Der Delfinschützer Ric O'Barry
Feldzug gegen das Abschlachten
Sebastian Moll, veröffentlicht am 06.10.2009
Taiji - Es ist mittlerweile 40 Jahre her, doch wenn Ric O'Barry an den Tag zurückdenkt, an dem Cathy starb, dann verliert er noch immer die Fassung. "Sie hat mich angeschaut", sagt der fast 70-Jährige, mit den Tränen kämpfend, in die Kamera, "und hat einen tiefen Atemzug genommen. Es war ihr letzter. Dann ließ sie sich auf den Meeresboden sinken." Für O'Barry ist klar: Cathy hat damals Selbstmord begangen.
Cathy war ein Delfin, ein Großer Tümmler, und Ric O'Barry war damals ihr Trainer am Aquarium von Miami. Sie war einer von fünf Artgenossen, die zusammen die Hauptrolle in der legendären TV-Serie "Flipper" spielten. O'Barry hatte alle fünf gefangen, gezähmt und abgerichtet, doch der Selbstmord von Cathy ließ ihn an all dem zutiefst zweifeln. "Es hat etwas ganz Profundes in mir angeschlagen", sagt er heute. "Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, war, dass ich ein paar Tage später auf den Bahamas im Gefängnis saß, weil ich versucht hatte, dort Delfine zu befreien. Ich bin total durchgedreht."
Das Leben in Gefangenschaft, das wurde O'Barry damals klar, ist für die hochintelligenten Meeressäuger, zu denen er ein enges persönliches Verhältnis aufgebaut hatte, eine Tortur. Deshalb hat O'Barry es sich seitdem zum Lebensinhalt gemacht, gegen die Domestizierung der kleinsten Walart einen globalen Feldzug zu führen.
Befeuert wird sein Eifer dabei durch sein schlechtes Gewissen. Als Flipper-Trainer, daran glaubt er ganz fest, war er dafür mitverantwortlich, dass die Menschen heute zu Hunderttausenden in die Meeresaquarien dieser Welt strömen, um die ewig lächelnden Tiere bei ihren faszinierenden Kunststücken zu betrachten oder gar mit ihnen ins Wasser zu steigen. "Flipper" hat einen weltweiten Delfin-Hype ausgelöst.
Die jüngste Schlacht in diesem Feldzug zur Rettung der Delfine hat Ric O'Barry in die Stadt Taiji an der japanischen Südküste geführt. Taiji ist eine der ergiebigsten Quellen der Welt für talentierte Delfine. Doch die Ernte ist grausam. Wie O'Barry in seinem Film "The Cove" zeigt, der 2008 beim renommierten Sundance Festival den Preis für die beste Dokumentation erhielt, werden in Taiji jedes Jahr 23.000 Delfine brutal abgeschlachtet. Dabei wird nur ein Bruchteil der jährlich an Taiji vorbeiziehenden Tiere für die Shows rekrutiert.
Es ist ein schauriges Spektakel, das sich während der Saison in Taiji Tag für Tag vollzieht und das O'Barry unter großen Mühen und Gefahren dokumentiert hat. Mit einer breiten Phalanx von Booten treiben die Fischer die Delfine in eine schmale Bucht, wo sie die guten Tiere für die Unterhaltungsbranche aussortieren. Der Rest der Säuger wird einfach abgestochen. Warum, kann sich O'Barry letztlich nicht einmal selbst erklären. Zum Teil, glaubt er, werde das Fleisch auf den Märkten in Tokio und Osaka unter falscher Etikette als Walfleisch verkauft, weil selbst in Japan heutzutage der Walfang reglementiert ist.
Zum Teil, glaubt er, hielten die Fischer sich damit schlicht die Konkurrenz vom Hals, weil jeder Delfin täglich rund 30 Pfund Fisch verzehrt. Zum Teil - und das macht sein Film deutlich - hält O'Barry die archaischen Methoden für puren Trotz gegen jedwede Reglementierung von außen, geboren aus der verletzten Eitelkeit der gefallenen Kolonialmacht Japan.
Was auch immer dahintersteckt, Ric O'Barry hat es sich zum Lebensinhalt gemacht, dem Treiben in jener Bucht in Taiji ein Ende zu bereiten. Aus Angst vor Anschlägen durch die Fischer lebt er während der sechs Monate der Fangzeit in verschiedenen Verkleidungen in Taiji und versucht so vielen internationalen Medien wie möglich den Massenmord an den Delfinen dort vorzuführen. So schleuste er auch ein Team aus Tauchern und Kameraleuten ein, um für seinen Film die Absperrungen und Wachen rund um die Bucht auszuspähen.
In den letzten Einstellungen des Films sieht man O'Barry mit einem Bildschirm vor dem Bauch auf einer Straße in Tokio stehen. Über den Monitor flimmern die grausigen Bilder des Delfinmassakers, dass er in das Bewusstsein der Öffentlichkeit hämmern will. "Ich habe mein Leben dem Versuch gewidmet, das zu stoppen, was in dieser Bucht passiert", sagt O'Barry dabei aus dem Off. "Wenn ich das nicht ändern kann, dann kann ich gar nichts ändern, dann gibt es keine Hoffnung." Erst, wenn er Taiji gestoppt hat, wird O'Barry Frieden finden. Erst wenn in jener Bucht keine Delphine mehr sterben, wird ihn die Erinnerung an Cathys Tod nicht mehr quälen.
Der Dokumentarfilm "The Cove - Die Bucht" läuft am 22. Oktober in den Kinos an.
