Interview mit Wolfgang Huber
"Amt des Papstes ist viel einsamer"
Michael Trauthig, veröffentlicht am 27.10.2009
Stuttgart - Vom 25. - 29. Oktober findet in Ulm die Jahrestagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) statt. Dabei soll ein Nachfolger für Wolfgang Huber gewählt werden.
Der EKD-Ratsvorsitz ist ein großartiges Amt. Es ist besonders dann großartig, wenn man in einen Rat eingebettet ist, in dem Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen freundschaftlich zusammenarbeiten. Ich habe erlebt, dass die Mitarbeiter im Kirchenamt der EKD sich in derselben Richtung engagieren. Ich habe keine Ahnung, ob der SPD-Chef so ein kooperatives Umfeld hat. Ich bin aber überzeugt, dass im Vergleich zum Ratsvorsitzenden das Amt des Papstes ungleich einsamer ist. Im Amt des Ratsvorsitzenden ist eine verlässliche Bodenhaftung dadurch garantiert, dass stets der Leitende Geistliche einer Landeskirche an der Spitze steht. Er hat mit den Erfahrungen und Problemen in Gemeinden und Regionen hautnah zu tun und steht nicht in der Gefahr abzuheben.
Ich habe die Aufgabe sehr gern wahrgenommen. Zugleich ist die Amtszeitbegrenzung auf sechs Jahre sehr weise, weil jeder an der EKD-Spitze ein hohes Tempo aufbringen muss. Insofern gebe ich dieses Amt jetzt mit großer Gelassenheit in andere Hände weiter.
Es hat jemand den für mich sehr freundlichen Satz geprägt, dass ich wegen einer Altersgrenze, allerdings nicht aus Altersgründen aufhöre. Das habe ich sehr gern gehört.
Eine Sinnkrise fürchte ich nicht. In den nächsten Wochen gibt es einiges abzuarbeiten. Dann mache ich richtig Urlaub, und anschließend gehe ich zum Auftanken, Nachdenken, Neue-Ideen-Sammeln für zweieinhalb Monate nach Südafrika. Vor allem drei Aufgaben werde ich längerfristig weiterführen: Erstens leite ich das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, die das Gotteshaus, das durch SED-Unrecht zerstört wurde, wieder aufbauen möchte. Zweitens bin ich Dechant des Domstifts Brandenburg und damit verantwortlich für das Geschehen rund um den Brandenburger Dom. Drittens bin ich in einer diakonischen Einrichtung Vorsitzender des Kuratoriums. Dazu kommen ein paar wunderbare Ehrenämter, zum Beispiel das Kuratorium für die Bewerbergesellschaft der olympischen Spiele 2018 in München.
Nein. Ich bin von Januar bis März an einem Forschungsinstitut an der sehr renommierten Universität Stellenbosch, wo ich als Fellow alle Freiheiten genieße.
Das Wichtigste ist, dass der Reformprozess in Gang gekommen ist. Zudem haben wir nachhaltiger in die Öffentlichkeit hinein wirken können als früher. Ferner habe ich viel gelernt und menschlich berührende Erfahrungen gemacht mit Partnerkirchen in anderen Teilen der Welt.
Wir haben immer wieder schwierige Klippen in den ökumenischen Beziehungen umschiffen müssen. Zum Teil wurde von Rom aus das evangelisch-katholische Verhältnis belastet, aber auch wir haben Fehler gemacht. Zum Glück konnten wir zuletzt in gutem Einvernehmen ein durch ein internes Papier entstandenes Problem ausräumen.
Nein. Eine neue Situation braucht auch neue Antworten. Im Verhältnis der Religionen bestätigt sich, dass Klarheit im Dialog - etwa über die Grundelemente unserer Wertordnung - unausweichlich ist. Christen müssen ihre eigene Identität deutlich erkennbar machen. Wer ein guter Nachbar sein will, braucht eine klare Adresse. Die damit verbundene Umstellung hat zwar Irritationen ausgelöst, aber das ist nun wohl verdaut.
Gegenüber der katholischen Kirche habe ich die Überzeugung vertreten, dass es ökumenische Fortschritte nur auf der Grundlage des wechselseitigen Respekts gibt; auf dieser Grundlage kann man das Gemeinsame stärken, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet. Ich bin dankbar dafür, dass Erzbischof Robert Zollitsch dies jetzt aufgenommen hat. Es war richtig, als evangelische Kirche deutlich zu machen, dass wir kein nachgeordneter Partner sind. Meine Wertschätzung für die katholische Schwesterkirche ist dabei ungebrochen. Ich stehe zu der Aussage, dass es ein Grundelement der Ökumene ist, sich über die Stärken des Anderen zu freuen.
