Da-Vinci-Projekt

Wieviel Platz bekommen die Ministerien?

Hildegund Oßwald, veröffentlicht am 06.11.2008
Entwurf: Architekt

Stuttgart - Beim Da-Vinci-Projekt am Karlsplatz wird um die Baumasse gestritten. Im Kern geht es aber um die Größe der Büros in den neuen Ministerien. Wären die Beamten so bescheiden wie Beschäftigte in der freien Wirtschaft, könnte viel kleiner gebaut werden.


  Von Hildegund Oßwald

 
Die Wellen schlagen mittlerweile hoch im Streit zwischen Stadt und Land um die Größe des von Breuninger geplanten Neubauprojekts Da Vinci mit Geschäften, Gastronomie, Luxushotel und neuen Ministeriumsbauten am Karlsplatz. Die veranschlagte Baumasse von 55.000 Quadratmetern ist großen Teilen des Gemeinderats und dem SPD-Baubürgermeister Matthias Hahn zu viel, 45.000 Quadratmeter gelten mit Rücksicht auf die historische Umgebung als Obergrenze. Knackpunkt ist die Forderung des Landes, anstelle des Innenministeriums 36.000 Quadratmeter neue Büros für 1000 Beschäftigte zu schaffen. Manche Kommunalpolitiker sehen das Projekt scheitern, wenn das Land sich von dieser Größenordnung nicht verabschieden sollte.

Nervosität im Land

Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung verursacht das Baumasseproblem deshalb inzwischen auch innerhalb der Landesregierung zunehmend Nervosität und Spannungen. Im Zentrum der Debatten hinter den Kulissen steht der große Flächenbedarf, den das federführende Finanzministerium bei den Neubauten für das Wissenschafts-, das Sozial- und das Wirtschaftsministerium ansetzt. Die Beamtenbüros sollen demnach deutlich größer ausfallen als in der freien Wirtschaft üblich. Dem Vernehmen nach dringt Ministerpräsident Günther Oettinger deshalb bereits darauf, dass die Ministeriumsspitze Anschauungsunterricht in einem Großunternehmen des Landes nimmt.

Beim Ortstermin dürften die Ministerialen darüber staunen, wie sich auch auf kleiner Bürofläche hochwertige Denkarbeit leisten lässt. Nach Aussagen von Immobilienexperten rechnet man bei Neubauten in der freien Wirtschaft nur mit etwa einem Drittel der vom Finanzministerium beanspruchten Büro- und Sonderflächen pro Beschäftigten. 26 Quadratmeter netto inklusive Nebenflächen wie Teeküche und Besprechungsräume gelten für Spitzenkräfte, der Normalbeschäftigte muss mit etwa 20 Quadratmetern auskommen, in Zweierbüros mit entsprechend weniger. Am Karlsplatz aber käme man bei einer Nettogesamtfläche von 30.600 Quadratmetern nach diesem Modus auf einen Personenschlüssel von 30,6 Quadratmetern.

Auf 32.000 Quadratmeter reduziert

"Über konkrete Flächen kann man noch nichts sagen, da ist man noch in Gesprächen", lautete am Donnerstag die Auskunft des Finanzministeriums. Ein Informationsgespräch mit den Gemeinderatsfraktionen war am Mittwoch kurzfristig abgesagt worden. Am Donnerstag sickerte aber durch, dass die CDU-Fraktion dann doch noch exklusiv zum Gespräch ins Ministerium gebeten wurde. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung hat das Land unter dem Druck der aktuellen Debatte dabei seinen bisherigen Flächenbedarf von 36.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche auf nunmehr 32.000 Quadratmeter reduziert.

Aber damit ist der Streit um die Baumasse wohl noch nicht ausgestanden und das Raumangebot für die Beamten immer noch üppig. Selbst dann, wenn man wie beim Neubau des Innenministeriums noch Sonderflächen für eine Kinderbetreuung einplant.

Zudem würde am Karlsplatz auch die vom Land selbst vorgegebene durchschnittliche Bürogröße für den staatlichen Hochbau überschritten. Diese liegt nach Auskunft des Landesrechnungshofs einschließlich aller Sonder- und Nebenflächen bei 21,3 Quadratmetern. Der Rechnungshof will zwar zu dem konkreten Projekt am Karlsplatz nicht Stellung nehmen, vertritt jedoch seit Jahren eine klare Sparlinie. "Allgemein lässt sich sagen, dass - wenn dieser Wert bei einem Ministeriumsgebäude überschritten wird -, mit einer kritischen Nachprüfung unserseits zu rechnen ist", so die Auskunft des Rechnungshofpressesprechers Nikolas Stoermer.
 
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