Benimm
Sicher um jedes Fettnäpfchen
StZ/StN, veröffentlicht am 25.10.2009
Stuttgart - Auf Etikette wird im Arbeitsleben wieder mehr Wert gelegt. Vor allem für Berufsanfänger stehen daher jede Menge Fettnäpfchen bereit, in die sie tappen können. Eine kleine Auswahl, wie sie umgangen werden können:
Es ist völlig in Ordnung, einem niesenden Kollegen "Gesundheit" zu wünschen. "Wenn der Chef niest, erwartet der das in der Regel sogar", sagt der Etikette-Trainer Hans-Michael Klein. "In manchen Knigge-Kursen wurde das zeitweilig verboten, aber das hat sich nicht durchgesetzt", erklärt der Vorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft in Essen. Die Bedenken mancher Knigge-Experten, Allergiker könnten sich durch häufige "Gesundheit"-Wünsche gestört fühlen, hält Klein für nicht überzeugend. Auch dass der damit verbundene Hinweis auf eine mögliche Erkrankung als Verstoß gegen die Etikette empfunden werden könne, sei nicht sehr wirklichkeitsnah.
In Meetings gibt es oft keine festgelegte Sitzordnung. Das heißt aber nicht, dass sich jeder hinsetzen kann, wo er möchte. "Sitzordnungen sind Rangordnungen, und das gilt auch, wenn es ungeschriebene sind", sagt Salka Schwarz, Etikette-Trainerin aus Berlin. Büro-Neulinge müssen sich daher vor Fettnäpfchen in Acht nehmen, wenn sie sich einen Platz am Besprechungstisch aussuchen sollen. Mitten hinein tappen sie, wenn sie sich gleich auf einen Platz neben dem Chef setzen. Denn die Stühle in der Nähe der "Nummer eins" seien besonders privilegierte Plätze - und damit den Ranghöheren vorbehalten. Trainees oder neue Mitarbeiter halten sich also besser zurück und warten erst einmal ab, wohin die Kollegen sich setzen. Allerdings müssen sie es mit der Höflichkeit auch nicht übertreiben: Wer wartet, bis auch der letzte Kollege sich gesetzt hat, bekommt automatisch den schlechtesten Platz. "Da gilt es also, mit Takt und Feingefühl den richtigen Mittelweg zu finden", sagt Schwarz.
Wer als Nachzügler in eine Konferenz kommt, steht vor einem Problem: Soll er sich schnell hinsetzen, um den Ablauf nicht zu stören, oder erst die Anwesenden begrüßen? Was richtig ist, hängt auch von der Größe der Gruppe ab: Bei kleinen Gruppen mit bis zu vier Personen sei es angebracht, erst jeden einzeln zu begrüßen, erläutert der Etikette-Trainer Horst Hanisch aus Bonn. Wird ein Spezialist aber in ein größeres Meeting gerufen, müssen nicht erst alle aufstehen und sich die Hände schütteln, was ja angesichts der Gefahr einer Ansteckung zum Beispiel mit dem Schweinegrippevirus sowieso nicht ratsam ist. Umgekehrt können die Anwesenden eines größeren geschäftlichen Treffens sitzen bleiben, wenn ein Nachzügler dazustößt.
Bei einem Essen steht nur der Gastgeber auf und begrüßt ihn. Seine Aufgabe ist es auch, dem Nachzügler einen Stuhl zuzuweisen.
Beim Geschäftsessen greift besser niemand zu, bevor der Gastgeber zu essen begonnen hat. Alles andere könnte unhöflich wirken. Das gilt allerdings nicht für Wasser. "Das darf man immer trinken", sagt Bettina Angerer, Etikette-Trainerin aus Norderstedt bei Hamburg. "Mit dem Wein wartet man dagegen, bis der Gastgeber das Glas erhebt." Stehen schon Brot und Butter auf dem Tisch, bevor die Vorspeise serviert wird, kommt es auf den Rahmen an. "Wer sichergehen möchte, sollte auch damit auf den Gastgeber warten", erklärt Angerer. Als Faustregel lässt sich dabei merken: Nimmt der Gastgeber das Besteck in die Hand, ist das Essen eröffnet. Im Lauf des Essens wechseln nicht selten die Weine: Wer bereits von Weiß auf Rot umgestiegen ist, sollte danach nicht mehr zu Weißwein zurückkehren. Und: Bei jedem Wechsel wünscht man sich "Zum Wohl".
Fingerfood ist oft eine Herausforderung. Das gilt umso mehr, wenn kleine Schälchen oder Tellerchen bei Empfängen oder nach Meetings gereicht werden. Denn dann stellt sich die Frage, wie man das Geschirr wieder loswird. Feste Regeln gibt es dafür nicht: "Man kann es einfach irgendwo abstellen oder ablegen, wo es nicht stört", rät Hans-Michael Klein. "Und man sollte wissen: Wenn ich damit Probleme habe, dann ist es ein Fehler des Service. Die Gastronomen machen sich oft keine Gedanken darüber, wie man die Häppchen überhaupt unfallfrei essen kann", sagt der Knigge-Experte. Keinen souveränen Eindruck mache es dagegen, hektisch eine Suppentasse auf dem Rednerpult verschwinden lassen zu wollen. Wer sich nicht sicher ist, ob er sich möglicherweise in eine peinliche Situation bringt, sollte beim Fingerfood lieber Verzicht üben.
