Die Unsterblichkeit und der Monsun
J.F. Dam: „Der dritte Berg“Suche nach dem Wundermittel

Fast schon eine indische Dan-Brown-Schmonzette: diese Einschätzung dürfte für manchen eine Leselockung darstellen. Aber der Salzburger Indologe hat seinen Roman, in dem eine Pflanze gesucht wird, die den Tod überwindet, leider überkonstruiert.

 
Ein Scheißkerl geht seinen Weg
Jesper Stein: „Unruhe“Jähes Erwachen

Axel Steen ist kein Vorzeigepolizist. Nicht nur seine Vorgesetzten und seine Ex-Frau haben Probleme mit dem übellaunigen Kopenhagener Vizekriminalkommissar. Den Lesern von Jesper Steins „Unruhe“ ergeht es da schon deutlich besser . . .

 
Frau Kommissarin nimmt sich Untergebene
Corinna T. Sievers: „Maria Rosenblatt“Keine leichte Vorgesetzte

Um die Lösung eines Falls geht es in diesem Roman um eine Schweizer Kommissarin nicht. Sondern um das Liebesleben, die Machtspiele und Frustrationen dieser Frau.

 
Die Demontage einer Idylle
Sabine Durrant: „Ich bin unschuldig“Ein vermeintlich perfektes Leben

Eine Fernsehmoderatorin findet beim Joggen die Leiche einer jungen Frau. Sie berührt die Tote und gerät damit selbst unter Mordverdacht. Die Journalistin Sabine Durrant legt hier ihren ersten Krimi vor, aber sie hat nachgeschaut, was sich gemeinhin so verkauft.

 
Es kann der friedlichste Mafioso nicht in Ruhe leben
Dennis Lehane: „In der Nacht“Wege des Rums

Lehrling, Geselle, Meister, Obermeister: Dennis Lehane beschreibt in seinem Mafiakrimi „In der Nacht“ die Karriere eines jungen Mannes, der vom kleinen Bostoner Licht zum Herrn der Fuselschmuggler in Florida aufsteigt. Ein in jeder Hinsicht hochprozentiges Epos.

 
Die Schönheit der Tapferen
Sorj Chalandon: „Rückkehr nach Killybegs“Vom Glanz der Helden

Weil ihn andere vorschnell zum Helden stilisiert haben, kommt ein IRA-Kämpfer in die Bredouille. In der Hitze des Gefechts hat er einen eigenen Mann erschossen. Der Franzose Sorj Chalandon berichtet kenntnisreich von einem Konflikt, in dem er einen Freund verloren hat.

 
Alt,  versehrt und unaufhaltsam
Martin Cruz Smith: „Tatjana“Bleierne Zeiten

Seit der Verfilmung seines Thrillers „Gorki Park“ ist der Autor Martin Cruz Smith eine Nummer im internationalen Krimigeschäft. Auch in seinem jüngster Roman „Tatjana“ hat die bleierne Zeit in Russland noch lang kein Ende –der Ermittler Arkadi Renko kommt den Bösen dennoch auf die Schliche.

 
Eine Heimat wie eine Fertigpizza
Uta-Maria Heim über das Phänomen RegionalkrimiSehnsucht nach dem heilen Gestern

Der Regionalkrimi hat sich als Kuckucksei entpuppt. Er hält den ganzen deutschen Krimimarkt besetzt, andere Krimikonzepte hat er in die Hochkultur abgedrängt. Wie kam es zu diesem Erfolg? Die Krimiautorin Uta-Maria Heim hat eine schlüssige Erklärung.

 
Das Neue macht das Alte platt
Der kleine Markt für KrimiklassikerEs war einmal die Gleichberechtigung

Hier ein altes Abenteuer von Miss Marple, da das brandneue Abenteuer eines amerikanischen Mietschnüfflers: so standen sie nebeneinander, als der Krimi noch in die Schmuddelecke verbannt war. Mit der Sichtbarkeit der Klassiker ist es nun vorbei.

 
Hiob im Superhelden-Kostüm
Matthew Stokoe: „Empty Mile“Harte Zeiten für Superhelden

Die Jugend ein Desaster, der Bruder nach einem Unfall behindert, der Vater spurlos verschwunden: Matthew Stokoe mutet seinem Protagonisten Johnny und dem Leser einiges an Ungemach zu. Aber so ist das Leben in der Kleinstadt eben.

