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Jimmy Choo

Zwei Leben für den Stöckelschuh

Christine Pander, veröffentlicht am 14.11.2009
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Schwindelerregend hoch und magisch: Jimmy Choos Schuhkreationen sind legendär. Foto: StZ

Stuttgart - Spätestens, seit Sarah Jessica Parker auf Killerabsätzen durch die Fernsehserie "Sex and the City" stöckelte und regelmäßig "Wo sind meine Jimmy Choos?" kreischte, weiß die Welt um die magische Wirkung von High Heels. Auch bei den "Gilmore Girls", den "Sopranos" und im Kinofilm "Der Teufel trägt Prada" wurden die Jimmy Choos zu Ikonen unter der Fußbekleidung erhoben. Echte Choos werden handgefertigt, oft mit Perlen oder Stickereien verziert oder auch komplett nach Spezialwünschen angefertigt. Den Abnehmerinnen dürften Preise bis zu 10.000 Euro weder schrecken noch schmerzen: Cate Blanchett, Victoria Beckham, Nicole Kidman oder Jennifer Lopez lassen im Rampenlicht gerne mal ihre Jimmy Choos klacken.


"Ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich nie abschalten kann."
Jimmy Choo (*1961), Schuhdesigner


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Aber wer ist eigentlich dieser Jimmy Choo? Gar nicht so einfach zu beantworten. Hinter den Kultobjekten steht sowohl ein Mann als auch eine Frau. Der mittlerweile ergraute, untersetzte Mann jedenfalls, der dem Schuhwerk einst seinen Namen gab, ist als Sohn einer Schuhmacherfamilie auf der exotischen Insel Penang in Malaysia geboren.

Damals hieß er noch Jimmy Chow. Der Legende nach machte er seinen ersten Schuh unter dem strengen Blick des Vaters im Alter von elf Jahren. Auf das College schickten ihn die Eltern dann nach London. Erst zu diesem Zeitpunkt fällt der Familie auf: Die malaysischen Behörden hatten Jimmys Namen nicht korrekt auf der Geburtsurkunde eingetragen.

Lady Di trug Jimmy Choo


Und so wurde an dem Tag, an dem der Teenager einen Fuß auf englischen Boden setzte, aus Jimmy Chow jener Jimmy Choo, dem später einmal die Frauen auf der ganzen Welt für seine schwindelerregenden Kreationen buchstäblich zu Füßen liegen sollten. Aber noch ist es nicht so weit. Nach dem College besucht Choo eine Modeschule. Seinen ersten Job nimmt er bei der Schweizer Schuhfirma Bally an. Doch das pulsierende London gefällt dem Designer so gut, dass er sich dort schließlich selbständig macht. Er eröffnet einen Laden im Londoner Stadtteil Hackney. "Ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich nie abschalten kann, wenn ich nach Hause gehe", sagt er damals. In Londons Modekreisen macht schnell die Runde, dass dieser Choo wahre Kunstwerke schaffen kann. Auch Prinzessin Diana lässt sich dort Schuhe anfertigen - das wird hinter vorgehaltener Hand geflüstert.

Irgendwann wird das Flüstern zu laut, und Tamara Mellon, die damals noch Yeardy heißt und als Accessoire-Chefin bei der britischen "Vogue" arbeitet, wird hellhörig. Sie beauftragt Choo für Modeshootings und beschließt im Jahr 1996, dass sie mit ihrem Geschäftssinn und er mit seinem begnadeten handwerklichen Geschick die idealen Geschäftspartner wären. Von ihrem Vater, einem ehemaligen Londoner Stuntman und Mitbegründer der Kette Vidal Sassoon, stammte der Historie zufolge das nötige Kleingeld für den ersten gemeinsame Laden in der Motcomb Street. Lange ging die Partnerschaft der Moderedakteurin mit dem Schuhmacher jedoch nicht gut.

Choo wollte nicht ständig unter Druck komplette Kollektionen entwerfen. Genau das hatte seine Partnerin unterschätzt. Sie kaufte ihrem Partner für eine exorbitante Summe den Namen ab. Choo trat aus der Firmenleitung zurück und ist seitdem nur noch zu 50 Prozent Partner. Dafür kommt seine Cousine als Designerin mit ins Boot.

Auf 8,5 Zentimeter hohen Absätzen in den Rosenkrieg


Im April 2001 geht das Label eine Partnerschaft mit "Equinox Luxury" ein. Das Unternehmen wächst. Schnell kommen 50 neue Shops in Südamerika, Asien, Europa sowie in Australien dazu. Geführt werden fortan auch Lederaccessoires und Brillen.

Das Leben der heutigen Luxuslabelchefin und schillernden Geschäftsfrau Tamara Mellon ist fast so schwindelerregend wie das stöckelnde Produkt, für das sie steht. Im Jahr 2000 heiratet das geläuterte Partygirl einen amerikanischen Multimilliardärssohn aus einer Bankiersfamilie. Die Hochzeit wird mit viel Glanz und Gloria und 300 Gästen gefeiert. Die US-"Vogue" berichtet auf mehreren Hochglanzseiten über das Spektakel. Übrigens auch darüber, was danach folgt: der Bräutigam machte bald mit Drogenskandalen Schlagzeilen. Immer wieder beleidigt Mellon seine Frau, die Unbezähmbare, in aller Öffentlichkeit. Sie zieht daraufhin - auf 8,5 Zentimeter hohen Absätzen - in einen Rosenkrieg. Wer gewinnt, ist klar. Anschließend wendet sie sich Neuem zu: Elton John etwa, mit dem sie ein Hilfsprojekt auf die Beine stellt. Privat geht es turbulent weiter. Die Klatschpresse sagt ihr Affären mit George Clooney und Flavio Briatore nach. Bis vor kurzem soll Tamara Mellon außerdem mit dem Schauspieler Christian Slater liiert gewesen sein. Genaues jedoch weiß selbst die "Times" nicht.

Dafür berichtete die Zeitung kürzlich, dass Mellon heute mit ihrer Tochter in New York lebt. Regelmäßig reise sie nach London, um dort am Hauptsitz von Jimmy Choo nach dem Rechten zu sehen. Und der "echte" Jimmy Choo? Der wurde im Jahr 2003 von der britischen Königin für seine modischen Verdienste zum "Officer of the Order of the British Empire" ernannt. Er macht nun schon sein Leben lang, was er immer wollte: Frauen mit seinen Kreationen schmücken. Und sie verzücken. Von heute an werden Jimmy-Choo-Schuhe und andere Artikel des Labels bei der Modekette H&M zu haben sein - allerdings nur für kurze Zeit. Jetzt dürfen also endlich auch mal ganz normale Frauen kreischen: "Wo sind meine Jimmy Choos?"


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