Zuffenhausen Auf Schnuppertour in der Backnanger Biogas-Anlage

Von Bernd Zeyer 

Eine Besuchergruppe aus Zuffenhausen hat sich die Vergärungsanlage im Rems-Murr-Kreis angeschaut.

110 Meter lang und 33 Meter breit ist die Halle der Backnanger Biogas-Anlage. Für Zuffenhausen ist eine circa 70 Meter lange Halle geplant. Foto: Bernd Zeyer
110 Meter lang und 33 Meter breit ist die Halle der Backnanger Biogas-Anlage. Für Zuffenhausen ist eine circa 70 Meter lange Halle geplant. Foto: Bernd Zeyer

Zuffenhausen - Dass auf dem Areal Sauhalde eine Bioabfall-Vergärungsanlage gebaut werden soll, stößt in Zuffenhausen auf Kritik. Auch der Bezirksbeirat hat die Pläne abgelehnt und einen Alternativvorschlag gemacht. Eine ähnliche Anlage, wie sie für Stuttgart geplant ist, gibt es in Backnang-Neuschöntal. Sie ist am Montag von einer 20-köpfigen Zuffenhäuser Delegation samt Bezirksvorsteher Gerhard Hanus besichtigt worden.

„Hier drin herrscht der intensivste Geruch“, sagt Gerald Balthasar und öffnet eine dicke Stahltür. Der technische Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) des Rems-Murr-Kreises hat nicht zu viel angekündigt: In der Rottehalle riecht es tatsächlich dermaßen übel, dass die meisten der Besucher sich die Nase zuhalten und schnell wieder den Weg nach draußen suchen. Vor der Tür entspannen sich die Gesichtszüge. Die Luft ist sozusagen wieder rein. Das liege daran, dass die Anlage komplett gekapselt sei und in ihrem Innern ein leichter Unterdruck herrsche, erklärt Balthasar. Sobald eine Tür offen ist, wird Luft von außen nach innen gesaugt. Die Abluft wird mit Biofiltern gereinigt. Vor kurzem hat der Tüv 100 Geruchseinheiten gemessen. Der Grenzwert ist fünfmal so hoch.

"Biomüll hat ein starkes Energiepotenzial"

36 000 Tonnen Biomüll verarbeitet die Backnanger Anlage jährlich. Für das Zuffenhäuser Modell sind in der ersten Ausbaustufe 17 500 Tonnen geplant. „Biomüll hat ein starkes Energiepotenzial“, erläutert Thomas Heß, der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Er hatte bei der jüngsten Bezirksbeiratssitzung angeboten, dass eine Zuffenhäuser Delegation nach Backnang fährt und sich dort einen Eindruck verschafft. Per Überzeugungsarbeit möchte Heß den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Das Interesse hält sich allerdings in Grenzen. Von den 80 Plätzen im Bus sind nur etwa 20 besetzt. Trotzdem gibt es genügend Fragen. Die häufigste ist die nach dem Standort. Warum, so möchte man immer wieder wissen, soll die Anlage in einem ohnehin schon stark von Lärm und Abgasen belasteten Bezirk gebaut werden.

In Zuffenhausen wird die Anlage 300 Meter von der Wohnbebauung entfernt stehen. So sind die Pläne. Die Bezirksbeiräte hatten auf Vorschlag der SPD-Fraktion einen Alternativstandort ins Spiel gebracht, der weiter nördlich liegt und der rund 600 Meter von den Wohnhäusern entfernt wäre. Der Vorschlag wird laut Heß momentan noch geprüft. In Backnang ist das nächste Wohnhaus circa 250 Meter entfernt. „Es gab weder im Vorfeld noch nach der Inbetriebnahme Einsprüche“, erzählt Gerald Balthasar. Von Anfang an hätte man auf ein transparentes Verfahren Wert gelegt. Insgesamt 8000 Lastwagenfahrten sind pro Jahr nötig, um die Anlage mit Biomüll zu beliefern oder Kompost und Flüssigdünger zum Verbraucher zu transportieren. Die produzierte Wärme geht zum benachbarten Klärwerk. Der gewonnene Strom wird ins Netz eingespeist. Auch der Strom der Zuffenhäuser Anlage soll ins Netz fließen. Die Wärme hingegen würde das Stadtbad beheizen, in dessen Keller ein Blockheizkraftwerk gebaut werden könnte.

Rund 8,5 Millionen Euro sind für den Bau der Anlage veranschlagt. Gewinne aus dem Verkauf von Wärme, Strom und Dünger sollen durch Reduzierung der Abfallgebühr an die Verbraucher weiter gegeben werden. Am Dienstag, 20. März, steht das Thema Vergärungsanlage wieder auf der Tagesordnung des Bezirksbeirates.

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