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Raidt schreibt

Lieber Vágner Love!

Erik Raidt, veröffentlicht am 31.07.2009
Vágner Silva de Souza hat seinen Spitznamen "Vágner Love" einer Liebelei zu verdanken. dpa

Stuttgart - Meine ersten Erfahrungen mit der Liebe sammelte ich im Alter von sechs Jahren. Ich stand im Badezimmer und blickte ungläubig auf eine rote Zahnpastatube. Auf der Tube stand zu lesen: medizinisches Zahncremekonzentrat, entwickelt von Dr. Liebe. Jahrelang brütete ich darüber, was um alles in der Welt es damit auf sich haben könnte und warum ein Liebesdoktor sich ausgerechnet im Bereich der Mundhygiene hervortut.


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Die Liebe ist manchmal eben ein seltsames Spiel - wer wüsste das besser als Sie. Seit Wochen werden Sie beim VfB Stuttgart als möglicher Nachfolger von Mario Gomez gehandelt. Derzeit stürmen Sie für einen Club aus Moskau. Noch hapert der Transfer wegen einiger läppischer Millionen, aber ich finde, dass für einen Mann von Ihrem Format kein Preis zu hoch ist.

Sie sind in Rio de Janeiro als Vágner Silva de Souza aufgewachsen. Bei Ihrem Verein Palmeiras zeigten Sie Ihre Qualitäten auf und jenseits des Platzes. Die Legende besagt, dass Ihr Trainer Sie eines Tages bei einer Unterhaltung mit einer jungen Frau erwischt haben soll. Offensichtlich hatten sie beide in diesem Moment nicht allzu viel an - was jedem einleuchtet, der weiß, wie heiß es in Rio mitunter werden kann.

Daraufhin verliehen Ihnen die Fans einen Künstlernamen. Schon wenig später stürmten sie die Stadioncharts, als der Hit "Only Love" in "Vágner Love" umgetextet wurde. Inzwischen haben Sie sich nicht nur fußballerisch weiterentwickelt, Sie setzen mit Ihren azurblauen Rastazöpfen auch modisch Maßstäbe. Für mich besteht kein Zweifel: Sie sind nicht nur ein Fall für die Mercedes-Benz-Arena, Sie könnten auch im Kunstmuseum auftreten.

Stuttgart ist bereit für die Vágner-Love-Festspiele - diese Stadt wird Ihr Grüner Hügel, auf dem Sie sich nach Lust und Laune austoben können. Ich bin mir sicher, dass Sie sich bei uns wohlfühlen würden. Stuttgart und Rio haben so viel gemeinsam: Sie schwärmen vom Zuckerhut, wir vom Monte Scherbelino, Sie fläzen an der Copacabana, wir bevölkern die Liegewiesen des Max-Eyth-Sees. Rio hat den Karneval und rassige Tänzerinnen, Stuttgart das Weindorf und die exzessive Lebensfreude seiner Viertelesschlotzer. Lieber Herr Love, es wäre ein Traum, wenn sie zu uns kommen würden. Zu einem Sommer der Liebe.


Kommentare (4)
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KL,
31.07.2009
die RAIDT'schen-GESCICHTEN!!
Herr Raidt!
Es ist einfach ein Genuss-
in dieser sonst meist etwas trübseligen Zeit-
Ihre Artikel zu diesem und jenem in der Stuttgarter Zeitung, auch online, lesen zu dürfen:
weil: es sind einfach Geschichten zum Schmunzeln, zum Sich-Selbst-Wiedererkennen, zum Nachdenken, zum Genauso-Ist-Es-Sagenkönnen,
es sind Geschichten, die einem MENSCHEN aus der Seele sprechen- nein: geschrieben dastehen!
DANKESCHÖN
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