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Interview mit Christian Ziege

"Tür an Tür mit Markus"

Thomas Haid, veröffentlicht am 14.10.2009
"Es ist wichtig, dass Babbel mit seinem Verein und dem Deutschen Fußball-Bund einen gesunden Mittelweg findet." Foto: AP

Stuttgart - Christian Ziege besucht zurzeit den Trainerlehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Köln. Mit im Seminar ist Markus Babbel. Vor einem Jahr hatte Ziege diesen Kurs abgebrochen, weil er eine Interessenkollision mit seinem damaligen Job als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach vermeiden wollte. Dass es dem VfB-Teamchef nun in Stuttgart ähnlich ergeht, hofft Ziege nicht.



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Herr Ziege, wie läuft der Lehrgang in Köln?


Danke, das Programm ist abwechslungsreich und anspruchsvoll.

Vor einem Jahr war Ihnen der Aufwand zu hoch. Sie haben den Kurs abgebrochen, weil sich der Unterricht nicht mehr mit Ihrer damaligen Tätigkeit als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach vereinbaren ließ. Deshalb können Sie sich jetzt wahrscheinlich gut in Markus Babbel hineinversetzen.


Ja, das kann ich, obwohl ich glaube, dass das eine nur schwer mit dem anderen zu vergleichen ist. So dauerten meine Vorlesungen damals noch von Montag bis Donnerstag. Heute ist schon mittwochs Schluss. Das ist ein Unterschied. Außerdem war ich Sportdirektor und wollte erst Trainer werden. Markus ist das bereits.

Aber ihm fehlt die Lizenz.


Stimmt, die muss er erwerben. Aber dennoch hat er beim VfB schon auf eindrucksvolle Weise gezeigt, welche Fähigkeiten er in diesem Beruf besitzt. Insofern ist das eine andere Geschichte als bei mir.

Ähnlich ist jedoch die Situation der beiden Clubs. Mönchengladbach steckte vor einem Jahr in der Krise - der VfB jetzt.


Natürlich gibt es auch Parallelen. Trotzdem finde ich es zu einfach, die Probleme beim VfB darauf zu reduzieren, dass Markus in den vergangenen Monaten gelegentlich nicht in Stuttgart gewesen ist. Damit wird man der Sache nicht gerecht.

Was trifft eher zu?


Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach, dass die Mannschaft in dieser Saison in drei Wettbewerben gefordert ist - und für viele Spieler ist die Champions League noch Neuland. Da kann es schnell passieren, dass die Konzentration auf den Alltag in der Bundesliga nachlässt. Das Ergebnis sieht man momentan in der Tabelle.

Deshalb hält es der VfB ja auch für unangebracht, dass Babbel in dieser Lage den Lehrgang in Köln besucht. Verstehen Sie das?


Ja, natürlich. Schließlich habe ich dasselbe vor einem Jahr am eigenen Leib erlebt. Die Borussia lag nach sieben Spielen mit drei Punkten am Tabellenende - und ich war als Mitverantwortlicher nicht vor Ort, sondern oft in der Schule. Es wurde unruhig im Club, und ich konnte nicht eingreifen. Das ging auf Dauer nicht. Diese Angriffsfläche wollte ich den Kritikern nicht bieten. Stattdessen wollte ich dokumentieren, dass mir Mönchengladbach mehr am Herzen liegt.

Das, was für Sie die Borussia war, ist für Babbel nun der VfB.


Deshalb ist es wichtig, dass er mit seinem Verein und dem Deutschen Fußball-Bund einen gesunden Mittelweg findet. Anders klappt es nicht. Selbstverständlich muss er so oft wie möglich bei seiner Mannschaft sein, doch es gibt auch Tage, an denen man auf den Chef verzichten kann. Zumal er ja auch noch einen funktionierenden Trainerstab hinter sich hat.

Sie denken also nicht, dass sich Babbel zwangsläufig verzettelt und den Lehrgang bald abbrechen sollte - so wie Sie das im Oktober 2008 gemacht haben?


Das wäre nur das allerletzte Mittel. Ich bin mir sicher, so weit kommt es nicht.

Aber risikolos ist die Pendelei zwischen Stuttgart und Köln nicht?


In der Tat ist das für Markus ein gewaltiger Spagat, den er bewältigen muss. Da müssen in den nächsten Monaten alle Leute, die um ihn herum sind, auf vieles verzichten - egal ob im Job oder im Privaten.

Ist dieser Preis nicht zu hoch?


Ein Zuckerschlecken ist es nicht. Aber es ist zu schaffen, auch wenn es das eine oder andere Mal wehtun wird. Da muss jeder Opfer bringen - vor allem Markus.

Sind die anderen Kursteilnehmer an der Akademie nicht neidisch, wenn Babbel immer mal wieder fehlen darf?


Auf keinen Fall. Er bleibt ja nicht aus Jux und Tollerei weg. Markus ist bei uns voll integriert - und das ist kein Lippenbekenntnis. Jeder hier weiß, was er schon geleistet hat und was er bis zur Prüfung im März noch leisten muss.

Wie sieht der Umgang mit Babbel in der Praxis aus?


So, dass wir ihn unterstützen. Das ist wie in der richtigen Schule. Wenn da einer krankheitshalber mal nicht da sein kann, dann erklärt ihm der Nebensitzer die Hausaufgaben am Telefon.

Sie sind der Nebensitzer von Babbel?


Das kann man so sagen. Wir kennen uns, seit wir mit 18 zum FC Bayern gekommen sind. Später habe ich dann in Liverpool Tür an Tür mit Markus gewohnt. Das verbindet. Deshalb helfe ich ihm, wo ich kann.

Damit es bei ihm nicht so endet wie damals bei Ihnen?


Daran hat keiner Interesse.


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