Designerin Anna von Griesheim Einfach gut angezogen
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"Wenn ich das nicht ändern kann, dann gibt es keine Hoffnung."
Ric O’Barry, Delfinschützer
Delfine zu schützen, ist sein Lebensinhalt
Das Leben in Gefangenschaft, das wurde O'Barry damals klar, ist für die hochintelligenten Meeressäuger, zu denen er ein enges persönliches Verhältnis aufgebaut hatte, eine Tortur. Deshalb hat O'Barry es sich seitdem zum Lebensinhalt gemacht, gegen die Domestizierung der kleinsten Walart einen globalen Feldzug zu führen.
Befeuert wird sein Eifer dabei durch sein schlechtes Gewissen. Als Flipper-Trainer, daran glaubt er ganz fest, war er dafür mitverantwortlich, dass die Menschen heute zu Hunderttausenden in die Meeresaquarien dieser Welt strömen, um die ewig lächelnden Tiere bei ihren faszinierenden Kunststücken zu betrachten oder gar mit ihnen ins Wasser zu steigen. "Flipper" hat einen weltweiten Delfin-Hype ausgelöst.
Wer nicht gut genug ist, wird abgeschlachtet
Die jüngste Schlacht in diesem Feldzug zur Rettung der Delfine hat Ric O'Barry in die Stadt Taiji an der japanischen Südküste geführt. Taiji ist eine der ergiebigsten Quellen der Welt für talentierte Delfine. Doch die Ernte ist grausam. Wie O'Barry in seinem Film "The Cove" zeigt, der 2008 beim renommierten Sundance Festival den Preis für die beste Dokumentation erhielt, werden in Taiji jedes Jahr 23.000 Delfine brutal abgeschlachtet. Dabei wird nur ein Bruchteil der jährlich an Taiji vorbeiziehenden Tiere für die Shows rekrutiert.
Es ist ein schauriges Spektakel, das sich während der Saison in Taiji Tag für Tag vollzieht und das O'Barry unter großen Mühen und Gefahren dokumentiert hat. Mit einer breiten Phalanx von Booten treiben die Fischer die Delfine in eine schmale Bucht, wo sie die guten Tiere für die Unterhaltungsbranche aussortieren. Der Rest der Säuger wird einfach abgestochen. Warum, kann sich O'Barry letztlich nicht einmal selbst erklären. Zum Teil, glaubt er, werde das Fleisch auf den Märkten in Tokio und Osaka unter falscher Etikette als Walfleisch verkauft, weil selbst in Japan heutzutage der Walfang reglementiert ist.
Morde aus verletzter Eitelkeit
Zum Teil, glaubt er, hielten die Fischer sich damit schlicht die Konkurrenz vom Hals, weil jeder Delfin täglich rund 30 Pfund Fisch verzehrt. Zum Teil - und das macht sein Film deutlich - hält O'Barry die archaischen Methoden für puren Trotz gegen jedwede Reglementierung von außen, geboren aus der verletzten Eitelkeit der gefallenen Kolonialmacht Japan.
Was auch immer dahintersteckt, Ric O'Barry hat es sich zum Lebensinhalt gemacht, dem Treiben in jener Bucht in Taiji ein Ende zu bereiten. Aus Angst vor Anschlägen durch die Fischer lebt er während der sechs Monate der Fangzeit in verschiedenen Verkleidungen in Taiji und versucht so vielen internationalen Medien wie möglich den Massenmord an den Delfinen dort vorzuführen. So schleuste er auch ein Team aus Tauchern und Kameraleuten ein, um für seinen Film die Absperrungen und Wachen rund um die Bucht auszuspähen.
In den letzten Einstellungen des Films sieht man O'Barry mit einem Bildschirm vor dem Bauch auf einer Straße in Tokio stehen. Über den Monitor flimmern die grausigen Bilder des Delfinmassakers, dass er in das Bewusstsein der Öffentlichkeit hämmern will. "Ich habe mein Leben dem Versuch gewidmet, das zu stoppen, was in dieser Bucht passiert", sagt O'Barry dabei aus dem Off. "Wenn ich das nicht ändern kann, dann kann ich gar nichts ändern, dann gibt es keine Hoffnung." Erst, wenn er Taiji gestoppt hat, wird O'Barry Frieden finden. Erst wenn in jener Bucht keine Delphine mehr sterben, wird ihn die Erinnerung an Cathys Tod nicht mehr quälen.
Der Dokumentarfilm "The Cove - Die Bucht" läuft am 22. Oktober in den Kinos an.
Kommentare (6)
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Jenny,
15.10.2009
Gegen das Abschlachten!!!
Ob das grausame Ermorden dieser Tiere nach Schließung der Delfinshows ausbleibt, ist natürlich fraglich.. Fakt ist aber,das JEDER der eine solche Show besucht im Grunde auch Mittäter an diesem Verbrechen ist!! Die Japanische Regierung verkauft seit Jahren der ganzen Welt, das Abschlachten der Delfine oder der Wale,hätte wissenschaftliche Gründe. Ich kann nicht verstehen, warum bei dieser Lüge zugesehen wird. Zoos haben natürlich durchaus auch gute Eigenschaften.Sie dienen oft auch der Arterhaltung, alledings ist das in vielen Fällen nicht der Fall. Ob Delfine, Wale, Elefanten, Affen oder die "berühmten" Tanzbären- wir Menschen sind die schlimmsten Tiere. Wir sollten bewusster und vorsichtiger mit unserer Umwelt umgehen.Ich hoffe der Film "The cove" macht aufmerksam und regt einige Menschen zum nachdenken und vielleicht auch zum aktiven Handeln an.
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