Stuttgarter Oper
An diesem Haus ziehen alle mit
Fragen von Götz Thieme, veröffentlicht am 07.10.2009
Stuttgart - Jossi Wieler und Sergio Morabito arbeiten seit ihrer ersten Operninszenierung 1994 in Stuttgart zusammen - ein Kreativgespann, das eine Zeit lang belächelt wurde. Der Erfolg gibt den beiden recht. Deshalb ist es folgerichtig, dass Wieler zwar nominell Intendant wird, aber alle Entscheidungen mit dem künftigen Chefdramaturgen Morabito abspricht. Das erste Interview mit dem neuen Opernchef findet konsequenterweise zu zweit statt. Weitere zentrale Personalien wurden am Dienstag ebenfalls bekannt: Operndirektorin und stellvertretende Intendantin wird Eva Kleinitz, Andrea Moses Hausregisseurin.
Für mich war der Bammel vor großen Aufgaben immer der Motor, sie zu übernehmen. Ich bin ja auch nicht der geborene Regisseur - irgendwann war ich es: durch die permanente Überwindung der Angst. Die führt einen nämlich an bestimmte produktive Punkte. Wie bei einer Inszenierung werden Sergio Morabito und ich eine künstlerische Vision entwickeln und im Alltag diese so umsetzen, wie wir das bei unseren großen Produktionen gelernt haben, bei denen es immer bestimmte Konfliktpotenziale gibt und Probleme gelöst werden müssen. Dabei wird mir dann vielleicht auch manchmal die Schweizer Bedächtigkeit helfen.
Ganz sicher werden wir eine große Neuproduktion herausbringen, und wir werden eine frühere Inszenierung, die wir woanders erarbeitet haben und die wir weiterentwickeln möchten, nach Stuttgart übernehmen. Ohne uns festlegen zu wollen: das kann die Salzburger "Ariadne" sein oder aus dem Da-Ponte-Zyklus in Amsterdam die "Così". Dazu kommen Wiederaufnahmen von Stücken, mit denen das Haus Rezeptionsgeschichte geschrieben hat, konkret zunächst von "Moses und Aron" und "Doktor Faust" - Stücke, die von der Logistik her einer Neuproduktion entsprechen. Das sind große Herausforderungen. Sie erinnern sich, dass wir für "Moses" damals den Rundfunkchor Krakau hinzuengagiert hatten.
Gerda Taro im Kunstmuseum Liebe, Bilder und Faschismus
Alle Artikel anzeigen
„Unsere Pläne sind
idealtypisch gedacht.“
idealtypisch gedacht.“
Sergio Morabito zu den Opernprojekten
Weitere Artikel
zum Thema
zum Thema
Herr Wieler, wie viel Bammel hat man, wenn man ohne Intendantenerfahrung die Stuttgarter Oper übernehmen soll?
Für mich war der Bammel vor großen Aufgaben immer der Motor, sie zu übernehmen. Ich bin ja auch nicht der geborene Regisseur - irgendwann war ich es: durch die permanente Überwindung der Angst. Die führt einen nämlich an bestimmte produktive Punkte. Wie bei einer Inszenierung werden Sergio Morabito und ich eine künstlerische Vision entwickeln und im Alltag diese so umsetzen, wie wir das bei unseren großen Produktionen gelernt haben, bei denen es immer bestimmte Konfliktpotenziale gibt und Probleme gelöst werden müssen. Dabei wird mir dann vielleicht auch manchmal die Schweizer Bedächtigkeit helfen.
Vor einem halben Jahr noch sollen Sie sich eine Intendanz nicht haben vorstellen können. Wie lange mussten Sie überredet werden?
Wieler
Tatsächlich haben wir das lange nicht in Betracht gezogen. Als Anfang des Jahres die ehrenvolle Anfrage kam, die Deutsche Oper Berlin zu leiten, haben wir das einen Moment ernsthaft überlegt, weil wir mit Donald Runnicles, dem Berliner Chefdirigenten, beim "Doktor Faust" in San Francisco toll zusammengearbeitet haben. Stuttgart war aber das Haus - mit seinen Strukturen, dem künstlerischen Potenzial -, dem ich mich nicht verschließen konnte. Ich habe dann Mitte, Ende August Ja gesagt.Herr Morabito, wie viel Neuproduktionen wird es vom Regiegespann Wieler-Morabito pro Spielzeit geben?
Ganz sicher werden wir eine große Neuproduktion herausbringen, und wir werden eine frühere Inszenierung, die wir woanders erarbeitet haben und die wir weiterentwickeln möchten, nach Stuttgart übernehmen. Ohne uns festlegen zu wollen: das kann die Salzburger "Ariadne" sein oder aus dem Da-Ponte-Zyklus in Amsterdam die "Così". Dazu kommen Wiederaufnahmen von Stücken, mit denen das Haus Rezeptionsgeschichte geschrieben hat, konkret zunächst von "Moses und Aron" und "Doktor Faust" - Stücke, die von der Logistik her einer Neuproduktion entsprechen. Das sind große Herausforderungen. Sie erinnern sich, dass wir für "Moses" damals den Rundfunkchor Krakau hinzuengagiert hatten.
Und wer übernimmt die übrigen Neuinszenierungen?
Wieler
Andrea Moses wird als Hausregisseurin zwei Premieren pro Spielzeit herausbringen, dazu kommen pro Spielzeit ein, zwei weitere Regisseure von außen, die bereit sind, sich auf den Zusammenhang unserer Arbeit einzulassen. Aber Namen können wir noch nicht nennen.Morabito
... weil unsere Pläne im Augenblick idealtypisch gedacht sind. Wir wissen eben noch nicht genau, wie später die Arbeitsbelastung aussieht. Man hat ja Traumstücke, und vielleicht sagen wir uns, das müssen wir jetzt unbedingt doch leider selbst inszenieren. Dafür bin ich möglicherweise anfälliger als Jossi (lacht). Mozarts "Idomeneo" wäre so ein Stück, das allerdings gerade bei Zehelein und Puhlmann gelaufen ist, und das wir erst mal zurückstellen müssen.Einen "Idomeneo" von Wieler-Morabito wird also es eher am Ende Ihrer Amtszeit in zehn Jahren geben - so lange streben Sie doch an, in Stuttgart zu bleiben?
Wieler
Innerlich gibt es diese Perspektive, das dauert in der Oper ja immer zwei, drei Jahre, bis sich überhaupt etwas entwickelt hat, worauf man aufbauen kann.Kommentare (0)
Weitere Artikel
Porsche-Arena Roger Cicero gibt sich "Artgerecht"
Bonuscard-Empfänger in Stuttgart Kultur zum Nulltarif findet Anklang
Kammertheater Harfouch inszeniert in Stuttgart
Pläne für 2010 Staatsgalerie setzt ganz auf Grau
Neuer Standort Büchsenstraße Das Renitenztheater zieht um
Neues Stück im Staatstheater Denn sie beschreiben, was sie tun
Grammys Drei gehen nach Stuttgart
Wasserschaden in der Staatsgalerie Drei nasse Räume
Brief an Kultureinrichtungen Eisenmann will Sparvorschläge
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 301 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Anzeige





