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Zukunftskonzept Korntal-Münchingen 25 „Es gibt viele Klischees“

Annegret Jacobs, 26.02.2013 09:20 Uhr
Korntal-Münchingen – Es gibt Unterschiede zwischen den Stadtteilen Korntal, Münchingen und Kallenberg. Aber – diese Unterschiede decken sich kaum mehr mit den Klischees. Isabell Sprenger, die Sachgebietsleiterin der Geschäftsstelle Gemeinderat in Korntal-Münchingen, leitet die Gruppe 4 des Zukunftskonzepts mit dem Titel „Wir sind Korntal-Münchingen“.
Frau Sprenger, Korntal und Münchingen trennt die Autobahn. Beide Stadtteile haben unterschiedliche Telefonvorwahlen. Ganz schön viel Trennendes für eine Stadt von weniger als 20 000 Einwohnern.
Ja, das mangelnde Wir-Gefühl war auch ein Ergebnis unserer Befragungsaktion, die wir im Rahmen des Zukunftskonzeptes Korntal-Münchingen 2025 gemacht haben. Immer wieder ging es darin auch um die großen Unterschiede zwischen den drei Stadtteilen. Oder besser gesagt: um die vermeintlich großen Unterschiede.

Was meinen Sie mit „vermeintlich“?
Es gibt ja viele Klischees über die Stadtteile. Auf der einen Seite existiert das Bild vom heiligen und eher städtischen Korntal. Dem gegenüber steht das Bild des dörflichen und traditionellen Münchingens. Bei näherer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass diese Unterschiede kaum mehr festzustellen sind. Die Stadtteile sind sich schon seit langem ähnlicher als viele glauben.

Zum Beispiel?
Beide Stadtteile haben etwa gleich viele Einwohner. Es gibt also keinen großen Hauptort und einen kleineren Nebenort. Die Brüdergemeinde Korntal ist nicht mehr so stark prägend für den Stadtteil, wie sie es früher mal war. Es gibt dort auch andere Kirchen, das darf man nicht übersehen. Münchingen wiederum ist viel weniger landwirtschaftlich geprägt, als man denkt. Es gibt fast keine Vollerwerbslandwirte mehr. Die Bevölkerungsstruktur ist in beiden Stadtteilen recht ähnlich.

Wenn man durch Münchingen fährt und die Fachwerkhäuser in der Ortsmitte sieht, denkt man aber schon an Tradition.
Sicher. Aber das ist ein historischer Unterschied. Der ist zwar heute noch sichtbar, ist aber für die Gegenwart nicht mehr relevant. Die Bevölkerung in Münchingen ist im Schnitt sogar jünger als in Korntal. Das liegt daran, dass in der Vergangenheit Baugebiete vor allem in Münchingen ausgewiesen wurden.

Wen stört das mangelnde Wir-Gefühl eher? Die Korntaler oder die Münchinger?
Da haben wir keine großen Unterschiede in der Befragung feststellen können. Viele haben übrigens auf dem Fragebogen das Wort Klischee gebraucht und es in Anführungsstriche gesetzt. Das haben wir so verstanden, dass auch vielen Bürgern die Schlagworte vom heiligen Korntal auf der einen und vom traditionellen Münchingen auf der anderen Seite überholt scheinen.

Es gibt also keine Unterschiede?
Doch, die gibt es. Aber es sind zumeist eben andere Unterschiede, als die, die in den Klischees angesprochen werden. Wir als Stadtverwaltung wollen die Stadt damit nicht vereinheitlichen. Auch die Bürger wollen keinen Einheitsbrei – dieses Anliegen wurde ganz klar in der Befragung geäußert. Vielmehr glauben wir, dass in der Vielfalt unserer Stadt die Stärke liegt.

Wie soll das Wir-Gefühl nun gestärkt werden – ohne das ein Einheitsbrei entsteht?
Darum geht es jetzt. Voraussichtlich im März wird sich die Arbeitsgruppe 4 des Zukunftskonzeptes erneut zusammensetzen und die einzelnen Projekte beraten. Beispielsweise gibt es Pläne für ein Sommerfest auf der Grünen Spange, die Korntal und Münchingen verbindet. Man könnte sich dort irgendwo auf der Mitte treffen. Im vergangenen Jahr gab es während des Stadtlaufs einen Staffellauf zwischen den Stadtteilen. Wir wollen etwa die Brückenprojekte, die seit einigen Jahren stattfinden, weiter ausbauen. Und bereits jetzt gibt es einen neuen Stadtslogan. Er lautet „Stadt, Land, Plus“ und wird auf der neuen Stadtbroschüre, die demnächst herauskommt, eingesetzt.

Im Gespräch war bislang immer von Korntal und Münchingen die Rede. Was wünschen sich die Kallenberger?
Das ist richtig. Auch wenn es nicht im Namen vermerkt ist, so besteht Korntal-Münchingen aus drei Stadtteilen, wobei Kallenberg aus historischen Gründen zumeist Münchingen zugeschlagen wird. Mit dem Lärm von der B 10 haben die Kallenberger ein ganz eigenes Thema. Dennoch haben gerade die Kallenberger die höchste Zufriedenheit mit ihrem Wohnstandort geäußert.
Den Kallenbergern ist es wichtig, dass sie als kleinster Ortsteil in solchen grundsätzlichen Debatten nicht vergessen werden.