Umfrage
Mehr Bürger gegen Stuttgart 21
Jörg Nauke, veröffentlicht am 12.08.2009
Stuttgart - Die Zahl derer, die Stuttgart 21 befürworten, reduziert sich von Bürgerumfrage zu Bürgerumfrage. Die in der heißen Phase des Kommunalwahlkampfes initiierte Aktion hat einen historischen Tiefstwert von 41 auf dem Kommunalbarometer ergeben - bei 100 möglichen Sympathiepunkten.
Vom Umbau des Hauptbahnhofes, der den vollständigen Abriss der Seitenflügel vorsieht, sowie von der Schienenverbindung von Feuerbach bis Wendlingen und der Trasse zum Flughafen haben 49 Prozent eine schlechte oder sehr schlechte Meinung. Frauen (54 Prozent) lehnen dabei das Projekt vehementer ab als Männer (45 Prozent), mittlere und ältere Bürger (58 bzw. 51 Prozent) sind stärker dagegen als die ganz jungen (39 Prozent). Beachtlich: nur vier Prozent haben gar keine Meinung mehr zu Stuttgart 21.
Vermutlich wäre das Ergebnis noch deutlicher ausgefallen, hätte das Statistische Amt nicht den Weg zwischen Feuerbach und Wendlingen als "Schnellbahntrasse" bezeichnet. Darunter verstehen die Bürger eigentlich die gesamte Strecke bis nach Ulm - die Notwendigkeit eines Neubaus zwischen Wendlingen und Ulm ist auch bei den Gegnern unstrittig.
Zum ersten Mal hat der Leiter des Statistischen Amts, Thomas Schwarz, nicht nur die Sympathiewerte fürs Gesamtprojekt abgefragt. Er hat auch in Erfahrung bringen wollen, was die Bürger zu den durch Stuttgart 21 entstehenden Rosenstein- und Europavierteln denken und wie sie zur "Erweiterung des Rosensteinparks und des Schlossgartens" stehen. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) hat ein "ausgesprochen differenziertes Meinungsbild" erkannt.
Die Möglichkeiten zur Erweiterung der Innenstadt werden besser bewertet als das reine Bahnprojekt; sogar auf eine "frappierend hohe Zustimmung" stoße die Parkerweiterung. "Das überrascht nun wirklich nicht", sagte der Grünen-Fraktionschef im Rathaus und Projektgegner Werner Wölfle. "Nicht einmal ich hätte mich ablehnend geäußert." Er widersprach aber dem städtischen Pressesprecher Markus Schubert, der die Möglichkeit zur Parkerweiterung nur bei Stuttgart 21 sieht.
"Dies wäre auch beim Erhalt des Kopfbahnhofs möglich und sogar schneller zu realisieren", sagte Wölfle, der die Investition von einer Million Euro für die Stuttgart-21-Werbung als Verschwendung von Steuergeldern bezeichnete. Die Erkenntnis der Umfrage sei: je besser die Aufklärung, desto größer die Ablehnung. Die Interpretation, dass Stuttgart 21 wie die Messe irgendwann positiv gesehen würde, zeige, wie hilflos auf die Ablehnung der Bürger reagiert werde.
Die Umfrageergebnisse sagen dem neuen Stuttgart-21-Botschafter Wolfgang Drexler, dass es bisher nicht gelungen sei, den Menschen die Vorteile der Investition zu vermitteln. Er nannte 5000 Arbeitsplätze, 100 Hektar freie Fläche und 30 Hektar Parkerweiterung, mehr Grün und künftig mehr und schnellere Verbindungen. Er versprach erneut eine aktive und offene Kommunikation an.
Der angekündigte Versuch, mit den Projektgegnern in Kontakt zu treten, ist zumindest in München gescheitert. Die Gutachter Vieregg und Rössler, die für Stuttgart 21 im vergangenen Jahr eine Kostenexplosion vorhersagten, haben Drexler und dem Bahnprojektsprecher Jürgen Friedmann offenbar die Tür gewiesen, da der Landtagsvizepräsident nicht bereit gewesen sei, sich vor dem vereinbarten Gespräch für seine Kritik an den Experten zu entschuldigen.
Drexler hatte im Oktober das Gutachten als "politisch motiviertes Schlechtachten" bezeichnet und den Münchnern vorgeworfen, sie schürten "Ängste und Vorurteile". Man sei mit der Absage der möglichen Gefahr entgangen, dass Drexler hinterher behauptet hätte, man wäre sich über die wahren Kosten von Stuttgart 21 einig geworden.
Zu den Umfrage-Ergebnissen »
Neuer Werbeclip für Stuttgart 21 Virtuelle Reise auf neuen Gleisen
Video vom Baustart (III) Wolfgang Schuster im Interview
Video vom Baustart (II) Rüdiger Grube im Interview
Video vom Baustart (I) Die Reportage
Alle Artikel anzeigen
"Das Meinungsbild betont die Notwendigkeit, Chancen und Belastungen künftig offensiv zu vermitteln."
Ordnungsbürgermeister Schairer zu den Ergebnissen
Vermutlich wäre das Ergebnis noch deutlicher ausgefallen, hätte das Statistische Amt nicht den Weg zwischen Feuerbach und Wendlingen als "Schnellbahntrasse" bezeichnet. Darunter verstehen die Bürger eigentlich die gesamte Strecke bis nach Ulm - die Notwendigkeit eines Neubaus zwischen Wendlingen und Ulm ist auch bei den Gegnern unstrittig.
