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Interview mit Landesbischof July

"Nicht herablassend über andere reden"

Joachim Dorfs, Marcus Sander und Michael Trauthig, veröffentlicht am 16.10.2009
Landesbischof Frank Otfried July ist gegen Steuersenkungen. Foto: Steinert

Stuttgart - Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July hält es für richtig, dass sich die EKD bei den Katholiken entschuldigt hat.



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Ein EKD-Papier hat die katholischen Bischöfe vergrätzt. Wie konnte das passieren?


Die Vorlage, um die es geht, war eigentlich nur als Konzeptpapier zum Stand der Ökumene gedacht. Da ist es zwar grundsätzlich legitim, auch Kritik an der katholischen Kirche zu üben. Doch die Tonlage der Schrift war ebenso wenig angemessen wie die persönliche Attacke auf den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz Robert Zollitsch. Deshalb hat sich die EKD das Papier nie offiziell zu eigen gemacht.

Hat der Verfasser nicht aufgeschrieben, was viele Protestanten denken - nämlich, dass die EKD in der gesellschaftlichen Debatte den Katholiken den Rang abläuft?


Ich würde es als verheerend empfinden, wenn eine der beiden Kirchen versucht, sich auf Kosten der anderen zu profilieren. Das Ziel muss sein, gemeinsam christliche Werte gegenüber der Gesellschaft zu vertreten.

Wolfgang Huber hat selbst eine Ökumene der Profile verkündet. Das klingt doch sehr nach Konkurrenzdenken.


Mir gefällt an dem Konzept Hubers, dass der Gesellschaft deutlich werden soll, wofür die EKD steht. Die Grenze erreicht es allerdings dort, wo es die ökumenische Zusammenarbeit schwächt.

Der EKD-Ratsvorsitzende hat sich jetzt für das interne Papier entschuldigt. War eine solche Demutsgeste wirklich notwendig?


Wir sind nicht zu Kreuze gekrochen, wie Sie unterstellen. Es ist aber in Ordnung, um Verzeihung zu bitten, wenn man andere verletzt hat.

Die Verletzung war ja nicht beabsichtigt. Funktioniert das Management der EKD nicht? Muss man den Stall ausmisten?


Die EKD ist kein Stall, obwohl der Stall im Neuen Testament als Geburtsstätte Jesu einen guten Ruf hat. Normalerweise arbeitet das Kirchenamt in Hannover reibungslos und mit großer Kompetenz. Ein vergleichbarer Vorgang ist mir in den letzten Jahren nicht erinnerlich. Vielleicht ist deshalb die Aufregung jetzt so groß.

Wie verhindern Sie solche Kommunikationspannen künftig?


Es dürfte zumindest klar sein, dass man solch brisante Thesen künftig nicht in 70-facher Ausfertigung auf Papier schreibt. Darüber hinaus sollten wir uns grundsätzlich nicht so herabsetzend über andere auslassen, wie dies hier geschehen ist, auch wenn dies so sicherlich nicht gemeint war.

Bald wird ein neuer EKD-Ratsvorsitzender gekürt. Wer ist Ihr Favorit?


Mein Favorit ist der, den die Synode kürt. Natürlich ist die Hannoveraner Bischöfin Margot Käßmann eine Persönlichkeit, die bundesweit bekannt und medial präsent ist. Würde Sie Wolfgang Huber nachfolgen, wäre das eine interessante Perspektive.

Wie sieht das Anforderungsprofil aus?


Erstens muss der von Huber angestoßene Reformprozess weitergehen. Zweitens muss der oder die Neue das ökumenische Gespräch voranbringen. Drittens sollte deutlich werden, dass die Kirchen in dieser globalen Krise ihre weltweiten Netzwerke einbringen können.

Für eine geschiedene Bischöfin an der EKD-Spitze wird es nicht leicht, die Ökumene voranzubringen. Kardinal Meisner hat sich gerade mokiert, vier von fünf protestantischen Bischöfinnen seien geschieden.


Das ist das Problem des Kardinal Meisner. Die evangelische Kirche hat unter Schmerzen akzeptiert, dass es Scheitern von Ehen gibt, auch bei Amtsträgern. Davon sind Bischöfe und Bischöfinnen nicht ausgenommen. Da sollten wir im ökumenischen Gespräch klar sein. Unsere Haltung muss der katholische Partner respektieren.

Sie kandidieren auch für den EKD-Rat. Wie machen Sie Wahlkampf?


Gar nicht. Das ist in unserer Kirche nicht üblich. Die Wahl in der Synode folgt ihren eigenen Gesetzen. Meine Bewerbung ist ein Angebot an die Synode. Ich würde gerne meine besonderen Erfahrungen in den Bereichen Diakonie, Ökumene, weltweite Kirche einbringen.

Um den Wahlausgang müssen Sie zittern?


Nein, denn ich kann damit gelassen umgehen, falls es nicht klappt. Ich habe keinen Mangel an Betätigungsfeldern.

Zu einem anderen Wahlausgang: Freut es die Kirchen, dass eine "christliche" Partei weiter die Regierung führt?


Die Kirchen akzeptieren den vom Volk bestimmten Wahlausgang und machen keine Parteipolitik. Die Kirchen müssen aber darauf achten, dass der soziale Zusammenhang gewahrt bleibt und die Schwächeren nicht unter die Räder kommen.

Die neue Regierung will Steuern senken. Eine gute Idee?


Steuern zu zahlen, ist auch ein Beitrag, den jeder einzelne zur Gesellschaft leistet. Wir sollten aufhören, diese Last nur negativ zu sehen. Ich bin gegen Steuersenkungen in einer Situation, in der wir hohe Schulden haben und die Gefahr besteht, dass die gegenwärtige Generation auf Kosten kommender lebt. Wir haben das Geld für Steuersenkungen wohl nicht. Jedenfalls möchte ich nicht, dass solche Maßnahmen zum Absenken sozialer Standards führen. Gefordert ist eine Politik der Nachhaltigkeit und der sozialen Verantwortung.


Kommentare (2)
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Gockeline,
16.10.2009
Streit der Religionen
Wird hier nicht sehr gut aufgezeigt,dass Religionen nicht streiten können?
Sie verhalten sich nicht anders wie alle Menschen.
Sie predigen den Frieden und wie man mit Worten umgehen soll.
Sie verstehen es selber nicht sich auszusprechen.
Schnell wird alles wieder unter den Teppich gekehrt.
Es würde die Kirchen weiterbringen,
wenn sie aussprechen würden was falsch läuft.
Wahrheiten vertragen sie beide nicht.
Menschen laufen weg von ihren Kirchen,weil sie unglaubwürdig sind.
Reden und predigen ist das eine,handeln und leben danach ist das andere.
Menschen sind gläubig,glauben aber nicht an die Kirchen mehr.
Evang:Kirche modernisiert sich so schnell in die Neuzeit dass sie den Boden verliert.
Die Kath.Kirche verwurzelt sich so fest als stände sie noch im Mittelalter.
Sie hat ihre Probleme nie aufgearbeitet.
Schweigen ist ihr wichtiger und unter den Tisch kehren.
Würde sie aufarbeiten müßen,
käme sie vor Scham nicht mehr ans Tageslicht.
Wer nicht redet ,muß sich nicht wehren.
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