Schlafhilfe
Enge Schlafsäcke beruhigen Babys
Peter Spork, veröffentlicht am 08.10.2009
Stuttgart - "Es war so schrecklich, ich musste einfach etwas tun", erinnert sich Andrea Henschel aus Krefeld an die ersten Wochen nach der Geburt ihres Sohnes. Auf schöne Erlebnisse am Tag folgten fürchterliche Nächte. "Unser Sohn war ein ganz schlechter Schläfer." Doch dann hörte Henschel von einer in anderen Kulturen verbreiteten Methode, Kinder zum Schlafen fest in ein großes Tuch einzuwickeln. Sie probierte das Verfahren aus - und die Nächte wurden auf einen Schlag ruhig.
Schließlich entwickelte Henschel einen einseitig gepolsterten Schlafsack, den man am Oberkörper des Kindes zusammenbinden kann. Und weil sie vom Erfolg ihrer Erfindung überzeugt war, bat sie einen der erfahrensten Experten für Kinderschlaf in Deutschland darum, den Einsatz dieses Cosyme getauften Wickelkissens wissenschaftlich zu untersuchen. "Mir ging es darum zu klären, ob das Produkt sicher ist und ob es wirklich hilft", sagt Henschel.
Tatsächlich ließ sich Thomas Erler, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, von der Begeisterung der jungen Mutter anstecken. Er startete eine Untersuchung im Kinderschlaflabor mit 80 Säuglingen, bei denen während des Schlafs per EEG das Hirnstrommuster sowie Atem- und Körperbewegungen aufgezeichnet wurden. Inzwischen ist Erler überzeugt: "Der Schlaf der eingewickelten Kinder ist effizienter als der Schlaf in der Vergleichsgruppe." Diese Gruppe hatte in gewöhnlichen Babyschlafsäcken geschlafen, die die Arme frei lassen.
Wahrscheinlich wirke es auf die Babys beruhigend, wenn sie mit ihren Armen nicht herumrudern können, sagt Erler. Die Enge erinnere womöglich an die schützende Umgebung im Uterus der Mutter. "Hauptsächlich geht es um eine Fixierung der Arme und Schultern. Die Beine sollten dagegen frei beweglich sein, weil Strampelbewegungen gut für die motorische Entwicklung sind", rät er. Das unterscheide den neuen Schlafsack zum Beispiel von der Anwendung in weiten Teilen Osteuropas, wo die Kinder am ganzen Körper "wie in einen Kokon" eingewickelt würden. Der Oberkörper darf ohnehin niemals so sehr eingewickelt sein, dass die Kinder nicht mehr frei atmen können. Es reicht, wenn die Arme fest am Körper anliegen. "Dann schlafen sie rascher ein und besser durch", sagt Erler, der einen Teil seiner Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift "Somnologie" veröffentlicht hat.
Der Spezialschlafsack mindert auch das Risiko für den plötzlichen Kindstod, da er die Babys dabei unterstützt, in der empfohlenen Rückenlage zu bleiben. Sind die Kleinen im Alter von einem halben Jahr aber so kräftig, dass sie sich aus eigener Kraft auf den Bauch drehen können, raten die Fachleute vom Einsatz der Schlafhilfe ab.
Im Fachjargon wird die Methode Pucken genannt. Dass sie vor allem unruhigen Kindern beim Schlafen hilft, wurde schon in den 1960er Jahren beschrieben. Die aktuelle Studie ist jedoch die erste, die das Phänomen systematisch und somnografisch, das heißt im Schlaflabor, erfasst hat. Auch Hebammen und Kinderkrankenschwestern kennen den Effekt schon lange. In Cottbus lachten sie Thomas Erler fast aus, als er ihnen den Schlafsack aus Krefeld als Neuigkeit empfahl: "Wir wickeln Problemkinder schon lange in Tücher ein", antworteten sie. Der beruhigende Effekt setze erstaunlicherweise meist schon bei der ersten Anwendung ein. Inzwischen benutzt aber auch die Cottbuser Klinik nur noch Andrea Henschels Erfindung.
