Bei Porsche in Zuffenhausen

Das Gedächtnis von Porsche zieht bald um

Christine Keck, veröffentlicht am 01.09.2008
Foto: factum/Weise

Stuttgart - Als kleines Konstruktionsbüro hat im Jahr 1931 alles gefangen. Später schrieb der Autohersteller aus Zuffenhausen Renngeschichte. Der Blick in das Archiv von Porsche lohnt sich.


  Von Christine Keck

 
Auf den Holzbalken unterm Dach stehen reihenweise Pokale, einige haben ihren silbernen Glanz verloren, sind schwarz angelaufen. In den Schränken schlummern Pressemitteilungen, Filmrollen oder handschriftliche Notizen von Konstrukteuren. "Wir sind das Gedächtnis der Porsche AG", sagt der Archivleiter Dieter Landenberger, "hier lagern rund zwei Kilometer Akten und zweieinhalb Millionen Fotos." Für ein Unternehmen wie Porsche ist die eigene Geschichte die beste Werbung. Die Kunden kauften nicht nur einen Sportwagen, sondern auch den Mythos der 28.000 Rennsiege, betont Landenberger.

Der Historiker würde sich vermutlich mit geschlossenen Augen in der Sammlung zurechtfinden. Der 34-Jährige ist nicht nur ein Kenner der Geschichte des schwäbischen Automobilherstellers, sondern auch Porsche-Fan. Früher, als er noch bei Mercedes gearbeitet hatte, fuhr er schon die Konkurrenz. Die Testfrage nach dem ersten Rennsieg beantwortet Landenberger, ohne eine Sekunde zu zögern. "1. Juli 1948, Klassensieg beim Stadtrennen von Innsbruck, Porsche 356 Nummer 1." Bei der Farbe des Flitzers kommt der Historiker ins Grübeln. "Vermutlich gelb, so genau weiß man es nicht, damals waren alle Aufnahmen schwarz-weiß."

Die Kisten für den Umzug werden gepackt

Die Tage des Archivs im Obergeschoss des in die Jahre gekommenen Werksgebäudes am Porscheplatz sind gezählt. Landenberger und seine vier Kollegen sind am Kistenpacken, die Reise geht nur wenige Meter weiter - ins Porsche-Museum, das auf der anderen Straßenseite seine Konturen annimmt und zum Beginn des nächsten Jahres seine Türen öffnet. "Die 3000 Boxen werden das Gesicht des neuen Archivs prägen", schwärmt der Historiker und erklärt, dass sich die Besucher künftig an vier Bildschirmen durch die Bestände bewegen können. Er zeigt auf die Regale mitten im Raum. Dossiers zu allen Porsche-Themen warten in den Boxen, deren Farbe mit Bedacht gewählt wurde. "Das ist Porscherot, HKS 17", erzählt Dieter Landenberger.

Von A wie der Rennfahrer Rauno August Aaltonen bis Zwickel, Klaus, ehemaliger Vorsitzender der IG Metall, reicht das Personenarchiv. Gleich daneben füllen unzählige Presseausschnitte die Mappen. Ein willkürlicher Griff führt zum 1000-Kilometer-Rennen im Jahr 1967 am Nürburgring. Sogar die Schlagzeilen des "Stader Tageblatts" und der "Südhannoverschen Volkszeitung" sind dokumentiert. "Wer auch immer ein Buch über Porsche schreibt, kommt nicht an uns vorbei", sagt Landenberger, der vor allem Journalisten und Mitglieder von Porsche-Clubs aus dem umfassenden Archiv bedient.

Fast alles wurde aufgehoben

Der Bestand wächst ständig, neulich um einen Karton mit 10.000 Porsche-Dias. Die hat ein britischer Importeur nach Stuttgart geschickt. Eine ältere Dame fand auf ihrem Dachboden etliche Rollen mit Postern aus den 70er Jahren, von Kinderhand detailliert beschriftet, mit einem Bindfaden umwickelt - ein Stück Sammlergeschichte. Dabei finden sich sowieso sämtliche Werbeplakate in den Schränken. "Nach jedem wichtigen Sieg gab es ein Poster", erzählt Landenberger, der von dem Sammeleifer bei Porsche profitiert. Fast alles wurde aufgehoben, sogar die sogenannten Geburtsurkunden aller zwischen 1950 und 1965 produzierten Fahrzeuge. Ganz oben in der Kartei: ein Porsche 356 für den Erbprinzen zu Fürstenberg, mit Blaupunkt-Radio und Hirschmann-Antenne.


Touren zur Montagehalle

Bis zur Eröffnung des neuen Porsche-Museums kann das alte Museum am Porscheplatz 1 in Zuffenhausen kostenlos besichtigt werden. Rund 20 legendäre Exponate geben einen kleinen Einblick in die Automobilentwicklung. Besucher sind montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr willkommen, samstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr. Das neue Museum wird Ende dieses Jahres fertiggestellt, der exakte Termin der Eröffnung steht allerdings noch nicht fest.

Porsche bietet Führungen in die Sattlerei, das Motorenwerk und die Montage an. Diese sind jedoch bis zum Jahresende ausgebucht. Anmeldungen für Gruppen mit 15 Teilnehmern sind möglich unter der Telefonnummer 91125384 oder per E-Mail an werksfuehrungen@porsche.de, weitere Informationen unter www.porsche.de

 
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