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Das "Heimspiel" der Fanta Vier

Eine Frage des Standpunkts

Matthias Ring, Fotos: Heinz Heiss/Palmer Images, veröffentlicht am 28.07.2009
 
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Stuttgart - Es gibt viele Wahrheiten im Leben. Vom "Heimspiel" der Fantastischen Vier vor 60.000 Fans als das größte Spektakel zu sprechen, das Stuttgart seit langem erlebt hat, ist eine absolute Wahrheit. Allerdings konnte man sowohl vor als auch während des Konzerts den Eindruck gewinnen, dass der Rahmen eine Nummer zu groß war. Beziehungsweise: während der Show war es auch eine Frage des Standpunkts. Auf den Tribünen waren Sicht und Klang gut, in den hinteren Reihen auf flachem Gelände aber kam nicht alles an, was vorne auf der Bühne mit größter Perfektion betrieben wurde. Und so muss man ausgerechnet bei einer Band, die wie kaum eine andere Generationen wie Stile vereint, feststellen, dass das Publikum in eine Zweiklassengesellschaft geteilt war.


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"Heimspiel"

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Schon bevor Matthias Holtmann die Vier pünktlich um 20.15 Uhr ankündigte, wurden die Grenzen deutlich. Wer nah dabei sein und nicht nur auf die Videoleinwände vor und die Leuchtdioden hinter den Musikern angewiesen sein wollte, musste schon auf dem Wasen sein, bevor um 17.30 Uhr Mama’s Gun das Programm eröffneten. Und er musste sich alle Unternehmungen zwischendurch sehr gut einteilen. Es gab endlose Warteschlangen an den Toiletten und Versorgungsständen – der persönliche Rekord eines StZ-Mitarbeiters: 38 Minuten anstehen für eine Fanta. Um 19 Uhr waren die großen Becher aus.

Als sich die Vier wie in einer Boxarena den Weg durch die Menge auf die Bühne bahnten, war mit "Was geht" vieles vergessen. "Stuttgart, hebt die Hände hoch", rief Smudo, was so weit man sehen konnte, gut funktionierte. Gegen Ende der zwei Stunden und fünfundvierzig Minuten, in denen sich die Fantastischen Vier als komplexeste Formation der Republik präsentierten, ebbte die Stimmung hinten aber deutlich ab. Zu wenig Sound kam an, und als gegen 22 Uhr das Tageslicht ging, war er für einige Minuten ganz weg.

Aber es wäre nicht fair, dieses Heimspiel allein an den technischen Schwierigkeiten zu messen – selbst wenn der Sprechgesang nicht immer verstanden werden konnte, was nicht nur bei "Sie ist weg" durch die Textsicherheit des Publikums aufgefangen wurde. Wenn man sich auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert, muss man von einer fantastischen Dramaturgie sprechen. Die sah einige Oldies aus der 20-jährigen Bandgeschichte zu Beginn vor, bei denen man sich fragte, wozu man eigentlich das klassische Orchester aus Minsk braucht, sorgte doch das Funk-Gebläse der kleinen Bigband schon für genügend Druck.

Beim siebten Song "Neues Land" aber konnten die Klassiker auftrumpfen, die später besonders ruhigere Nummern wie "Sommerregen" und "Tag am Meer" veredelten. Nach einer Disco-Phase wurde es ernst: mit einer hochdramatischen Orchestralversion von Thomas D als "Krieger", der dann zu "Schizophren" mal wieder die Kettensäge auspackte. Michi Beck konnte sich als Turntablerocker mit "Beweg deinen Popo" in Szene setzen. Apropos: Smudo sorgte bei "Pipis und Popos" erneut für Heiterkeit, in dem er seine Stimme mit dem Einatmen von Helium hochpitchte.

Gegen Ende kamen Konfetti- und Stimmungskanonen zum Einsatz: "Troy" als letztes vor den Zugaben, die "Die da", "Ernten was wir säen" und zum Abschluss "Populär" boten. Die Jungs, die während der Show ihr Outfit von Schwarz zu Weiß wechselten, verabschiedeten sich stilgerecht im Schwarzweiß des Smokings und stürzten sich für ein Bad in die Menge. Auch hier gilt wie bei allen Großveranstaltungen: wer vorne dabei ist, hat mehr davon – und zwar "viel", so der Titel ihres Albums von 2004.


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