Andrea Henschel ist mittlerweile Geschäftsführerin der Firma Cosyme, die das Produkt produziert und vertreibt. Sie freut sich über den Erfolg, erinnert sich aber mit Grauen an die ersten Wochen mit ihrem Sohn. Dass schlechter Schlaf die Kreativität raubt, scheint in ihrem Fall nicht zuzutreffen. Dann schon eher ein bekanntes Sprichwort: Not macht erfinderisch.
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Tatsächlich ließ sich Thomas Erler, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, von der Begeisterung der jungen Mutter anstecken. Er startete eine Untersuchung im Kinderschlaflabor mit 80 Säuglingen, bei denen während des Schlafs per EEG das Hirnstrommuster sowie Atem- und Körperbewegungen aufgezeichnet wurden. Inzwischen ist Erler überzeugt: "Der Schlaf der eingewickelten Kinder ist effizienter als der Schlaf in der Vergleichsgruppe." Diese Gruppe hatte in gewöhnlichen Babyschlafsäcken geschlafen, die die Arme frei lassen.
Spezialschlafsack mindert auch Kindstod-Risiko
Wahrscheinlich wirke es auf die Babys beruhigend, wenn sie mit ihren Armen nicht herumrudern können, sagt Erler. Die Enge erinnere womöglich an die schützende Umgebung im Uterus der Mutter. "Hauptsächlich geht es um eine Fixierung der Arme und Schultern. Die Beine sollten dagegen frei beweglich sein, weil Strampelbewegungen gut für die motorische Entwicklung sind", rät er. Das unterscheide den neuen Schlafsack zum Beispiel von der Anwendung in weiten Teilen Osteuropas, wo die Kinder am ganzen Körper "wie in einen Kokon" eingewickelt würden. Der Oberkörper darf ohnehin niemals so sehr eingewickelt sein, dass die Kinder nicht mehr frei atmen können. Es reicht, wenn die Arme fest am Körper anliegen. "Dann schlafen sie rascher ein und besser durch", sagt Erler, der einen Teil seiner Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift "Somnologie" veröffentlicht hat.
Der Spezialschlafsack mindert auch das Risiko für den plötzlichen Kindstod, da er die Babys dabei unterstützt, in der empfohlenen Rückenlage zu bleiben. Sind die Kleinen im Alter von einem halben Jahr aber so kräftig, dass sie sich aus eigener Kraft auf den Bauch drehen können, raten die Fachleute vom Einsatz der Schlafhilfe ab.
Im Fachjargon wird die Methode Pucken genannt. Dass sie vor allem unruhigen Kindern beim Schlafen hilft, wurde schon in den 1960er Jahren beschrieben. Die aktuelle Studie ist jedoch die erste, die das Phänomen systematisch und somnografisch, das heißt im Schlaflabor, erfasst hat. Auch Hebammen und Kinderkrankenschwestern kennen den Effekt schon lange. In Cottbus lachten sie Thomas Erler fast aus, als er ihnen den Schlafsack aus Krefeld als Neuigkeit empfahl: "Wir wickeln Problemkinder schon lange in Tücher ein", antworteten sie. Der beruhigende Effekt setze erstaunlicherweise meist schon bei der ersten Anwendung ein. Inzwischen benutzt aber auch die Cottbuser Klinik nur noch Andrea Henschels Erfindung.
Andrea Henschel ist mittlerweile Geschäftsführerin der Firma Cosyme, die das Produkt produziert und vertreibt. Sie freut sich über den Erfolg, erinnert sich aber mit Grauen an die ersten Wochen mit ihrem Sohn. Dass schlechter Schlaf die Kreativität raubt, scheint in ihrem Fall nicht zuzutreffen. Dann schon eher ein bekanntes Sprichwort: Not macht erfinderisch.
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