Datenschutzpanne beim Kika

Der Platz für kleine Helden wird abgeriegelt

Tobias Köhler, veröffentlicht am 15.10.2008
Screenshot: SIR

Stuttgart/Erfurt - Uwe Wild achtet ziemlich genau darauf, was seine Kinder im Fernsehen und im Internet sehen und anklicken dürfen. Auf dem Kinderkanal von ARD und ZDF, kurz Kika genannt, hat seine zehnjährige Tochter neulich das Projekt "Platz für Helden" entdeckt – eine Internetplattform des Senders, auf der Jugendliche Ideen und Projekte vorstellen können, mit denen sie die Welt ein bisschen besser machen wollen.


  Von Tobias Köhler

 
Weil hinter der Website die Öffentlich-Rechtlichen stecken und die Macher laut eigenen Aussagen großen Wert auf den Datenschutz legen, hat der Familienvater aus Esslingen seiner Tochter grünes Licht gegeben und wie gefordert per Post seine Einverständniserklärung als Erziehungsberechtigter an den Sender geschickt.

Einige Tage später erhielt die Zehnjährige wie versprochen eine Mail mit den Zugangsdaten für die Website www.platz-fuer-helden.de - doch beim Klick auf den mitgelieferten Link erhielt Uwe Wild nicht nur Zugang zu den Daten seiner Tochter, sondern konnte auch die privaten Informationen der anderen Nutzer ansehen. Etwa, wer wirklich hinter dem Kürzel "Navibil" steckt, wie alt die Macherin des Projekts "Courage" ist, oder wo "Take my Hand" wohnt. Alle Daten - von der kompletten Postadresse über die Telefonnummer bis zum Geburtsdatum - waren mit ein paar Klicks abrufbar. Ohne großes technisches Verständnis, nur mit ein bisschen Herumprobieren, ließ sich darüberhinaus eine komplette Liste aller rund tausend Teilnehmer des Projekts abrufen - bei denen es sich überwiegend um Kinder handelt. Ein Passwort war dafür nicht notwendig.

Uwe Wild ist weniger darüber erbost, dass es zu dieser Panne kommen konnte ("das ist zwar schlimm, aber es war sicher keine Absicht"), als darüber, dass der Sender tagelang nicht auf seine Mail reagiert hat, in der er auf das Problem hinwies. Erst nachdem die Stuttgarter Zeitung den Kinderkanal am Mittwoch um eine Stellungnahme bat, reagierte der Sender: Die Website wurde zeitweise vom Netz genommen.

"Wir sind bestürzt", sagte eine Sprecherin des Kinderkanals, "das ist der Supergau in Sachen Datenschutz." Nun suchen die Verantwortlichen nach dem Fehler im System - und nach der E-Mail von Uwe Wild. "Für uns hat der verantwortungsvolle Umgang mit den Daten von Kindern oberste Priorität", sagte die Sprecherin. An anderer Stelle übrigens gibt die ARD im Netz gute Hinweise, wie sich solche Probleme vermeiden lassen: "Geben Sie niemals den echten Namen oder eindeutige Daten Ihrer Kinder im Internet preis."
 
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