Züge stehen still Warnstreik der Lokführer
dapd, 25.02.2011 15:14 Uhr
 Foto: dadp
Foto: dadp
Berlin/Stuttgart - In Baden-Württemberg ist der Schienenverkehr nach dem Ende der Warnstreiks der Lokführer am späten Freitagvormittag wieder angelaufen. Wegen Warnstreiks der Lokführer hatten Bahnreisende erneut erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Bundesweit fielen im Nah-, Regional- und Fern- sowie Güterverkehr Züge aus oder erreichten ihr Ziel mit massiver Verspätung, wie die Deutsche Bahn (DB) in Berlin mitteilte. Der Streik begann um 8.30 Uhr, nach drei Stunden nahmen die Lokführer die Arbeit wieder auf.

Von der Aktion ausgenommen war einzig die Berliner S-Bahn, die ohnehin nur eingeschränkt fährt. Besonders betroffen waren das Rhein-Main-Gebiet sowie der S-Bahn-Verkehr in Hamburg und Stuttgart. Der S-Bahnverkehr in Stuttgart und im Rhein-Neckar-Kreis sei praktisch ganz zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn auf dapd-Anfrage. An den großen Umsteigebahnhöfen Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe setzte die Bahn zusätzliches Servicepersonal ein, um die Kunden zu informieren. Um Besucher der Bildungsmesse didacta trotz der S-Bahnausfälle zum Stuttgarter Messegelände befördern zu können, richtete die Bahn einen Shuttlebus-Verkehr ein.

Gewerkschaft fordert "tragfähige Angebote"


Mit den Warnstreiks will die GDL den Druck im festgefahrenen Tarifstreit mit der Bahn und den sechs größten privaten Bahnunternehmen erhöhen: "Das Vergießen von Krokodilstränen und öffentliche Beteuerungen der Verhandlungsbereitschaft sind kein Ersatz für tragfähige Angebote", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. DB und Privatbahnen müssten jetzt "deutlich nachbessern, um weitere Arbeitskämpfe abzuwenden".

Warnstreiks der Lokführer hatten schon am Dienstag zu massiven Behinderungen im Zugverkehr geführt: Zehntausende Bahnreisende mussten erhebliche Verspätungen hinnehmen. Weselsky betonte vor Beginn der Arbeitsniederlegungen am Morgen in Frankfurt am Main, die GDL gehe mit ihrer "Streikmacht verantwortungsbewusst um". Das zeige sich schon daran, dass der Warnstreik diesmal nicht den Berufsverkehr treffe. Der Gewerkschaftschef verwies zugleich auf die laufende Urabstimmung über weitere Streiks. Die Auszählung der Wahlzettel beginne am 7. März. Sollten die Lokführer die Linie der Gewerkschaft mehrheitlich unterstützen, könne es zu regelmäßigen Arbeitsniederlegungen kommen.

Die GDL fordert in der seit Sommer 2010 andauernden Tarifrunde einheitliche Löhne und Gehälter für alle 26.000 Lokführer in Deutschland, egal ob sie Fern-, Nah- oder Güterzüge fahren. In einem Flächentarifvertrag soll ein Entgelt festgeschrieben werden, das bei 105 Prozent des DB-Niveaus liegt. Der Staatskonzern habe bislang lediglich eine Entgelterhöhung von 1,9 Prozent bezogen auf das Kalenderjahr vorgeschlagen.

"Überflüssige Machtdemonstration"


Die DB bezeichnete den erneuten Warnstreik als "überflüssige Machtdemonstration". "Statt unverzüglich weiter zu verhandeln, setzt die GDL ihre Irrfahrt fort. Die Beeinträchtigungen für unsere Kunden sind unverhältnismäßig", sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Die Bahn und ihre Kunden seien die falschen Adressaten. Die Behauptungen der Gewerkschaft wies Weber als falsch zurück. So umfasse das Entgeltangebot in einem ersten Schritt ein Plus von 1,8 Prozent, in einem zweiten Schritt weitere zwei Prozent. Das entspreche einer Erhöhung von insgesamt drei Prozent bei einer Laufzeit von 29 Monaten. Hinzu kämen weitere Verbesserungen, etwa bei der Altersvorsorge.