Die geplante Erweiterung der Innenstadt wird positiv bewertet
Zum ersten Mal hat der Leiter des Statistischen Amts, Thomas Schwarz, nicht nur die Sympathiewerte fürs Gesamtprojekt abgefragt. Er hat auch in Erfahrung bringen wollen, was die Bürger zu den durch Stuttgart 21 entstehenden Rosenstein- und Europavierteln denken und wie sie zur "Erweiterung des Rosensteinparks und des Schlossgartens" stehen. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) hat ein "ausgesprochen differenziertes Meinungsbild" erkannt.
Die Möglichkeiten zur Erweiterung der Innenstadt werden besser bewertet als das reine Bahnprojekt; sogar auf eine "frappierend hohe Zustimmung" stoße die Parkerweiterung. "Das überrascht nun wirklich nicht", sagte der Grünen-Fraktionschef im Rathaus und Projektgegner Werner Wölfle. "Nicht einmal ich hätte mich ablehnend geäußert." Er widersprach aber dem städtischen Pressesprecher Markus Schubert, der die Möglichkeit zur Parkerweiterung nur bei Stuttgart 21 sieht.
"Dies wäre auch beim Erhalt des Kopfbahnhofs möglich und sogar schneller zu realisieren", sagte Wölfle, der die Investition von einer Million Euro für die Stuttgart-21-Werbung als Verschwendung von Steuergeldern bezeichnete. Die Erkenntnis der Umfrage sei: je besser die Aufklärung, desto größer die Ablehnung. Die Interpretation, dass Stuttgart 21 wie die Messe irgendwann positiv gesehen würde, zeige, wie hilflos auf die Ablehnung der Bürger reagiert werde.
Es ist noch nicht gelungen die Vorteile von Stuttgart 21 zu vermitteln
Die Umfrageergebnisse sagen dem neuen Stuttgart-21-Botschafter Wolfgang Drexler, dass es bisher nicht gelungen sei, den Menschen die Vorteile der Investition zu vermitteln. Er nannte 5000 Arbeitsplätze, 100 Hektar freie Fläche und 30 Hektar Parkerweiterung, mehr Grün und künftig mehr und schnellere Verbindungen. Er versprach erneut eine aktive und offene Kommunikation an.
Der angekündigte Versuch, mit den Projektgegnern in Kontakt zu treten, ist zumindest in München gescheitert. Die Gutachter Vieregg und Rössler, die für Stuttgart 21 im vergangenen Jahr eine Kostenexplosion vorhersagten, haben Drexler und dem Bahnprojektsprecher Jürgen Friedmann offenbar die Tür gewiesen, da der Landtagsvizepräsident nicht bereit gewesen sei, sich vor dem vereinbarten Gespräch für seine Kritik an den Experten zu entschuldigen.
Drexler hatte im Oktober das Gutachten als "politisch motiviertes Schlechtachten" bezeichnet und den Münchnern vorgeworfen, sie schürten "Ängste und Vorurteile". Man sei mit der Absage der möglichen Gefahr entgangen, dass Drexler hinterher behauptet hätte, man wäre sich über die wahren Kosten von Stuttgart 21 einig geworden.
Zu den Umfrage-Ergebnissen »
Kommentare (93)
Anzeigen
angela,
12.11.2009
UMFRAGE - PRO S21
eines ist jedenfalls deutlich zu erkennen an dem Umfrage-ergebnis: je älter die Befragten umso negativer ist ihre Kritik gegenüber S21. Die jungen sind doch eher positiv eingestellt. Da klingt einem der Spruch in den Ohren: früher war alles besser. Es wird Zeit, dass "die Alten" anfangen auch mal Zukunft mit zu gestalten und nicht immer nur zu verhindern versuchen..
Das Fortbewegungsmittel Zug um nicht Bahn zu sagen, ist zumindest bis heute das wichtigste Verkehrsmittel der "grünen" Zukunft!!! Hier muss auch investiert werden.. Auch die Erweiterung des Parks ist Lebensraum der wichtig ist für eine wachsende Stadt! Und wachsen muss eine Landeshauptstadt um attraktiv zu sein. Durch das verschwinden der Gleise ist endlich eine Aufwertung und direkte Anbindung des Nordens und des Ostens der Stadt möglich. Hier ist noch so viel ungenutzter Raum mitten in zentraler Lage. Desweiteren kann etwas wirklich außergewöhnliche Architektur in Stuttgart nicht schaden.
Das Fortbewegungsmittel Zug um nicht Bahn zu sagen, ist zumindest bis heute das wichtigste Verkehrsmittel der "grünen" Zukunft!!! Hier muss auch investiert werden.. Auch die Erweiterung des Parks ist Lebensraum der wichtig ist für eine wachsende Stadt! Und wachsen muss eine Landeshauptstadt um attraktiv zu sein. Durch das verschwinden der Gleise ist endlich eine Aufwertung und direkte Anbindung des Nordens und des Ostens der Stadt möglich. Hier ist noch so viel ungenutzter Raum mitten in zentraler Lage. Desweiteren kann etwas wirklich außergewöhnliche Architektur in Stuttgart nicht schaden.
Weitere Artikel
Montagsdemonstration am Hauptbahnhof "Abriss der Seitenflügel nicht zwingend"
Bauschäden Messetunnel wird Sanierungsfall
Hauptbahnhof Der Bonatz-Erbe klagt
Baustart von Stuttgart 21 Prellbock bleibt auf dem Abstellgleis
Reaktionen Scharfe Kritik und helle Begeisterung
Alle Artikel anzeigen
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 301 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Anzeige