Es ist völlig in Ordnung, einem niesenden Kollegen "Gesundheit" zu wünschen. "Wenn der Chef niest, erwartet der das in der Regel sogar", sagt der Etikette-Trainer Hans-Michael Klein. "In manchen Knigge-Kursen wurde das zeitweilig verboten, aber das hat sich nicht durchgesetzt", erklärt der Vorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft in Essen. Die Bedenken mancher Knigge-Experten, Allergiker könnten sich durch häufige "Gesundheit"-Wünsche gestört fühlen, hält Klein für nicht überzeugend. Auch dass der damit verbundene Hinweis auf eine mögliche Erkrankung als Verstoß gegen die Etikette empfunden werden könne, sei nicht sehr wirklichkeitsnah.
In Meetings gibt es oft keine festgelegte Sitzordnung. Das heißt aber nicht, dass sich jeder hinsetzen kann, wo er möchte. "Sitzordnungen sind Rangordnungen, und das gilt auch, wenn es ungeschriebene sind", sagt Salka Schwarz, Etikette-Trainerin aus Berlin. Büro-Neulinge müssen sich daher vor Fettnäpfchen in Acht nehmen, wenn sie sich einen Platz am Besprechungstisch aussuchen sollen. Mitten hinein tappen sie, wenn sie sich gleich auf einen Platz neben dem Chef setzen. Denn die Stühle in der Nähe der "Nummer eins" seien besonders privilegierte Plätze - und damit den Ranghöheren vorbehalten. Trainees oder neue Mitarbeiter halten sich also besser zurück und warten erst einmal ab, wohin die Kollegen sich setzen. Allerdings müssen sie es mit der Höflichkeit auch nicht übertreiben: Wer wartet, bis auch der letzte Kollege sich gesetzt hat, bekommt automatisch den schlechtesten Platz. "Da gilt es also, mit Takt und Feingefühl den richtigen Mittelweg zu finden", sagt Schwarz.
Wer als Nachzügler in eine Konferenz kommt, steht vor einem Problem: Soll er sich schnell hinsetzen, um den Ablauf nicht zu stören, oder erst die Anwesenden begrüßen? Was richtig ist, hängt auch von der Größe der Gruppe ab: Bei kleinen Gruppen mit bis zu vier Personen sei es angebracht, erst jeden einzeln zu begrüßen, erläutert der Etikette-Trainer Horst Hanisch aus Bonn. Wird ein Spezialist aber in ein größeres Meeting gerufen, müssen nicht erst alle aufstehen und sich die Hände schütteln, was ja angesichts der Gefahr einer Ansteckung zum Beispiel mit dem Schweinegrippevirus sowieso nicht ratsam ist. Umgekehrt können die Anwesenden eines größeren geschäftlichen Treffens sitzen bleiben, wenn ein Nachzügler dazustößt.
Bei einem Essen steht nur der Gastgeber auf und begrüßt ihn. Seine Aufgabe ist es auch, dem Nachzügler einen Stuhl zuzuweisen.
Beim Geschäftsessen greift besser niemand zu, bevor der Gastgeber zu essen begonnen hat. Alles andere könnte unhöflich wirken. Das gilt allerdings nicht für Wasser. "Das darf man immer trinken", sagt Bettina Angerer, Etikette-Trainerin aus Norderstedt bei Hamburg. "Mit dem Wein wartet man dagegen, bis der Gastgeber das Glas erhebt." Stehen schon Brot und Butter auf dem Tisch, bevor die Vorspeise serviert wird, kommt es auf den Rahmen an. "Wer sichergehen möchte, sollte auch damit auf den Gastgeber warten", erklärt Angerer. Als Faustregel lässt sich dabei merken: Nimmt der Gastgeber das Besteck in die Hand, ist das Essen eröffnet. Im Lauf des Essens wechseln nicht selten die Weine: Wer bereits von Weiß auf Rot umgestiegen ist, sollte danach nicht mehr zu Weißwein zurückkehren. Und: Bei jedem Wechsel wünscht man sich "Zum Wohl".
Fingerfood ist oft eine Herausforderung. Das gilt umso mehr, wenn kleine Schälchen oder Tellerchen bei Empfängen oder nach Meetings gereicht werden. Denn dann stellt sich die Frage, wie man das Geschirr wieder loswird. Feste Regeln gibt es dafür nicht: "Man kann es einfach irgendwo abstellen oder ablegen, wo es nicht stört", rät Hans-Michael Klein. "Und man sollte wissen: Wenn ich damit Probleme habe, dann ist es ein Fehler des Service. Die Gastronomen machen sich oft keine Gedanken darüber, wie man die Häppchen überhaupt unfallfrei essen kann", sagt der Knigge-Experte. Keinen souveränen Eindruck mache es dagegen, hektisch eine Suppentasse auf dem Rednerpult verschwinden lassen zu wollen. Wer sich nicht sicher ist, ob er sich möglicherweise in eine peinliche Situation bringt, sollte beim Fingerfood lieber Verzicht üben.
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