Zukunft der Stuttgarter Gäubahntrasse Das Angebot muss sexy sein

Von Petra Mostbacher-Dix 

Harald Beck vom Verkehrsclub Deutschland hat im Stuttgarter SPD-Ortsverein Nord-Prag ein Konzept für die Zukunft der Gäubahntrasse vorgestellt.

Diese  Bahnstrecke bietet ihren Passagieren nicht nur ein schönes Panorama, sondern hat nach Ansicht des VCD eine Menge Potenzial für den Nahverkehr. Foto: dpa
Diese Bahnstrecke bietet ihren Passagieren nicht nur ein schönes Panorama, sondern hat nach Ansicht des VCD eine Menge Potenzial für den Nahverkehr.Foto: dpa

S-Nord - „Wir wollen jetzt mal einen Stein ins Wasser werfen“, sagte Gottfried Schmitt, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Nord-Prag, bei der Begrüßung im Naturfreundehaus Steinbergle. Damit meinte er die Panoramabahn Stuttgart, Teil der Gäubahn. Deren Trasse sollte ursprünglich im Zuge von Stuttgart 21 abgerissen werden. Im Schlichtungsverfahren 2010/11 indes wurde vereinbart, die Strecke zu erhalten. Viel geschehen, so Schmitt, sei nicht. „Langsam wird es Zeit, sich Gedanken zu machen, welche Perspektiven die Strecke hat.“ Also hatte er jemanden geladen, der mit der Panoramabahn von Stuttgart nach Böblingen fährt und schon einige Jahre deren Chancen für Nahverkehr erforscht: Harald Beck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) referierte über „Was soll aus der Gäubahntrasse werden?“

Die Gäubahn fährt seit 1879 von Stuttgart bis Singen. Im Stadtgebiet macht sie eine Schleife vom Hauptbahnhof aus über Stuttgart-Nord durch den oberen Teil des Westens in Heslachs Höhen und den Dachswald nach Vaihingen, wo sie Stuttgart verlässt. Das erste Teilstück davon wird Panoramastrecke genannt. Stoppte die Bahn einst noch am Westbahnhof, in Heslach und am Wildpark, hält sie, genauer der Regionalexpress (RE), seit 1985, nur noch am Hauptbahnhof. Die Gäubahntrasse zwischen Nordbahnhof und Österfeld hat die Stadt Stuttgart 2014 für 14 Millionen Euro der Deutschen Bahn abgekauft.

Eine Bereicherung für den Nahverkehr

Für Beck ist klar: Die Panoramabahn bereichert den Stuttgarter Nahverkehr. Das erklärte Ziel aller sei, den Straßenverkehr zu entlasten, Emissionen zu reduzieren, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu stärken. Das bekannte Problem: Der ÖPNV hat Engstellen, die auf S-Bahn und im Stadtbahn-System wirken – mit Zugausfällen und Verspätungen. Zudem sind unterirdische Trassen teuer und nur schwer umzusetzen aufgrund mangelnden Platzes im Talkessel. Dennoch will die Stadt nach ihrem Verkehrsentwicklungskonzept – wie national – die CO2-Emissionen um 40 Prozent zwischen 1990 und 2020 senken.

Dazu trage die Gäubahn bei, so Beck. „Die Bahnstrecke ist vorhanden: Mit der Panoramabahn kann das Angebot auf der Schiene ausgebaut werden, ohne die ohnehin stark belastenden Stammstrecken der S-Bahn vom Hauptbahnhof bis zur Schwabstraße zu beanspruchen.“ Die Baumaßnahmen beschränkten sich auf Bahnsteige und Zugänge.

Zwölf potenzielle Haltestellen

Wie das aussehen könnte, hat der Entwicklungsingenieur erarbeitet. Zwölf Haltestellen legte er fest: Hauptbahnhof, Mittnachtstraße, Wagenhallen, Mönch- und Lenzhalde, Köllestraße, Westbahnhof, Heslach, Wildpark, Dachswald, Österfeld und Vaihingen. Von dort aus wurden je konzentrische Einzugsgebiete von 500 Metern abgezirkelt, dabei potenzielle Fahrgastzahlen hochgerechnet. Auch die Investitionskosten berechnete Beck. Werden im Szenario A acht Bahnsteige eingerichtet, kostet die Erschließung, Planung und Anschaffung für zwei Fahrzeuge mit 40 Metern Länge und jeweils 100 Sitzplätzen insgesamt 15,1 Millionen Euro. Die Anfangsinvestition für Stufe B wiederum, das etwa 21 Bahnsteige und neun Haltepunkte beinhaltet, betrage 42,8 Millionen Euro. Beck betonte, dass dies kein wissenschaftliches Gutachten sei. „Ein solches kostet zwischen 20 000 und 50 000 Euro – es ist nötig, damit in den politischen Gremien ein Beschluss gefasst werden kann.“

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