Nachgefragt
"Freizeit ist wichtig"
Viola Volland, veröffentlicht am 30.10.2009
Stuttgart - Der Psychologe Rainer Sturm von der Beratungsstelle des Studentenwerks hat seit einiger Zeit mehr Zulauf.
Auffällig ist, dass der Arbeitsmarkt immer mal wieder ein Thema ist, also die Sorge, eine Stelle zu finden. In jüngster Zeit fällt zudem auf, dass viele Studenten zu uns kommen, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Auch Probleme bei der Finanzierung des Studiums werden im Vergleich vermehrt geschildert. Und der Konkurrenzkampf unter den Studierenden ist in jüngster Vergangenheit größer geworden.
In Stuttgart hat die Umstellung auf den Bachelor etwas länger gedauert, aber ja: Auch bei uns nehmen die Zahlen zu. Die Bachelor-Studierenden stehen von Beginn an viel stärker unter Zeitdruck. Sie müssen sofort durchstarten, weil auch die Prüfungen des ersten Semesters zählen. Die Orientierungsphase fällt weg.
Unser Rat ist vor allem in den ersten drei Semestern gefragt. Dieser Zeitraum ist für die Bachelor-Studenten am stressigsten.
Das stimmt, beim Stundenplan kann man nicht ansetzen. Es ist zum einen wichtig, sich mit den Kommilitonen auszutauschen, damit man den Stress nicht als persönliches Versagen empfindet. Außerdem sollte man sich Ausgleich in der Freizeit, im Sozialleben suchen.
Zum Beispiel. Natürlich muss man vor Prüfungen den Schwerpunkt fast ausschließlich aufs Lernen setzen, aber über Monate oder Jahre hinweg kann man das nicht durchhalten. Sich auch Regenerationszeiten zuzugestehen ist wichtig. Bei uns erhalten die Studierenden gewissermaßen die Erlaubnis, auch mal Feierabend zu machen.
Das schon, aber sie trauen sich von alleine nicht, es umzusetzen. Manchmal ist es wichtig, von einem Außenstehenden die Bestätigung zu bekommen. Das zählt auch mehr, als wenn Freunde sagen, man solle doch mit zum Fußballtraining kommen.
"Die Bachelor-Studierenden stehen von Beginn an viel stärker unter Zeitdruck."
Rainer Sturm, Psychologe
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Herr Sturm, Sie sind seit 23 Jahren in der Stuttgarter psychologischen Beratungsstelle. Haben sich die Sorgen der Studierenden über die Jahre gewandelt?
Auffällig ist, dass der Arbeitsmarkt immer mal wieder ein Thema ist, also die Sorge, eine Stelle zu finden. In jüngster Zeit fällt zudem auf, dass viele Studenten zu uns kommen, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Auch Probleme bei der Finanzierung des Studiums werden im Vergleich vermehrt geschildert. Und der Konkurrenzkampf unter den Studierenden ist in jüngster Vergangenheit größer geworden.
Letzteres hängt doch sicher mit der Einführung des Bachelor zusammen. Haben Sie infolge des Bologna-Prozesses eigentlich einen stärkeren Zulauf?
In Stuttgart hat die Umstellung auf den Bachelor etwas länger gedauert, aber ja: Auch bei uns nehmen die Zahlen zu. Die Bachelor-Studierenden stehen von Beginn an viel stärker unter Zeitdruck. Sie müssen sofort durchstarten, weil auch die Prüfungen des ersten Semesters zählen. Die Orientierungsphase fällt weg.
Heißt das, dass Sie schon Erstsemester bei sich in der Beratung sitzen haben?
Unser Rat ist vor allem in den ersten drei Semestern gefragt. Dieser Zeitraum ist für die Bachelor-Studenten am stressigsten.
Was kann man überhaupt tun, wenn einem alles zu viel wird? Den Stundenplan kann ich als Student nicht entrümpeln, der ist fix.
Das stimmt, beim Stundenplan kann man nicht ansetzen. Es ist zum einen wichtig, sich mit den Kommilitonen auszutauschen, damit man den Stress nicht als persönliches Versagen empfindet. Außerdem sollte man sich Ausgleich in der Freizeit, im Sozialleben suchen.
Also einen Meditationskurs besuchen, statt auch noch abends zu lernen?
Zum Beispiel. Natürlich muss man vor Prüfungen den Schwerpunkt fast ausschließlich aufs Lernen setzen, aber über Monate oder Jahre hinweg kann man das nicht durchhalten. Sich auch Regenerationszeiten zuzugestehen ist wichtig. Bei uns erhalten die Studierenden gewissermaßen die Erlaubnis, auch mal Feierabend zu machen.
Und darauf kommen sie nicht von alleine?
Das schon, aber sie trauen sich von alleine nicht, es umzusetzen. Manchmal ist es wichtig, von einem Außenstehenden die Bestätigung zu bekommen. Das zählt auch mehr, als wenn Freunde sagen, man solle doch mit zum Fußballtraining kommen.
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