Es ist ein langer Prozess, den Trend umkehren zu wollen. Dabei gibt es immer wieder Wellenbewegungen. Insgesamt sind in den vergangenen 15 Jahren die Kirchenaustritte zurückgegangen. 2008 hat die Einführung der Abgeltungsteuer leider einen zum Teil dramatischen Anstieg gebracht. Die Politik sollte sich künftig mehr bewusst machen, wie stark Veränderungen im Bereich des Steuerrechts sich auf die Kirche und ihre Finanzierung auswirken. Unabhängig davon möchte ich erreichen, dass Menschen wieder eine so starke Bindung an die Kirche entwickeln, dass sie nicht wegen einer einzelnen steuerpolitischen Maßnahme austreten. Zu diesen Zielsetzungen gibt es keine Alternative. Deshalb gibt es auch zum Reformprozess keine Alternative.
Jemanden, der dieses Amt mit Fröhlichkeit, Zuversicht und mit Gottvertrauen ausübt.
Hat jemand denn diese Frage gestellt, als es sich noch um zwei Männer handelte?
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"Ich gehe zum Auftanken, Nachdenken und Ideensammeln nach Südafrika."
Der scheidende Ratsvorsitzende zu seinen Plänen
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Der SPD-Vorsitz ist das schönste Amt neben dem Papst. Gilt das auch für den EKD-Ratsvorsitz?
Der EKD-Ratsvorsitz ist ein großartiges Amt. Es ist besonders dann großartig, wenn man in einen Rat eingebettet ist, in dem Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen freundschaftlich zusammenarbeiten. Ich habe erlebt, dass die Mitarbeiter im Kirchenamt der EKD sich in derselben Richtung engagieren. Ich habe keine Ahnung, ob der SPD-Chef so ein kooperatives Umfeld hat. Ich bin aber überzeugt, dass im Vergleich zum Ratsvorsitzenden das Amt des Papstes ungleich einsamer ist. Im Amt des Ratsvorsitzenden ist eine verlässliche Bodenhaftung dadurch garantiert, dass stets der Leitende Geistliche einer Landeskirche an der Spitze steht. Er hat mit den Erfahrungen und Problemen in Gemeinden und Regionen hautnah zu tun und steht nicht in der Gefahr abzuheben.
Bei so viel Begeisterung fällt es Ihnen schwer aufzuhören?
Ich habe die Aufgabe sehr gern wahrgenommen. Zugleich ist die Amtszeitbegrenzung auf sechs Jahre sehr weise, weil jeder an der EKD-Spitze ein hohes Tempo aufbringen muss. Insofern gebe ich dieses Amt jetzt mit großer Gelassenheit in andere Hände weiter.
Sie wirken sehr tatendurstig. Ist die Altersgrenze für Bischöfe noch zeitgemäß?
Es hat jemand den für mich sehr freundlichen Satz geprägt, dass ich wegen einer Altersgrenze, allerdings nicht aus Altersgründen aufhöre. Das habe ich sehr gern gehört.
Viele Aufgaben fallen jetzt weg. Wie vermeiden Sie die Sinnkrise?
Eine Sinnkrise fürchte ich nicht. In den nächsten Wochen gibt es einiges abzuarbeiten. Dann mache ich richtig Urlaub, und anschließend gehe ich zum Auftanken, Nachdenken, Neue-Ideen-Sammeln für zweieinhalb Monate nach Südafrika. Vor allem drei Aufgaben werde ich längerfristig weiterführen: Erstens leite ich das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, die das Gotteshaus, das durch SED-Unrecht zerstört wurde, wieder aufbauen möchte. Zweitens bin ich Dechant des Domstifts Brandenburg und damit verantwortlich für das Geschehen rund um den Brandenburger Dom. Drittens bin ich in einer diakonischen Einrichtung Vorsitzender des Kuratoriums. Dazu kommen ein paar wunderbare Ehrenämter, zum Beispiel das Kuratorium für die Bewerbergesellschaft der olympischen Spiele 2018 in München.
Wollen Sie sich bei Ihrer Visite in Südafrika die Fußball-WM anschauen?
Nein. Ich bin von Januar bis März an einem Forschungsinstitut an der sehr renommierten Universität Stellenbosch, wo ich als Fellow alle Freiheiten genieße.
Wenn Sie Ihre Zeit als Ratsvorsitzender bilanzieren. Was waren die Glanzlichter?
Das Wichtigste ist, dass der Reformprozess in Gang gekommen ist. Zudem haben wir nachhaltiger in die Öffentlichkeit hinein wirken können als früher. Ferner habe ich viel gelernt und menschlich berührende Erfahrungen gemacht mit Partnerkirchen in anderen Teilen der Welt.
