Zu wenig Alphabetisierung in Göppingen Manche Kinder kennen weder Stift noch Schere

Von com 

Alphabetisierungskurse für Flüchtlinge und Kindergartenplätze für Flüchtlingskinder sind in Göppingen rar. Das will der Runde Tisch Asyl ändern.

Vor der Einschulung sollten die Kinder aus Flüchtlingsfamilien zunächst ein Jahr lang mit den wichtigsten hiesigen Kulturtechniken vertraut gemacht werden, fordern Rektorinnen. Foto: dpa
Vor der Einschulung sollten die Kinder aus Flüchtlingsfamilien zunächst ein Jahr lang mit den wichtigsten hiesigen Kulturtechniken vertraut gemacht werden, fordern Rektorinnen.Foto: dpa

Göppingen - Sport, Kinderbetreuung, Sprachkurse und Schule standen im Fokus des ersten Runden Tischs Asyl in diesem Jahr, zu dem die Stadt Göppingen eingeladen hatte. Die ehren- und hauptamtlichen Begleiter von Flüchtlingen waren sich einig, dass die Übersicht über die Sprachkurse transparenter werden müsse. Gefordert wurden mehr Alphabetisierungskurse, ein Vorbereitungsjahr für Grundschüler aus Flüchtlingsfamilien und eine ausreichende Zahl an Kindergartenplätzen.

Alle Notplätze sind belegt

„Es gibt keine freien Kindergartenplätze im Bodenfeld, das ist für die Betroffenen ganz schlecht“, beschrieb die Rektorin der Bodenfeldgrundschule, Margrit Arnold-Kunzweiler, die Lage der Flüchtlingskinder in dem Stadtteil. Tatsächlich seien alle Notplätze sowie die Notgruppe belegt, und die Einrichtungen seien voll wie seit Jahren nicht mehr, gestand Ulrike Haas ein, die das zuständige städtische Referat Kinder und Jugend leitet. Die Verwaltung habe das Problem erkannt, wolle mehr Gruppen anbieten und dies auch gleich in der anstehenden Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten berücksichtigen.

Die hohen Hürden des Kommunalverbandes Jugend und Soziales im Genehmigungsverfahren für neue Kinderbetreuungsgruppen bezeichnete Haas als einen Hemmschuh, denn die Stadt brauche für ­jede neue Gruppe eine eigene Betriebserlaubnis. Umgehen ließe sich das Verfahren nur, wenn kleine Gruppen mit maximal zehn Plätzen eingerichtet würden.

Viele Kinder landen in der Südstadtgrundschule

Probleme bei den Angeboten für jüngere Kinder sieht auch die Rektorin der Südstadtgrundschule, die durch die räumliche Nähe zur Gemeinschaftsunterkunft Pappelallee zum Teil mehrmals pro Woche Kinder in die beiden Vorbereitungsklassen aufnimmt. Brigitte Haneklaus sagte, dringend erforderlich sei eine zusätzliche Vorbildung dieser Kinder in einem der Grundschule vorgeschalteten Jahr, damit sie die hiesigen Kulturtechniken erlernen könnten. „Sie kennen teils weder Stift noch Bücher, auch keinen Radierer und keine Schere“, beschrieb die Rektorin die Aufwand, der nötig sei, um diese Kinder in den Unterrichtsalltag zu integrieren.

Doppelstrukturen abbauen

Engpässe wurden auch bei den Alpha­betisierungskursen der Volkshochschule (VHS) und der Arbeiterwohlfahrt erkannt. „Wir können das kurzfristig nicht abdecken“, sagte die VHS-Fachbereichsleiterin Deutsch als Fremdsprache, Beate Rudolph. Bei den Deutschkursen habe die VHS die Grenze des Machbaren erreicht, seitdem das Angebot um 50 Prozent gesteigert worden sei. Der Austausch am Runden Tisch ergab Doppelstrukturen bei Einstiegskursen durch mehrere Anbieter und zu wenig Fortgeschrittenenkurse. Um dies zu koordinieren, solle eine Plattform für freie Plätze eingerichtet werden, riet die kommunale Wirtschaftsförderin Christine Kumpf.

Ihre Angebote beim Sport für Flüchtlinge stellten Vertreter des TV Holzheim, von Frisch Auf Göppingen und der Spielgemeinschaft Bezgenriet-Jebenhausen vor. Die Mitgliedsgebühren der Flüchtlinge könnten über das Teilhabepaket finanziert werden, erklärte der Fachbereichsleiter Schule, Sport, Soziales, Ulrich Drechsel.