InterviewZukunft des Fernsehens „Das lineare Fernsehen wird es nicht mehr geben“

Von Antje Hildebrandt 

Christoph Krachten organisiert die Video Days. Was YouTube für Jugendliche so interessant macht, wo es noch Nischen gibt und was das Fernsehen von der Videoplattform lernen kann, verrät er im Interview.

Christoph Krachten glaubt an digitale Plattformen. Foto: dpa
Christoph Krachten glaubt an digitale Plattformen. Foto: dpa

Stuttgart – Er begann selber als YouTuber, bevor er als Gründer des Kölner Netzwerkes Mediakraft jüngere Kollegen an die Hand nahm. Inzwischen hat Christoph Krachten, 51, die Firma verlassen und sich als Veranstalter der VideoDays etabliert.

 

Herr Krachten, viele Erwachsene meiner Generation können mit den Kurzfilmen auf YouTube wenig anfangen. Was macht das Medium für Kinder und Jugendliche so interessant?
Das Besondere an YouTube ist, dass sich die Künstler auf Augenhöhe mit ihrem Publikum befinden, weil sie in demselben Alter sind. Sie wissen also genau, was die Kids und Teenager mögen und was sie interessiert. Sie sprechen ihre Sprache. Das ist ein riesiger Vorteil.
TV-Sender beklagen, ihnen liefen die jungen Zuschauer davon. Was kann denn das Fernsehen von YouTube lernen?
Es muss sich den Sehgewohnheiten der Generation YouTube anpassen und Formate produzieren, die auch diese Generation ansprechen. Es muss viel näher am Zuschauer sein.
Zehn Jahre nach seinem Start deckt YouTube fast alle Bereiche ab, von Comedy bis Beauty. Wo sehen Sie noch Nischen?
Ältere Zuschauer spricht das Medium bislang noch wenig an, aber das wird sich ändern, denn die Zuschauer altern ja mit den Produzenten. Dementsprechend werden sich auch die Inhalte ändern. Nehmen Sie mich zum Beispiel. Als YouTuber habe ich mit auf meinem eigenen Kanal Clixoom mit Talkshows angefangen. Irgendwann hatte ich alle Promis interviewt, die ich spannend fand. Heute mache ich Science & Fiction, Wissenschaftsnews und verblüffende Experimente und das interessiert 18-34jährige.
Wagen Sie eine Prognose: Wo wird YouTube in zehn Jahren stehen?
Es wird sich immer mehr emanzipieren als eine Plattform unter vielen, neben Facebook, Instagramm oder dem Fernsehen. Das lineare Fernsehen, wie wir es heute kennen, wird es dann nicht mehr geben. Sie können dann alle Inhalte jederzeit und an jedem Ort anschauen. Und ob die vom Satelliten oder aus dem Internet kommen, ist dann kaum noch zu unterscheiden und außerdem auch vollkommen unwichtig.