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Medizin

Salbe macht zu viel Hoffnung

Roland Knauer, veröffentlicht am 25.10.2009
Bei Schuppenflechte und Neurodermitis ist die Psychologie ein entscheidender Faktor. Foto: dpa

Stuttgart - Herkömmliche Medikamente können die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte zwar lindern, aber nicht heilen. Nun verheißt ein Mittel namens Regividerm Besserung, eine Salbe, die Vitamin B12 und Avocado-Öl enthält. In einer Fernsehsendung wurde Regividerm vor einigen Tagen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, seither stehen bei vielen Hautärzten die Telefone nicht mehr still. Bahnt sich da eine Revolution in der Behandlung zweier Hautkrankheiten an, wenn die Salbe ab dem Spätherbst verkauft werden soll?


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Horst Frank von einer großen Dermatologie-Gemeinschaftspraxis in Würzburg ist eher skeptisch: "Wir wissen über dieses Mittel praktisch nichts." Es geht wohl vielen seiner Kollegen ähnlich, weil entsprechende Studien fehlen. Am Maria-Hilf-Krankenhaus in Bochum hat zwar Markus Stücker bereits im Jahr 2004 die Salbe an 48 Patienten mit guten Ergebnissen getestet, viel mehr ist über ihre Wirksamkeit aber nicht bekannt. Solche Studien sind auch nicht einfach, weil bei Krankheiten wie Schuppenflechte und Neurodermitis die Psychologie ein entscheidender Faktor ist. Die Wirksamkeit eines Medikaments hängt in diesen Fällen stärker als sonst davon ab, ob der Patient dem Mittel vertraut.

Zweifel an der Wundersalbe


Der Würzburger Dermatologe Horst Frank erklärt den Hintergrund seiner Skepsis mit den Krankheiten, die geheilt werden sollen: "Neurodermitis und Schuppenflechte sind zwei völlig unterschiedliche Krankheiten." Er bezweifelt, dass eine Salbe beide Leiden gleichermaßen heilt. Auf den ersten Blick scheinen beide Krankheiten viel gemeinsam zu haben. Doch bei der Schuppenflechte bildet sich die Haut zu schnell neu, bei der Neurodermitis wird sie hingegen erheblich empfindlicher.

Ein Blick auf den Wirkstoff Vitamin B12 verstärkt die Skepsis weiter: Die auch Cyanocobalamin genannte Substanz neutralisiert den wichtigen Botenstoff Stickoxid. Dieser Botenstoff wiederum spielt eine zentrale Rolle bei Entzündungsreaktionen, wie sie nicht nur bei Schuppenflechte, sondern bei vielen anderen Krankheiten eben auch auftreten. Das heißt: der Hauptwirkstoff lindert die Symptome der Krankheit, beseitigt aber nicht die Ursache. Sobald die Salbe abgesetzt wird, werden Juckreiz und Entzündungen bei einem Patienten mit Neurodermitis voraussichtlich wieder auftreten, und die Schuppenflechte wird ebenfalls wieder aufblühen. Der Deutsche Neurodermitis-Bund spricht in einer Pressemitteilung davon, dass der Fernsehbeitrag "den etwa fünf Millionen Neurodermitikern einen Bärendienst" erwiesen habe.


Kommentare (1)
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S. Kiontke,
31.10.2009
Salbe macht zu viel Hoffnung
Es ist ein Hohn, darauf zu pochen, den Leidtragenden wird Heilung vorgegaukelt. Ich habe die Sendung auch gesehen, habe aber nicht im Geringsten herausgehört, dass hier von Heilung gesprochen wird. Es wird die Hoffnung auf Linderung gemacht. Ein transplantierter Patient, muss täglich Medikamente nehmen, sonst droht die Abstoßung. Von Heilung ist hier auch nie die Rede. Er lebt mit der Hoffnung, dass die Medikamente, trotz erheblichen Nebenwirkungen, helfen die Abstoßung zu verhindern. Wer unter Psoriasis oder Neurodermitis leidet, weiß, dass es in der Regel keine Heilung gibt. Aber er hofft auf Linderung.
Nur weil der Dermatologe Horst Frank, sich das nicht vorstellen kann, heißt es ja nicht, das er deshalb im Recht wäre. Es gab Zeiten da glaubten alle die Erde sei eine Scheibe. Nur weil man es besser nicht wusste.
Beim Helicobacter pylori hat man seinen Entdecker auch jahrzehnte lang nicht glauben WOLLEN. Am Ende hatte er doch recht gehabt. Nur weil ich etwas nicht besser weiß, sollte ich mich davor hüten, das Wissen eines Anderen anzuzweifeln.

=Die Wirksamkeit eines Medikaments hängt in diesen Fällen stärker als sonst davon ab, ob der Patient dem Mittel vertraut.= Ist alleine schon fast unverschämt. Der Patient kommt zum Arzt in der Hoffnung auf Hilfe. Bekommt irgend welche Medikamente, mit nachweislichen Nebenwirkungen. Er vertraut. Warum helfen die Medikamente dann nicht, geschweige denn Heilen.

Die Salbe macht zu viel Hoffnung?
Wie heißt es so schön? „Die Hoffnung stirbt als letztes“ . Wenn ich schon nicht auf Heilung hoffen kann, dann zumindest auf Linderung
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