Zulieferer auf der IAA Autozulieferer erhöhen Entwicklungstempo

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Bosch gibt Verbrennungsmotor nicht auf. Worauf Mahle und ZF beim autonomen Fahren setzen und wie sie sich im chinesischen markt aufstellen.

Autoklassiker – zu sehen auf der IAA in Frankfurt Foto: AP
Autoklassiker – zu sehen auf der IAA in Frankfurt Foto: AP

Frankfurt - Bei den großen Zulieferern, die sich auf der Autoschau IAA präsentieren, spielt der Diesel-Skandal allenfalls eine untergeordnete Rolle. „Wir unterstützen in mehr als 300 Kundenprojekten die Autohersteller, die strenge Abgasnorm Euro 6d auf die Straße zu bringen, also in ,real drive emission’ umzusetzen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner in Frankfurt. Weder ZF-Chef Stefan Sommer noch Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider haben den Diesel zu ihrem Thema gemacht.

Doch der weltgrößte Zulieferer, der stark am Diesel hängt, setzt weiter auf die Optimierung des Verbrenners. Denner bekräftigt: „Wir sehen ihn noch lange in der Koexistenz zum Elektroauto“. Dabei geht es Bosch nicht nur um den Diesel, der Zulieferer will nicht zuletzt die synthetischen Kraftstoffe vorantreiben, die zwar noch teuer sind, aber den Vorteil haben, dass die vorhandene Infrastruktur genutzt werden kann. „Ganz persönlich habe ich der Kreativität unserer Ingenieure ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Praktisch null Emissionen, das heißt ein Verbrenner, der sozusagen ausatmet, was er einatmet“, sagt Denner. Wie alle anderen Zulieferer auch, setzt der Bosch-Konzern auch auf Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren.

Zulieferer melden gute Geschäfte

Mit Fahrerassistenzsystemen, die Vorstufe zum autonomen Fahren, macht Bosch derzeit gute Geschäfte. Dieser Bereich wachse dynamisch – „noch kräftiger als das um 25 Prozent zunehmende Marktvolumen“, sagt der Bosch-Chef. 2019 erwartet er in diesem Bereich einen Umsatz von zwei Milliarden Euro, was eine Verdopplung gegenüber 2016 bedeutet. Insgesamt will Bosch in diesem Jahr im Bereich Mobility Solutions, die frühere Kraftfahrzeugtechnik, um sieben Prozent wachsen. Vor allem in China liefen die Geschäfte gut. Auch beim Zulieferer Mahle läuft es gut. „Wir sind im ersten Halbjahr um sechs Prozent gewachsen“, sagt Scheider. „Wir sind zufrieden“.

Ähnlich positive Zahlen hält ZF bereit. Die Integration des US-Konzerns TRW konnte schneller abgeschlossen werden als ursprünglich erwartet. 2017 soll mit einem Umsatz von mehr als 36 (Vorjahr: 35) Milliarden Euro abgeschlossen werden. Auch die Ebit-Quote (das Ergebnis von Steuern und Zinsen im Verhältnis zum Umsatz) dürfte den zuletzt erzielten Wert von sechs Prozent übertreffen. Dies sei wichtig für die Entschuldung des Konzerns, die deutlich vorankomme.

Wichtig ist dies aber auch, um die technologischen Entwicklungen zu finanzieren. Erklärtes Ziel von Sommer ist, das Tempo zu erhöhen. Zwei Milliarden Euro gibt der Zulieferer für Forschung und Entwicklung aus, Tendenz steigend.

Zulieferer setzen auf Kooperationen

Um die Herausforderungen bewältigen zu können und Tempo zuzulegen, setzen die Zulieferer auf Kooperationen. In Frankfurt hat ZF-Chef Stefan Sommer die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Internetkonzern Baidu verkündet. Beide Konzerne wollen ihr Wissen in einer Allianz bündeln, um das autonome Fahren und die Telematik in China voranzubringen. ZF werde Entwicklungskapazitäten in die neue Kooperation einbringen, ein finanzielles Engagement sei damit aber nicht verbunden, so Sommer.

Baidu ist Chinas Antwort auf den US-Konzern Google, der chinesische Konzern hat auch das in China zur Verfügung stehende Kartenmaterial digitalisiert. „Mit Baidu haben wir einen Partner gewonnen, der über hervorragende Expertise bei künstlicher Intelligenz, Big Data und bei cloudbasierten Lösungen verfügt“, lobt Sommer den neuen Partner. Auch Bosch arbeitet bereits mit Baidu zusammen. Und Mahle bereitet gerade die Herstellung von Hochvolt-Elektromotoren vor – gemeinsam mit einem Partner, versteht sich. Den Namen will Scheider noch nicht nennen. Nur soviel: Bereits im nächsten Jahr soll der Mahle-Motor in Serie gehen.