Weber rief die GDL auf, sich endlich konkret zu erklären, was genau ihre Forderungen zu einem Flächentarifvertrag noch seien. Um die Auswirkungen der Warnstreiks abzufedern hat die Bahn am Freitag erneut zusätzlich mehrere Hundert Mitarbeiter vor allem an den Service Points in Bahnhöfen und der telefonischen Auskunft eingesetzt. Reisende können sich unter 08000 / 99 66 33 oder im Internet informieren ».
Kommentare (19)
Anzeigen
FEB
26
Bernd, 13:36 Uhr

Züge stehen still

@Dr. Honigtau-Bunsenbrenner,25.02.2011 GDL Die Forderungen der GDL sind berechtigt, ich als Bahnfahrer, habe vollstes Verständniss. SCHÖN; DANN SIND SIE AUCH MIT HÖHEREN FAHRPREISEN EINVERSTANDEN ! DIES IST NÄMLICH DIE FOLGE DES STREIKS ! SIE SIND SPITZE!!!! SOLCHE LEUTE WIE Sie BRAUCHT DEUTSCHLAND ! O D E R ? Ach so, Sie sind der Erste der schreit wenn Preiserhöhungen kommen! Das soll einer erstehen !

FEB
26
Reigeschmeckter, 09:32 Uhr

Man sehnt sich glatt...

...nach den Schnarchern vom DGB zurück. Aber der ist genau aus dem Grund in der Defensive: Wer Müllabfuhrler und Büroangestellte einheitlich behandelt, Journalisten in der selben Gewerkschaft wie Drucker führt, Autobauer und IT-ler in einen Topf wirft - der braucht sich nicht wundern, wenn sich kleine Gewerkschaften gründen, die nur eine Berufsgruppe repräsentieren. Der GDL-Streik ist trotzdem plem-plem und gehört von der Bahn mit allen juristischen Mitteln unterbunden. Die gewiß gewerkschaftsfeindlicher Umtriebe unverdächtige "Süddeutsche Zeitung" schrieb diese Woche: "Diesmal aber will die GDL etwas anderes: Alle Bahnunternehmen (..) sollen sich im Nah-, Fern- und Güterverkehr auf einheitliche Lohn- und Arbeitsstandards für die Lokführer einigen. Was die Sache absurd macht: Auch die DB ist dafür zu haben (..) Es sind also vorrangig die Konkurrenten, die diesmal durch die Streiks zum Einlenken gebracht werden sollen. Weil die aber längst nicht so viele Kunden haben wie die Bahn und die Arbeitsniederlegungen damit womöglich nicht die erhoffte Aufmerksamkeit bekämen, bestreikt die GDL nun eben auch die DB." http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/-1.1063610 Mit anderen Worten: Die GDL nimmt die Bahn und ihre Kunden als Geiseln. Der Chef der Hamburger Hochbahn, Günter Elste, beschreibt ebenfalls in der SZ die Strategie der GSL: "Aber es saßen die sechs Privatbahnen am Tisch, die DB und die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft). Nur die GDL nicht. Und warum? Weil sie seit Jahren immer dieselbe Strategie fährt: Sie wartet, bis sich alle anderen in der Branche auf ein Ergebnis verpflichtet haben - um dann hinterher ihre konkurrierende Gewerkschaft zu toppen." http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/-1.1062177 Für solches Geschacher auf dem Rücken der Kunden fehlt mir jedes Verständnis. Also: GDLer mit der Bundespolizei von den Loks holen und durch Fahrer vernünftiger Gewerkschaften und die verbliebenen Beamten ersetzen!

FEB
26
22century, 07:31 Uhr

@ dieter, sam jones

Ich wundere mich nicht, denn Egoismus und Ignoranz gehen einher mit ihnen und solchen. Chaos... das ist was völlig anders, da läuft vielleicht WOCHENLANG nichts. Wenn "Lokführer" aus Billiglohnländern oder "a friend of a friend" an das Steuer gelassen wird, für `n € die Stunde, da können sie mal erleben was Stress bedeutet. Stellen sie sich mal auf Chaos und Stundenlanges Warten in Zugigen Bahnhöfen ein..... das kommt. Oder fahren sie mit dem Auto, da passt es ihnen aber nicht weil sie hinter den LKW rumzuckeln

Kommentar-Seite 1  von  7