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Leitfaden für Computerkäufer

Überstunden, Niedriglöhne, Giftstoffe

Christiane Schulzki-Haddouti, veröffentlicht am 26.05.2009
Foto: dpa

Berlin - Die Belastungen von Arbeitern in der Computerproduktion sind extrem. Häufig wird dabei ohne Schutzkleidung mit giftigsten Chemikalien hantiert. Wie soziale und ökologische Aspekte beim PC-Kauf besser berücksichtigt werden können, erklärt die Organisation Weed.


  Von Christiane Schulzki-Haddouti

 
Computer werden heute vor allem von jungen Frauen in Sonderwirtschaftszonen in Asien und Mexiko zu niedrigsten Löhnen gefertigt. Eine Untersuchung der Organisation "World Economy, Ecology & Development" (Weed) deckte im vergangenen Jahr dramatische Verhältnisse bei chinesischen Zulieferunternehmen von Markenunternehmen wie Fujitsu-Siemens-Computers, Dell und Lenovo auf.

Unzureichender Arbeitsschutz

Etwa 370 Stunden im Monat betragen die monatlichen Arbeitszeiten der Zulieferer Compeq Technologies und Excelsior Electronics in Stoßzeiten. Sie werden erzwungen, vorgeschriebene Zuschläge nicht bezahlt. Der Arbeitschutz ist außerdem unzureichend, so dass die Arbeiterinnen Hautverletzungen und Schädigungen der Augen riskieren. Charakteristisch für die Branche sind Vergiftungen durch Chemikalien, die Behinderung gewerkschaftlicher Organisierung sowie ein hoher Anteil von Leiharbeit.

Die namhaften Computerhersteller weigern sich bislang, mit Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen zusammenzuarbeiten. Über eine sozial und ökologisch verträgliche Beschaffung könnten jedoch die Käufer direkt verbindliche Maßnahmen einfordern. Deshalb hat Weed den Beschaffungsleitfaden "Buy it fair" entwickelt. Er berücksichtigt den Lebenszyklus von Computern nach sozial-ökologischen Aspekten.

Angefangen bei den Produktionsbedingungen und den verwendeten Giftstoffen über den Energieverbrauch der produzierten Rechner bis hin zum später entstehenden Elektroschrott definiert Weed Mindestanforderungen für die Beschaffung. Der Verdi-Vorsitzende Franz Bsirske fordert: "Wir müssen für verbindliche politische Instrumente eintreten, mit denen transnationale Unternehmen, ihre Tochterunternehmen und Zulieferer verpflichtet werden, die Menschenrechte sowie international anerkannte soziale und ökologische Normen einzuhalten."

Die Einhaltung der Richtlinien lässt sich nur schwer prüfen

Befolgen Käufer den jetzt von Weed und der Gewerkschaft Verdi gemeinsam vorgestellten Leitfaden für IT-Beschaffungen, kann er durchaus Wirkung erzielen - immerhin beschaffen öffentliche Einrichtungen jährlich etwa ein Fünftel aller in Deutschland verkauften IT-Geräte. Bereits seit 2004 räumt das EU-Recht explizit die Möglichkeit ein, soziale und ökologische Kriterien bei der Auftragsvergabe zu berücksichtigen. Das im Februar 2009 in Kraft getretene neue deutsche Vergaberecht führt explizit die Möglichkeit auf, soziale Kriterien im Rahmen der sogenannten Auftragsausführungsbestimmungen aufzuführen.

Obwohl es klare Mindestanforderungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt, lässt sich ihre Einhaltung in der Praxis nur schwer überprüfen. Unabhängige Prüfsiegel fehlen bislang in der Computerindustrie, während es etwa im Einzelhandel bereits Fair-Trade-Zertifikate gibt. Der Leitfaden empfiehlt deshalb, bestimmte, ausführlich beschriebene Zwischenschritte zur Einhaltung besserer Arbeitsbedingungen einzufordern. Anders als bei der Einhaltung von Arbeitsrechten gibt es bei Ressourceneffizienz und Umweltverträglichkeit bereits ausführliche Kriterienlisten wie etwa das "GPP Training Toolkit" der Europäischen Kommission oder den "UNEP-Leitfaden für nachhaltige Beschaffung von ICT-Geräten", die angewandt werden können.

Die Autoren des Leitfadens glauben, dass sich die Kriterien durchsetzen lassen, und erinnern an den Erfolg der "grünen Beschaffung": "Auch die Anwendung ökologischer Kriterien war vor wenigen Jahren noch nicht rechtssicher umzusetzen. Mittlerweile ist grüne Beschaffung europaweit etabliert."

Der Leitfaden kommt genau zur rechten Zeit: Ende 2008 hatten rund 130 Städte und Gemeinden in Deutschland beschlossen, keine Produkte mehr aus Kinderarbeit zu kaufen. Einige Städte kaufen sogar nur noch Produkte, die unter Einhaltung der ILO-Sozialstandards hergestellt wurden. Die Ausschreibungen reichen von fair produzierter Kleidung für Feuerwehrpersonal, Pflaster- und Natursteinen ohne Kinderarbeit, fair gehandelten Produkten in Kantinen bis hin zu sozialen Kriterien bei öffentlichen Bauten.

www2.weed-online.org/uploads/leitfaden.pdf

 
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