erst der Anfang. S21 wird weitere Landesmittel verschlingen. Mappus und Gönner zeigen sich da willig. Auch der als "Entlastungsoffensive" gedachte EnBW Deal wird wohl erhebliche negative Auswirkungen auf die Landesfinanzen haben. Mutmasslich in Milliardenhöhe. Sinnvolle Investitionen in die Zukunft des Landes müssen unterbleiben, sofern für nicht wahlkampfwirksam vermarktbar erachtet. Da wird nach der Wahl, unter den Stichworten "Haushaltssanierung" und "Schuldenbremse", sicher noch ganz anders hingelangt werden. Man kann ja schliesslich nicht in jedem (Boom)jahr einen weiteren Neuverschuldungsrekord hinlegen! Dem Gemeinwohl verpflichtete Politik sieht jedenfalls anders aus! Wenigstens ist in diesem Fall der Stadt kein Vorwurf zu machen. Der dem Land angebotene Mietzuschuss von immerhin 1 Mio. hätte sich als eher gut angelegtes Geld erwiesen. Schade um die Chance!

JAN
21
antholog, 13:15 Uhr

Themenwoche bei der StZ

Lustig, egal wie die Überschrift zu einem Artikel lautet - irgendwie kann in Stuttgart grad wohl nix passieren, ohne dass es in irgendeiner Form um den Verlust von (nicht-etablierter) Kunst, (Sub-)Kultur und Bildung geht. (Nordbahnhof, Killesberg, Hafencity-Vortrag, G8-Überprüfung, 1600 nicht wieder zu besetzende Lehrerstellen ... oh, da hatte die StZ gar nicht drüber berichtet, glaub ich ...) Das macht die Dramatik viel sichtbarer als eine Portionierung in kleine Häppchen. Eine neue subtile Wahlkampfstrategie der StZ? :o)

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