Zum Tod von Vivi Bach Liebe, Brot und Kunst

Mirko Weber, 23.04.2013 19:02 Uhr

Stuttgart – Immer wieder Sonntagnachmittags, wenn das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen glaubt, es sei fast gänzlich unbeobachtet, konkurrieren im Ersten und Zweiten unter anderen öfter mal zwei Schauspieler: Vivi Bach und Dietmar Schönherr. Die eine tritt dann zum Beispiel in „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ auf und der andere in „Kohlhiesels Töchter“. Oder er in „Die Schachnovelle“ und sie in „So liebt und küsst man in Tirol“. Das sind alles Filme aus den frühen sechziger Jahren, als sich Vivi Bach, die Bäckerstochter aus Kopenhagen, und Dietmar Schönherr, der österreichische Offiziersfamiliensohn, noch gar nicht kannten, aber schon mal beim selben Medium arbeiteten. Und wenn man demnächst wieder auf sie treffen sollte, da und dort und auf dem Weg zur Snooker-WM auf Eurosport, dann wird das nicht ohne ein kleines „Ach!“ abgehen. Vivi Bach nämlich ist am Montag im Alter von 73 Jahren auf Ibiza gestorben.

Man kann ihre Lebensgeschichte kaum ohne die mehrmalige Erwähnung ihres Mannes Dietmar Schönherr (86) erzählen (sie heirateten 1965), aber wahrscheinlich hätte Vivi Bach das auch gar nicht gewollt: Bach und Schönherr schließlich waren etwas Einmaliges im Fernsehen, wo sie – abgesehen von folgenden, hingegen absolut verkünstelten Figuren wie Marianne und Michael – in den siebziger Jahren das einzige Paar abgaben, das jemals zusammen eine Unterhaltungssendung moderierte. Dabei jedoch blieben Bach und Schönherr nicht stehen. Irgendwie glückhaft setzten sie ein gemeinsames Leben auch jenseits aller Illusionswelten fort, engagierten sich sehr für die mittelamerikanische Befreiungsbewegung und namentlich für Siedlungen in Nicaragua. „Pan y Arte“ hieß am Ende der Verein, der all diese Aktivitäten bündelte. Brot und Kunst: viel mehr, außer Liebe und Trinken, braucht der Mensch ja tatsächlich nicht. Vivi Bach malte und schrieb Kinderbücher, Dietmar Schönherr las viele Hörbücher ein und drehte ab und zu einen Film. So wurden sie gemeinsam älter .

Ihr Akzent hätte selbst Steine zum Schmunzeln bringen können

Auf dem Höhepunkt ihrer Fernsehkarriere standen Bach und Schönherr als sie Ende 1969 „Wünsch dir was“, eine mit einem genialen Titel versehene Sendung, die in der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz lief, moderierten. „Wünsch dir was“ war das Verbindungsstück zwischen den Samstagabendunterhaltungen von Hans-Joachim Kulenkampff, also letzter Conferencier-Hochämter in altväterlicher Manier, und Rudi Carrells „Am laufenden Band“, womit sich kreischfroh und konsumlustig bereits das Ende des Genres ankündigte. Zu den Autoren zählten Guido Baumann und André Heller, Regie führte Michael Pfleghar. Gewünscht wurde – nach 68 – gewissermaßen eine kritische TV-Wundertüte, und Vivi Bach war die Richtige, um sie auszupacken. Wann immer sich Dietmar Schönherr mit dem ihm eigenen höflichen Widerspruchsgeist (eine nahezu ausgestorbene Spezialität) unnötig zu verhaken drohte, war sie zur Stelle: buchstäblich bildhübsch, gescheit und ausgestattet mit einem dänischen Akzent im Deutschen, der selbst Steine hätte zum Schmunzeln bringen können. „Wünsch dir was“ nahm auf charmante Art und Weise Spielarten des interaktiven Fernsehens wie teilweise sogar das „Dschungelcamp“ im Kern vorweg, und die Fernsehnation konnte sich – noch handy-, ja, man denke, sogar computerlos – geradezu grotesk erregen, wenn einmal ein unverschnürter Busen zu sehen war oder eine Autotür klemmte, unter Wasser, beim Familienselbstversuch, Marke „Wie kommen wir hier raus?“ Vivi Bach, kann man sagen, half der Sendung prinzipiell aus jeder Klemme.

Danach hatte sie, wie sie Dietmar Schönherr später einmal erzählen ließ, genug vom Fernsehen, wo es immer biestiger zuging. Dafür war Vivi Bach, ein freundlicher, kluger Mensch, nicht gemacht. Lieber engagierte sie sich für ein paar ihr sinnvoller erscheinende Projekte – Kunst und Brot, wie gesagt. Ein letztes Mal Showtime war, als Vivi Bach mit Dietmar Schönherr für eine Platte im Duett sang. Dann lebten sie noch über ein Vierteljahrhundert als Duo fort: kritische, solidarische Geister; ein gelungenes Paar.