Krimikolumne

Zoë Beck: Die Lieferantin Drogenrevierkämpfe im Post-Brexit-Großbritannien

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Old-Economy-Drogendealer wollen einer smarten Konkurrentin aus dem Darknet auf möglichst tödliche Weise die Flausen austreiben. Wie das schief geht oder nicht, erzählt Zoë Beck in ihrem neuesten Thriller „Die Lieferantin“.

Zoë Beck hat einen flotten Thriller geschrieben, der im Großbritannien einer nicht allzu fernen, aber düsteren Zukunft spielt. Foto: Victoria Tomaschko/Suhrkamp Verlag
Zoë Beck hat einen flotten Thriller geschrieben, der im Großbritannien einer nicht allzu fernen, aber düsteren Zukunft spielt. Foto: Victoria Tomaschko/Suhrkamp Verlag

London - Es klingt simpel, doch wie meistens bei digitalen Startups ist die Technik hochkomplex: Drogenkonsumenten bestellen per Smartphone-App im Darknet, der dunklen und im Zweifel kriminellen Ecke des Internets, den Stoff ihres Bedarfs. Wenig später kommt eine kleine Drohne zum vereinbarten Treffpunkt geflogen und lässt die Drogen vor den Füßen der Kundschaft landen. Organisiert hat diese moderne Art des Straßendeals Elliot Johnson, und sie verdient mit dem anynomen und perfekt organisierten Vertrieb jede Menge Geld.

Wenig überraschend pfuscht Ellie Johnson dabei allerdings einigen Vertretern der, wenn man so will, kriminellen Old Economy ins Handwerk. Die sind im Familienclan organisiert, strecken ihren Stoff fröhlich mit allerlei Pulvern und lassen unliebsame Konkurrenz oder auch Polizeispitzel nach einer deftigen Tracht Prügel in der Themse verschwinden. Diese Londoner Gangster alter Schule spüren Elliot Johnsons geschäftliche Aktivitäten merklich in den eigenen Geldkoffern – und machen sich auf die Suche nach der unliebsamen Konkurrenz.

Eingebettet hat Zoë Beck ihren neuesten Thriller „Die Lieferantin“ in eine dystopische Version Großbritanniens kurz nach dem Brexit. Die Straßen werden beherrscht von rassisitisch-faschistischen Schlägertrupps, die zum Teil von politischen Kräften gedungen werden, um das aktuelle Projekt der Regierung – den Ausstieg aus einer verantwortungsvollen, liberalen Drogenpolitik – voranzutreiben. Per Volksentscheid sollen die Briten über den „Druxit“ entscheiden, und dabei wird mit allen harten Bandagen gekämpft.

Diese explosive Gemengelage schildert Zoë Beck spannend in schnörkelloser Sprache und mit hohem Tempo. Gelegentlich eilt die Handlung allerdings so schnell voran, dass die Schilderung die Qualität eines oberflächlichen Exposés hat. Aber insgesamt ist „Die Lieferantin“ eine angenehm unkonventionelle Thrillerlektüre, die ihren Charme aus dem Post-Brexit-Szenario zieht, in dem die Regeln gesellschaftlichen Zusammenlebens so weit außer Kraft gesetzt sind, dass fast alles möglich erscheint – und der Leser mit allem rechnen muss.

Zoë Beck: Die Lieferantin. Thriller. Suhrkamp Verlag Berlin 2017. Klappenbroschur, 324 Seiten, 14,95 Euro. Auch als E-Book, 12,99 Euro.