Oskar Beck zur Meisterschaft
Der Magath des Jahres
Oskar Beck, veröffentlicht am 25.05.2009
Als am Samstag um 17.21 Uhr in Wolfsburg der Schlusspfiff ertönte, ist sich Felix Magath in der Volkswagen-Arena von allen Seiten selbst um den Hals gefallen, als Trainer, als Manager und als Geschäftsführer, und stolz hat der Felix den Magath mit dem Satz gewürdigt: "Vor zwei Jahren war das hier noch ein Trümmerhaufen."
Er hat zu dritt ein Wunder vollbracht.
Denn was war Wolfsburg denn bisher? Noch vor ein paar Jahren hat die argentinische Zaubermaus Andres d'Alessandro über diese Stadt, die aus einer Autohalde entstanden ist, glaubhaft erzählt: "Manchmal ziehen wir abends los und schauen, ob in einem Schaufenster ein Schuh umgestellt wurde." Tristesse adieu. Wolfsburg ist langsam wer, und schrittweise wandelt sich auch der Werksclub zu einem von Welt: Nachdem Stefan Effenberg einst die Schlagzeilen brachte und d'Alessandro mit dem Brasilianer Marcelinho den Ballzauber, steht Magath nun für das Wichtigste.
Den Erfolg.
Wie geht das, hat sich den ganzen finalen Samstag lang der TV-Experte Franz Beckenbauer gewundert, mit so einer "Durchschnittsmannschaft"? Die Antwort hat unlängst Jacek Krzynowek gegeben, ein von Felix dem Quälix in der Winterpause aussortierter Linksfüßler: "Alle haben Angst vor Magath. Er ist zugleich Boss und Gott." Bei Bayern sind drei ganz andere Boss, Gott und Kaiser, nämlich Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer, also die "Alphatiere", wie Klinsmann zu klagen pflegt - während dem Magath in Wolfsburg nur der Magath und der Magath in die Suppe spucken.
Geld oder Liebe?
So hat er das Wunder vollbracht. Zwar ist sein heimliches Jawort in Schalke unplanmäßig an einer undichten Stelle etwas früh durchgesickert, und bei einem ungünstigeren Ausgang des letzten Spiels hätte der Held bei den Wolfsburger Fans ("Felix, Geld oder Liebe?") deshalb auch leicht als Sündenbock enden können - aber sonst hat er alles richtig gemacht.
Magath ist der Star der Saison. Selten hat einer ein Fußballjahr so geprägt. Beispielsweise hat er weder Mühe noch Bußgeldkosten in Höhe von 10.000 Euro gescheut, um auf dem Weg durch die Instanzen eine Grundsatzdebatte über die vermeintlich so hohe Schule des deutschen Schiedsrichterwesens anzuzetteln, mittels seines mutigen Grußes an den Schiedsrichter Fleischer: "Ihre Spielleitung ist unter aller Sau."
Auch fragen sich, dank Magath, nach dieser Saison viele: Gibt in Wahrheit die Fitness den Ausschlag, nicht die Taktik? Nie werde er seine Nachwuchstrainer zwingen, ihren Dreikäsehochs durchgängig bis hinunter zur F-Jugend das taktische System einzutrichtern, das er mit seinen Profis spielt, hat er in Wolfsburg gleich zu Beginn gesagt, und dass er die Wissenschaft diesbezüglich nicht übertreibt, zeigt seine Meistertaktik: eine Viererkette mit ein bis zwei Catenaccio-Italienern, ein Spielmacher und zwei scharfe Spitzen, basta. "Die Holländer", sagt Magath, "gelten immer als taktisch wegweisend - aber wann haben sie denn mal ein wichtiges Spiel gegen uns Deutsche gewonnen?"
Widerspenstig und auffällig
Ohne den Wolfsburger Meistermacher würden viele auch bedenkenlos weiter an die von Jogi Löw verbreitete These glauben, dass die Bundesliga in puncto Bewegungsdrang und schnellem Umschalten im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Wiederholt wurde Magath als widerspenstig auffällig, wenn man ihm vom atemberaubenden Tempospiel der englischen Premier League vorgeschwärmt hat - und eine Zahl spricht tatsächlich für ihn und die Bundesliga: Als deren Parademannschaft in puncto Schnelligkeit spielt Hertha BSC richtig ruck, zuck, im Schnitt landet der Ball schon nach 1,1 Sekunden beim Mitspieler - oder beim Gegner wie zuletzt in Karlsruhe, wo der große Kennedy unter dem Motto "Ich bin kein Berliner" das blitzschnelle Hertha-Spiel mit einem Doppelschlag am Ende erledigt hat.
Wem soll man nun also glauben: Dem Bundestrainer oder dem Magath? Sagen wir es so: Löw hat Recht - aber Magath ist Meister. Im Übrigen hat er, fast hätten wir es vergessen, als Trendsetter seine schon einst beim VfB erprobte Trainerphilosophie vollends gesellschaftsfähig gemacht: man muss nicht nur der Allmächtige sein, sondern auch rechtzeitig und notfalls rigoros wieder gehen. "Ich bin oft genug entlassen worden", hat Magath gesagt. Jetzt dreht er den Spieß um - und entlässt seine Vereine.
