Zerwürfnis im Ludwigsburger Landratsamt Vizelandrat wechselt ins Innenministerium

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Der Ludwigsburger Vizelandrat Utz Remlinger übernimmt eine Leitungsposition in Stuttgart. Er selbst spricht von einer „neuen beruflichen Herausforderung“, aber klar ist auch: Remlingers Verhältnis zu seinem Chef Rainer Haas ist zuletzt mindestens belastet, wenn nicht zerrüttet gewesen.

Sie gehen in Zukunft getrennte Wege: der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas (rechts) und sein bisheriger Stellvertreter Utz Remlinger. Foto:  
Sie gehen in Zukunft getrennte Wege: der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas (rechts) und sein bisheriger Stellvertreter Utz Remlinger. Foto:  

Ludwigsburg - In seinem Büro ist Utz Remlinger schon nicht mehr zu erreichen, er hat Urlaub. Vermutlich wird der Ludwigsburger Vizelandrat in den kommenden Tagen nur kurz zu seinem Schreibtisch im Kreishaus zurückkehren, um seine Sachen zu packen, dass er dabei übermäßig melancholisch wird, ist nicht zu erwarten. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung“, sagt er.

Obwohl Remlinger seinen Abgang intern schon vor einigen Tagen bekannt gegeben hat, hielt das Landratsamt die Nachricht zurück. Inzwischen ist die Personalie durchgesickert, und auf Nachfrage bestätigt der 47-Jährige nun auch öffentlich, dass er nach Stuttgart wechselt. Ohne zu sagen, wohin. „Es ist noch nicht so weit, dass die Details verkündet werden können.“

Nach Informationen unserer Zeitung übernimmt Remlinger, der Mitglied der CDU ist, eine Leitungsposition im von Thomas Strobl (ebenfalls CDU) geführten Innenministerium. Spätestens in zwei Wochen soll der Wechsel vollzogen sein. Dass es nun so schnell geht, ist überraschend. Aber dass sich Remlinger nach jetzt achteinhalb Jahren als Erster Landesbeamter und Stellvertreter des Landrats beruflich verändern will, war bekannt.

Remlinger wollte in den Landtag, scheiterte aber bei der Nominierungsveranstaltung

Im vergangenen Jahr hatte er sich als CDU-Kandidat für die Landtagswahl beworben, scheiterte aber bei der Nominierungsveranstaltung im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Der nächste Rückschlag folgte vor wenigen Wochen. Im März trat Remlinger als Vorsitzender der Abfallverwertungsgesellschaft (AVL) des Landkreises zurück, die sich massiven Vorwürfen ausgesetzt sah, weil auf einer Deponie Asbest nicht gesetzeskonform gelagert wurde. Außerdem hat die Gesellschaft Abfälle aus atomaren Anlagen gelagert und war dabei überaus intransparent vorgegangen.

Remlinger betonte stets, dass er sich keiner Pflichtverstöße schuldig gemacht habe, sondern mit seinem Rücktritt lediglich einen Neuanfang bei der AVL habe ermöglichen wollen. Trotzdem wurde gemutmaßt, der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas habe ihm den Schritt zumindest nahe gelegt. Das Verhältnis der beiden gilt als belastet, wenn nicht als zerrüttet. „Der Landrat wird nicht unglücklich sein, dass Remlinger jetzt geht“, sagt ein Insider.

Das ergibt sich auch aus der Stellungnahme von Haas, die – vorsichtig ausgedrückt – nicht herzlich ausfällt. Auf die Frage, ob er den Wechsel seines Stellvertreters bedauere, antwortet er: „Wir halten dies für konsequent und stellen uns nicht dagegen.“ Immerhin betont Haas, dass Remlinger auf eigenen Wunsch gehe. Die Leitung von dessen Dezernat mit den Bereichen Umwelt, Technik und Bauen übernimmt nun vorübergehend Haas selbst. Die Suche nach einem Nachfolger ist Aufgabe der Landesregierung, die sich dabei aber mit dem Landrat abstimmen muss.

Zu seinem Chef will sich der Vize nicht mehr äußern

Remlinger äußert sich nicht mehr zu Haas, sondern sagt nur, er wolle den Blick nach vorne richten. Was zum Zerwürfnis geführt hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Immerhin sind viele Beobachter der Meinung, dass Remlinger an der AVL-Misere der vergangenen Monaten kaum Schuld trägt und insgesamt eine gute Bilanz vorweisen kann.

Er selbst sieht das, wenig überraschend, ähnlich. „Ich gehe nicht mit einem Rucksack voller Probleme.“ Der Aufbau der integrierten Leitstelle, das Klimaschutzkonzept – er habe in seiner Position viel gestalten können. Auch die AVL sei grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, die Gesellschaft sei stark gewachsen und habe in seiner Zeit viel vorangebracht. Dass Remlinger ins Innenministerium wechselt, erscheint folgerichtig. Bevor er nach Ludwigsburg kam, arbeitete er bereits für die Landesverwaltung, unter anderem als Referatsleiter im Staatsministerium. Für ihn geht es zurück in die Zukunft.

Aus den Augen verlieren werden sich Haas und Remlinger, selbst wenn sie es gerne würden, vermutlich nicht. 2015 wurde Remlinger für vier weitere Jahre zum Vorsitzenden des Ludwigsburger Kreisverbands des Roten Kreuzes gewählt. Er müsse nun erst mal sehen, wie sich das Ehrenamt mit seinem neuen Beruf vereinbaren lasse, sagt Remlinger. „Aber grundsätzlich bin ich gewillt, meine Pflichten beim DRK weiter zu erfüllen.“