 
Zwei verdächtige Leute mit Tüten
Dieter Paul Rudolph: „Die norwegische Küste“Der Kommissar schiebt Wolken

Der Polizist Hannes Doreich macht Urlaub in einem Gartenhüttchen. Er macht ein paar Beobachtungen, die ihn zu dem Schluss führen, dass in der Hütte nebenan ein entführter Unternehmer gefangen gehalten wird. Aber er unternimmt nichts. Dieter Paul Rudolph stellt wieder mal den Krimi auf den Kopf.

 
Gemetzel am Johannistag
Tonino Benacquista: „Malavita“Die Ruhe vor dem großen Sturm

Eigentlich hätte die Familie Blake in der Normandie gern ihre Ruhe. Doch weil Papa Blake in Wirklichkeit Giovanni Manzoni heißt und als Mafiaboss gegen die eigene Innung ausgesagt hat, schweben alle in Lebensgefahr. Eine schwarze Komödie nimmt ihren Lauf . . .

 
Letzter Ausweg Mord
C.S. Forester: „Tödliche Ohnmacht“Der Gasherd in der Ehehölle

Im London des Jahres 1935 bespitzeln eine Menge Leute hinter ihren Vorhängen die Nachbarn. Was in deren Leben wirklich los ist, bekommen sie aber selten mit. Warum zum Beispiel liegt eine junge Frau tot vorm Backofen?

 
Bordelle und Bürotürme
Massimo Carlotto: „Die Marseille-Connection“Im Sumpf des dreckigen Geldes

Irgendwo muss das organisierte Verbrechen ja hin mit seinen Gewinnen. Es steckt sie in die Wirtschaft und die Politik, warnt Massimo Carlotto in seinen Kriminalromanen. Manchmal wird er dabei ein wenig grob.

 
Der Scholl-Latour des Genres
Frederick Forsyth: „Die Todesliste“Und er erlöst uns von dem Übel

Ein islamistischer Hassprediger bedroht die Sicherheit der westlichen Welt. Ein genialer Spürhund kommt dem üblen Patron aber auf die Spur. Frederick Forsyth’ neuester Thriller ist nur etwas für Freunde des routiniert Trivialen.

 
Der Trick mit der Kanone
Garry Disher: „Dirty Old Town“Australischer Realismus

Technologischer Wandel, verfallende Werte, unzuverlässige Geschäftspartner: Ein Berufsverbrecher hat es heutzutage auch nicht leicht. Und dann wird auf den Helden namens Wyatt auch noch geschossen . . .

 
Erzwungene Lakonie zum  Auftakt
Ferdinand von Schirach: „Tabu“Wird Zeit, dass der Prozess anfängt

Der Künstlerroman hat eine lange Tradition in Deutschland. Der will Ferdinand von Schirach mit „Tabu“ alle Ehre machen. Aber seine Hauptfigur, ein Fotograf, ist als Mordverdächtiger viel interessanter denn als Künstler.

 
Sie haben’s ja nur gut gemeint
Tom Rob Smith: „Ohne jeden Zweifel“Dem Wahnsinn nahe

Von Männern verraten, von Frauen im Stich gelassen: Tilde, eine Frau in den besten Jahren, ist dem Wahnsinn nahe. „Ohne jeden Zweifel“, so Tom Rob Smith’ Buchtitel, wurde ihr übel mitgespielt. Aber was ist Lüge, was ist Wahrheit? Smith erzählt ihre Geschichte geradlinig und auf eine überraschende Pointe zu.

 
Wie Verbrecher reden
George V. Higgins: „Ich töte lieber sanft“Mord und andere Gesprächsthemen

Der Autor George V. Higgins war auch Staatsanwalt. Seine großartigen Romane klingen, als habe er die ganze Unterwelt von Boston verwanzt und plaudere nun deren Schäbigkeit, Regeln und Rituale aus.

 
Grimmelshausen goes West
James Carlos Blake: „Das Böse im Blut“Söhne der großen Härte

John und Edward Little sind die Söhne eines Farmers in Georgia. Sie wachsen auf in einer Atmosphäre der Gewalt und sind bald selbst Teil dieser Gewalt. Mit großer Härte – und ebenso großer erzählerischer Meisterschaft - schildert James Carlos Blake ein schwarzes Stück amerikanischer Geschichte.