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StZ-Campusserie "Clever studieren" (6)

Ein Testklauer darf nicht rot werden

Jan Georg Plavec und Viola Volland, veröffentlicht am 25.10.2009
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Drei Wege, um an Geld zu kommen: Mathias Jacobs hat einen Internetdienst... Foto: Steinert

Stuttgart -
Benedikt Janny
verdient Geld mit Diebstählen. Natürlich ist er kein Kleinkrimineller. Er ist Testklauer. Wann immer ein Filialleiter wissen will, ob seine Angestellten an der Kasse genau hinsehen, engagiert er über eine Agentur Leute wie Benedikt Janny. Der Student bekommt vorher klare Anweisungen. Zum Beispiel: "Lege eine Zahnpastatube unter die Tageszeitung im Einkaufskorb".



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In der Filiale sind nur die Kassierkräfte nicht eingeweiht. Bisher flog Janny noch jedes Mal auf - zum Glück für die Angestellten an der Kasse. Bliebe der Testklauer nämlich unentdeckt, drohte der Kassiererin die Kündigung. Üblicherweise wird der Filialleiter geholt, der die Situation nach dem Diebstahl aufklärt. In diesen Momenten mache das Abenteuer Testklau nicht mehr so viel Spaß, berichtet Janny. "Aber davor ist es wie im Film: Du darfst versuchen, etwas zu klauen und wirst nicht dafür bestraft."

Ganz zu schweigen von Geschäften, in denen Ladendetektive einen möglicherweise ertappen. Rot werden darf man bei diesem Job nicht. Wenn er einmal keine Lust auf Testklauen hat, dreht Benedikt Janny den Spieß einfach um: Seine Agentur setzt ihn auch als Mystery-Shopper, also als Testkäufer, ein. Ein Testkäufer lässt sich in der Filiale über ein Produkt beraten. "Da muss man zumindest kein schlechtes Gewissen haben", sagt der Student - auch wenn Testkäufe nicht so gut bezahlt würden. Pro Testklau bekommt Janny 20 Euro, an einem Testkauf verdient er dagegen nur 10 Euro.

Der Erfinder


In einer kalten Dezembernacht 2006 kam dem Brillenträger
Andreas Rülping
eine Idee, die sich noch als höchst lukrativ herausstellen sollte: Seine Freundin wollte schlafen, er musste aber an einer Hausarbeit schreiben. Es müsste ein Licht geben, das man sich an die Brille steckt, dachte sich der Stuttgarter damals, der Technologiemanagement studiert.

Rund ein Jahr später - Rülping hatte mit dem Maschinenbaustudenten Dawid Kulesz einen Mitstreiter gefunden - lag die erste Version der "Nachteule" in seinen Händen. Insgesamt 35 Prototypen haben die beiden gebaut, bis ihr patentiertes Leselicht serienreif war, parallel dazu Investoren gesucht und Firmen in der Region, die die Einzelteile liefern. Zusammengesetzt wird das Produkt der zwei Studenten von Insassen der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim.

Seit dem 1. September läuft nun der Verkauf, und er läuft. Bereits in den ersten fünf Wochen wurden insgesamt 1500 Nachteulen unter die Leute gebracht. Auf der Frankfurter Buchmesse war die Leuchtkraft GmbH von Rülping und Kulesz sogar mit einem eigenen Stand vertreten. "Wir haben Anfragen aus den USA, Israel, Hawaii", sagt der Student erfreut. Mit ihm freuen sich seine Eltern, die ihren 24-jährigen Sohn nicht mehr finanziell unterstützen müssen. Dafür sorgt jetzt www.nachteule-online.de ». Der Verdienst reicht nicht nur für den eigenen kompletten Lebensunterhalt der zwei Geschäftsführer, auch einen Praktikanten kann Rülping bereits bezahlen.

Der Schnäppchenjäger


Zuerst war es eine Leidenschaft, dann wurde ein gutes Geschäft daraus:
Mathias Jacobs
kaufte mit Leib und Seele im Internet bei sogenannten Liveshopping-Anbietern ein. Diese Shops haben nur ein Produkt im Programm, das aber täglich wechselt und oft weit unter dem besten sonst verfügbaren Preis angeboten wird.

Jacobs' Problem mit diesen Anbietern war, dass sie oft für sich standen und man sich mühsam von Shop zu Shop klicken musste. Da kam dem Student der Wirtschaftswissenschaften die Idee, die Sonderangebote zu vernetzen. So ließ er sich von einem Programmierer die Seite www.myliveshopping.de » basteln und machte sich selbstständig.

Auf Jacobs' Seite erscheinen nun täglich die aktuellen Sonderangebote der Liveshopping-Anbieter. Das macht das Geschäftsmodell komfortabel, hilft den Anbietern - und beschert Jacobs ein hübsches Einkommen, weil er für jeden Klick auf ein Angebot kassiert. "Ich kann sehr gut davon leben", berichtet der Hohenheimer Student, der aber einen Gutteil der Gewinne reinvestiert.

Das Internet sei der perfekte Weg, um mit der eigenen Idee Geld zu verdienen, sagt Jacobs: "Man braucht quasi kein Startkapital, und man kann von überall aus arbeiten." Wenn die Idee einschlägt und man es von Anfang an richtig macht, lohnt sich die Sache richtig - und man kann wie die coolen Leute in Berlin mit dem Laptop in schicken Cafés am eigenen Geschäftserfolg arbeiten. Der Verdienst sei "derzeit deutlich höher als das zu erwartende Durchschnittsgehalt nach dem Studium", so Mathias Jacobs.


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