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Stellenmarkt für Schüler und Studenten

Aushilfsjobs sind Mangelware

Viola Volland, veröffentlicht am 23.06.2009
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Gastro geht immer: Aushilfsjobs als Kellner sind auch in der Krise möglich. Foto: AP

Stuttgart - Wer einen Aushilfsjob sucht, sollte im Fall einer Zusage nicht lange fackeln. Denn es könnte sein, dass sich so rasch keine Alternative findet. "Sobald Angebote da sind, sind sie auch schon weg", sagt Anton Till. Er ist Arbeitsvermittler in Stuttgart und hilft seit 20 Jahren Schülern und Studenten bei der Jobsuche. Noch nie seien Angebote so "tröpfchenweise" hereingekommen. Das sieht man auch vor Tills Bürotür im ersten Stock der Agentur für Arbeit in der Nordbahnhofstraße. Dort stehen die Drahtgestelle mit den Jobaushängen - einen Teil der Ständer haben die Arbeitsvermittler bereits abgebaut. Doch auch an den restlichen fünf hängen nur wenige Zettel auf Augenhöhe.


"Sobald Angebote da sind, sind sie auch schon weg."
Anton Trill, Arbeitsvermittler


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Ein Pizza-Service sucht einen Fahrer mit eigenem Auto, eine Bar einen Getränke-Mixer, eine Familie einen Nachhilfelehrer. Fabrikarbeit am Fließband, mit der sich in den Semester- oder Schulferien schnell gutes Geld verdienen lässt? Fehlanzeige. "Letztes Jahr waren die Ständer hier doch noch von oben bis unten voll", sagt die Zwölftklässlerin Anthea, und auch ihre Freundin Anne ist frustriert: "Ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern und brauche dringend Geld", erzählt die Gymnasiastin.

Studiengebühren zwingen die Studenen zum Nebenjob



Die Schülerinnen sind lange nicht die einzigen, die in diesen Tagen um den Ferienjob im Sommer fürchten. Der erste Stock der Agentur für Arbeit ist vor allem für Studierende eine wichtige Anlaufstelle. Besonders Studenten aus dem Ausland ließen sich beraten, sagt Till. Viele suchen nach einem Job, um die 500 Euro Studiengebühren pro Semester zu finanzieren.

Einige müssen auch einen Großteil ihres Lebensunterhalts selbst bestreiten - wie zum Beispiel die Lehramtsstudentin Selma. Ihre Mutter arbeite als Putzfrau, könne sie deshalb kaum unterstützen, erzählt die Stuttgarterin mit türkischen Wurzeln, die kurz vor dem Abschluss steht. Ihr Vater habe sich vor geraumer Zeit abgesetzt. Anspruch auf Bafög hat sie nicht mehr. "Zum Glück greift bei mir die Geschwisterregelung, Studiengebühren muss ich nicht zahlen", sagt Selma. Bisher habe sie als Aushilfe bei Breuninger gearbeitet. "Aber die rufen immer seltener an."

Die Wirtschaftskrise trifft auch Schüler und Studenten



Die Zahl der Jobangebote für Schüler und Studenten ist drastisch zurückgegangen. "In den zurückliegenden Jahren hatten wir in dieser Jahreszeit 300 bis 400 Angebote - heute knapp über 50", sagt der Sprecher der Agentur für Arbeit, Werner Geier. Der Grund ist auch in diesem Fall die Wirtschaftskrise. Rund 800 Unternehmen aus der Region haben auf Kurzarbeit umgestellt. Gleichzeitig ist der Stellenmarkt eingebrochen - bei der Stuttgarter Agentur für Arbeit gingen im Vergleich zum Jahr 2008 ein Drittel weniger neue Stellen ein. Beides hat Folgen für den Bereich der Aushilfsjobs. Schließlich ist es intern kaum vermittelbar, Aushilfen anzustellen, wenn die Belegschaft auf Kurzarbeit ist.

Nicht alle Branchen sind jedoch von dem Rückgang bei den Ferienjobs betroffen. "Dienstleistungen und Gastronomie gehen", sagt Till. Als Bedienung im Biergarten bekomme man meistens noch etwas. Auch im Pflegedienst könne man es versuchen oder als Reinigungskraft. Viel lässt sich hier allerdings nicht verdienen. Wer in der Produktion am Fließband oder in der Logistik arbeiten will, dürfte nur mit großem Glück oder Beziehungen erfolgreich sein. In der Jobvermittlung findet man solche Angebote nicht. Allein Daimler habe vor wenigen Jahren noch mehrere Tausend Ferienjobs vergeben. Das sei seit zweieinhalb Jahren vorbei, sagt Till.

Agentur für Arbeit sucht Unternehmen



Er hat noch eine Veränderung bei den Angeboten festgestellt, die bei ihm eingehen: Es werde kurzfristig eingestellt. "Gesucht werden Leute als Aushilfe für zwei bis drei Tage, nicht für ein Vierteljahr oder für acht Wochen." Sehr häufig würden Spezialkenntnisse vorausgesetzt. Oft würden zudem nur Vollzeitjobs vergeben, was für Studenten problematisch ist. Diese lassen sich mit einem Bachelor-, oder Masterstudium schwerlich unter einen Hut bringen.

Die Jobvermittler der Agentur für Arbeit haben inzwischen auf die Angebotsflaute reagiert und 8000 Firmen aus der Region angeschrieben, ihren Bedarf zu melden. Anton Till rät Studenten, sich bei ihnen beraten zu lassen. Für Selma und Anne hat sich der Besuch gelohnt. Selma will sich als Aushilfsenglischlehrerin bewerben. Anne schlüpft, wenn sie Erfolg hat, für acht Euro die Stunde bei einem Fest in ein Kostüm. "Das ist zwar nichts längerfristiges und ein bisschen peinlich, aber immerhin", sagt die Zwölftklässlerin.


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