Demnächst sehen wir ihn nun also auf Schalke, wo er wieder tun wird, was er vor Wolfsburg schon beim seinerzeit klinisch toten VfB getan hat: aufräumen und aufbauen. Wie die Trümmerfrauen in der Stunde null werden die Schalker sich vorkommen, wenn er sie die Backsteine aus den ausgebombten Grundfesten ihrer Fußballträume schleppen lässt, oder schwere Medizinbälle, und wehe, der Exmanager Assauer hält nicht endlich still und schlägt aus dem Abseits weiter mit unruheständlerischen Ratschlägen zu - zur Strafe wird ihn Felix der Quälix mittrainieren lassen, und was das heißt, weiß Grafite: "Ich habe mich einmal fast übergeben." Aber danach hatte der Brasilianer die Kraft für 28 Tore und für das Dribbling des Jahres.
Zeigt in der nächsten Saison Kevin Kuranyi sechs Bayern im Zickzack die Hacke? Alles spricht dafür. Vor allem Magath.
Geburtstag Joachim Löw wird 50
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Den Erfolg.
Wie geht das, hat sich den ganzen finalen Samstag lang der TV-Experte Franz Beckenbauer gewundert, mit so einer "Durchschnittsmannschaft"? Die Antwort hat unlängst Jacek Krzynowek gegeben, ein von Felix dem Quälix in der Winterpause aussortierter Linksfüßler: "Alle haben Angst vor Magath. Er ist zugleich Boss und Gott." Bei Bayern sind drei ganz andere Boss, Gott und Kaiser, nämlich Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer, also die "Alphatiere", wie Klinsmann zu klagen pflegt - während dem Magath in Wolfsburg nur der Magath und der Magath in die Suppe spucken.
Geld oder Liebe?
So hat er das Wunder vollbracht. Zwar ist sein heimliches Jawort in Schalke unplanmäßig an einer undichten Stelle etwas früh durchgesickert, und bei einem ungünstigeren Ausgang des letzten Spiels hätte der Held bei den Wolfsburger Fans ("Felix, Geld oder Liebe?") deshalb auch leicht als Sündenbock enden können - aber sonst hat er alles richtig gemacht.
Magath ist der Star der Saison. Selten hat einer ein Fußballjahr so geprägt. Beispielsweise hat er weder Mühe noch Bußgeldkosten in Höhe von 10.000 Euro gescheut, um auf dem Weg durch die Instanzen eine Grundsatzdebatte über die vermeintlich so hohe Schule des deutschen Schiedsrichterwesens anzuzetteln, mittels seines mutigen Grußes an den Schiedsrichter Fleischer: "Ihre Spielleitung ist unter aller Sau."
Auch fragen sich, dank Magath, nach dieser Saison viele: Gibt in Wahrheit die Fitness den Ausschlag, nicht die Taktik? Nie werde er seine Nachwuchstrainer zwingen, ihren Dreikäsehochs durchgängig bis hinunter zur F-Jugend das taktische System einzutrichtern, das er mit seinen Profis spielt, hat er in Wolfsburg gleich zu Beginn gesagt, und dass er die Wissenschaft diesbezüglich nicht übertreibt, zeigt seine Meistertaktik: eine Viererkette mit ein bis zwei Catenaccio-Italienern, ein Spielmacher und zwei scharfe Spitzen, basta. "Die Holländer", sagt Magath, "gelten immer als taktisch wegweisend - aber wann haben sie denn mal ein wichtiges Spiel gegen uns Deutsche gewonnen?"
Widerspenstig und auffällig
Ohne den Wolfsburger Meistermacher würden viele auch bedenkenlos weiter an die von Jogi Löw verbreitete These glauben, dass die Bundesliga in puncto Bewegungsdrang und schnellem Umschalten im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Wiederholt wurde Magath als widerspenstig auffällig, wenn man ihm vom atemberaubenden Tempospiel der englischen Premier League vorgeschwärmt hat - und eine Zahl spricht tatsächlich für ihn und die Bundesliga: Als deren Parademannschaft in puncto Schnelligkeit spielt Hertha BSC richtig ruck, zuck, im Schnitt landet der Ball schon nach 1,1 Sekunden beim Mitspieler - oder beim Gegner wie zuletzt in Karlsruhe, wo der große Kennedy unter dem Motto "Ich bin kein Berliner" das blitzschnelle Hertha-Spiel mit einem Doppelschlag am Ende erledigt hat.
Wem soll man nun also glauben: Dem Bundestrainer oder dem Magath? Sagen wir es so: Löw hat Recht - aber Magath ist Meister. Im Übrigen hat er, fast hätten wir es vergessen, als Trendsetter seine schon einst beim VfB erprobte Trainerphilosophie vollends gesellschaftsfähig gemacht: man muss nicht nur der Allmächtige sein, sondern auch rechtzeitig und notfalls rigoros wieder gehen. "Ich bin oft genug entlassen worden", hat Magath gesagt. Jetzt dreht er den Spieß um - und entlässt seine Vereine.
Demnächst sehen wir ihn nun also auf Schalke, wo er wieder tun wird, was er vor Wolfsburg schon beim seinerzeit klinisch toten VfB getan hat: aufräumen und aufbauen. Wie die Trümmerfrauen in der Stunde null werden die Schalker sich vorkommen, wenn er sie die Backsteine aus den ausgebombten Grundfesten ihrer Fußballträume schleppen lässt, oder schwere Medizinbälle, und wehe, der Exmanager Assauer hält nicht endlich still und schlägt aus dem Abseits weiter mit unruheständlerischen Ratschlägen zu - zur Strafe wird ihn Felix der Quälix mittrainieren lassen, und was das heißt, weiß Grafite: "Ich habe mich einmal fast übergeben." Aber danach hatte der Brasilianer die Kraft für 28 Tore und für das Dribbling des Jahres.
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