Tiefpunkte und Fehlentscheidungen hat es wohl aber auch gegeben.
Wir haben immer wieder schwierige Klippen in den ökumenischen Beziehungen umschiffen müssen. Zum Teil wurde von Rom aus das evangelisch-katholische Verhältnis belastet, aber auch wir haben Fehler gemacht. Zum Glück konnten wir zuletzt in gutem Einvernehmen ein durch ein internes Papier entstandenes Problem ausräumen.
Manche haben Ihnen vorgeworfen, Sie hätten gegenüber dem Islam zu sehr zugespitzt. Ein Fehler?
Nein. Eine neue Situation braucht auch neue Antworten. Im Verhältnis der Religionen bestätigt sich, dass Klarheit im Dialog - etwa über die Grundelemente unserer Wertordnung - unausweichlich ist. Christen müssen ihre eigene Identität deutlich erkennbar machen. Wer ein guter Nachbar sein will, braucht eine klare Adresse. Die damit verbundene Umstellung hat zwar Irritationen ausgelöst, aber das ist nun wohl verdaut.
Haben Sie mit der "Ökumene der Profile" zu stark auf Abgrenzung gesetzt?
Gegenüber der katholischen Kirche habe ich die Überzeugung vertreten, dass es ökumenische Fortschritte nur auf der Grundlage des wechselseitigen Respekts gibt; auf dieser Grundlage kann man das Gemeinsame stärken, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet. Ich bin dankbar dafür, dass Erzbischof Robert Zollitsch dies jetzt aufgenommen hat. Es war richtig, als evangelische Kirche deutlich zu machen, dass wir kein nachgeordneter Partner sind. Meine Wertschätzung für die katholische Schwesterkirche ist dabei ungebrochen. Ich stehe zu der Aussage, dass es ein Grundelement der Ökumene ist, sich über die Stärken des Anderen zu freuen.
Trotz der Reformen sind zuletzt wieder mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten. Kämpfen Sie gegen Windmühlen?
Es ist ein langer Prozess, den Trend umkehren zu wollen. Dabei gibt es immer wieder Wellenbewegungen. Insgesamt sind in den vergangenen 15 Jahren die Kirchenaustritte zurückgegangen. 2008 hat die Einführung der Abgeltungsteuer leider einen zum Teil dramatischen Anstieg gebracht. Die Politik sollte sich künftig mehr bewusst machen, wie stark Veränderungen im Bereich des Steuerrechts sich auf die Kirche und ihre Finanzierung auswirken. Unabhängig davon möchte ich erreichen, dass Menschen wieder eine so starke Bindung an die Kirche entwickeln, dass sie nicht wegen einer einzelnen steuerpolitischen Maßnahme austreten. Zu diesen Zielsetzungen gibt es keine Alternative. Deshalb gibt es auch zum Reformprozess keine Alternative.
Ihr Nachfolger sollte den Prozess also fortsetzen. Wen wünschen Sie sich als Erben?
Jemanden, der dieses Amt mit Fröhlichkeit, Zuversicht und mit Gottvertrauen ausübt.
Die EKD-Synode hat eine Frau an ihrer Spitze. Eine Ratsvorsitzende brächte eine weibliche Doppelspitze. Ist das vorstellbar?
Hat jemand denn diese Frage gestellt, als es sich noch um zwei Männer handelte?
Kommentare (2)
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Veritate,
28.10.2009
Amt des Papstes ist viel einsamer
Es sind genau diese Hubers und Käßmanns und ein politisierter SED , äh EKD die mich aus diesem Protestantismus treiben. Die sollten lieber mal schauen wie der Papst in Rom mit seinen Mitarbeiter zusammenarbeitet (siehe z.B. die Afrikasynode, hier herrscht im Beisein des Papstes freie Wortwahl, auch bei heißen Eisen. B16 läßt alle und alles zu Wort kommen, ohne Tabu. Nur in Deutschland wird dieser Umstans tabuisiert,vor allem von den Hubers und Käßmanns, schließlich könnte ja der Eindruck entstehen, daß der Papst doch ganz anders ist als man ihn gerne hätte. Zudem ist mir nicht bekannt, daß der Papst auch nur ein schlechtes Wort über die Hubers die Käßmanns und Küngs der Welt gesagt hat, im Gegensatz zu diesen in umgekehrter Richtung. Er mag Ideologien angreifen, aber niemals einen Menschen persönlich. Vielleicht sollten diese ja mal in der Bibel lesen, was da so drinsteht. Für mich gilt nur noch Protestantismus - Nein Danke.
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