Bündnis 90/Die Grünen

Uschi Eid tritt ins zweite Glied zurück

Thomas Schorradt, veröffentlicht am 15.04.2008
Foto: dpa

Nürtingen - Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Uschi Eid hat dem Rätselraten um ihre politische Zukunft ein Ende bereitet – und zugleich Anlass zu neuen Spekulationen gegeben. Sie will zur Wahl 2009 wieder antreten, aber nur auf Platz 9 der Landesliste.

In den vergangenen beiden Wahlkämpfen hatte Uschi Eid jeweils die Landesliste ihrer Partei angeführt. Auf der Landesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen am 11. und 12. Oktober dieses Jahres in Schwäbisch Gmünd will sie nun den Spitzenplatz räumen. "Dr. Uschi Eid will ihre Arbeit für den Wahlkreis Nürtingen im Deutschen Bundestag auf jeden Fall fortsetzen, aber gleichzeitig auf der Landesliste auch den Platz frei machen für junge Talente", sagt Matthias Weigert, Mitglied im Parteivorstand des rund 350 Mitglieder zählenden Grünen-Kreisverbands Esslingen. Matthias Weigert beruft sich auf ein Telefongespräch, das er vor kurzem mit der gerade dienstlich in Südafrika weilenden Politikerin geführt hat.

Seinen Worten zufolge strebt Uschi Eid eine Kandidatur über den neunten Platz auf der Landesliste an. Bei der Wahl vor drei Jahren hätte dieser Platz nicht gereicht, um in den Berliner Bundestag einzuziehen, in der Wahlperiode zuvor allerdings schon. Aus der Tatsache, dass das bisherige Aushängeschild der Grünen im Land sich mit dem wackeligen neunten Platz auf der Landesliste begnügt, lassen sich Weigerts Einschätzung nach zwei Rückschlüsse ziehen.

Rückzug auf Raten

Da wäre zum einen die parteitaktische Variante: "Wir werten ihren Entschluss als klares Signal dafür, dass sie damit rechnet, dass wir ein gutes Wahlergebnis im Land einfahren", sagt Weigert. Dann wäre da noch die Variante, die mit der persönlichen Lebensplanung zu tun hat: "Ich nehme an, dass es ihre letzte Kandidatur sein wird", so Weigert. Ein Rückzug auf Raten: Schon vor drei Jahren war der Listenplatz 1 für die grüne Sachpolitikerin bei ihren Parteifreunden nicht unumstritten gewesen.

Die 59 Jahre alte Uschi Eid, die 1980 in die Partei eingetreten ist, gehört dem deutschen Bundestag mit Unterbrechung seit 19 Jahren an. In dieser Zeit hat sie sich über die Fraktionsgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf als Expertin für Außenpolitik erarbeitet. In der rot-grünen Regierung hat sie Bundeskanzler Gerhard Schröder die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zu seiner Afrika-Beauftragten gemacht. Dabei ist ihr ihre dreijährige Berufserfahrung im Auftrag der Deutschen Ausgleichsbank in Eritrea zugute gekommen. Seit März 2004 ist sie Mitglied im Beratungsausschuss des UN-Generalsekretärs zu Wasser und der sanitären Grundversorgung. Inzwisschen hat sie den Vize-Vorsitz der Organisation inne.

Kreisverband ist noch auf Kandidatensuche

Während mit Uschi Eid – ungeachtet der Tatsache, dass die Kreismitgliederversammlung das letzte Wort hat zu ihrer Kandidatur hat – die Bewerberin im Wahlkreis Nürtingen als gesetzt gilt, ist der Grünen-Kreisverband im Wahlkreis Esslingen noch auf Kandidatensuche. "Wir gehen davon aus, dass wir den Namen noch vor der Sommerpause bekannt geben können", sagt Weigert.

Nachdem der Wahlkreis Nürtingen mit Uschi Eid auf dem neunten Platz in der grünen Landesliste nach wie vor gut platziert ist, geht Weigert nicht davon aus, dass der künftige Grünen-Kandidat im Wahlkreis Esslingen über einen guten Landeslistenplatz auf Anhieb die Fahrkarte nach Berlin zieht. "Es geht nicht um den persönlichen Erfolg, sondern darum, einen guten Wahlkampf zu machen", gibt Weigert die Richtung schon mal vor. Was nicht ausschließe, dass die Esslinger Bewerbung nicht doch ein erster Schritt auf der politischen Karriereleiter sein könnte. "Ich habe daheim noch ein altes Wahlplakat mit Cem Özdemir aufbewahrt. Der hat irgendwann in den 80er Jahren auch einmal im Wahlkreis Esslingen kandidiert", sagt Weigert. Und aus ihm sei ja schließlich auch etwas geworden.
 
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