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Mutmaßlicher Kriegsverbrecher

"Er wirkte wie ein Geschäftsmann"

Wolfgang Berger und Jürgen Veit, veröffentlicht am 18.11.2009
Das Justizministerium am Schillerplatz Foto: Zweygarth

Stuttgart - Durch die Zeitungslektüre wusste Julia Rieger um die Vorwürfe gegen Straton Musoni. Trotzdem war die Geschäftsführerin des Trägervereins Freies Kinderhaus Nürtingen von der Verhaftung des 48-Jährigen überrascht. Als Vizechef der FDLR-Milizen soll Musoni als Kriegsverbrecher angeklagt werden. Seine zwei Buben gingen in die Nürtinger Kinder-Kultur-Werkstatt. "Er hat eine sehr nette Familie und eine sehr nette Frau, deshalb wollte ich das nie glauben", sagt Julia Rieger über die Zeitungsberichte. "Er wirkte wie ein Geschäftsmann, integriert, so wie man es sich wünscht, er spricht hervorragend Deutsch", so die Nürtingerin weiter. Auf die Vorwürfe angesprochen, habe Straton Musonis Frau, eine Deutsche, immer abgewiegelt. "Das ist eine reine Verleumdung", habe sie gesagt.


Der Verhaftete wohnte im wenige Kilometer entfernten Städtchen Neuffen. Offenbar war die bürgerliche Existenz aber nur die Fassade, um vom Kreis Esslingen aus für die FDLR im Kongo die Messer zu wetzen. Dass Musoni nicht der unbescholtene Familienvater war, ahnte Ragini Wahl vom AK Asyl Nürtingen. Bei ihren Recherchen tauchte der Name Musoni in Verbindung mit Gräueltaten im Kongo auf. Sie fand heraus, dass Musoni seit 2005 auf der Terrorliste der USA stand und seit vergangenem Jahr auch von Interpol gesucht wurde. Im Januar wandte sich Wahl in der Angelegenheit an die damalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Uschi Eid (siehe Artikel oben).

Musoni lebt bereits seit langem in der Region Stuttgart. Laut Andreas Bulling, dem Sprecher der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, studierte der Ruander von 1988 bis 1993 an der FH Landespflege und machte einen Abschluss als Diplomingenieur. Von September 1995 bis November 1996 war er im Aufbaustudiengang Internationale Wirtschaftsbeziehungen eingeschrieben. Da sei Musoni auch in der Neckarstadt gemeldet gewesen, so Bulling.

Ende 1996 machte Musoni in Nürtingen von sich reden, als er die Bundesregierung rügte. Im Kampf gegen die Hutus habe die Tutsi-Regierung mit deutschem Geld Waffen gekauft. "170 Millionen Mark Entwicklungshilfe flossen 1995 nach Ruanda. Davon ist keine Mark bei der Bevölkerung angekommen", wurde Musoni von der Lokalzeitung zitiert. Die Regierung wies später die Vorwürfe zurück.

Eine pikante Randnotiz ist, dass Musoni zeitweise im Landesjustizministerium ein- und ausgegangen ist. Dort ist er für einen EDV-Dienstleister tätig gewesen, wie Jan Dietzel, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums, am Dienstag bestätigte. Musoni habe sich um die Computer der Mitarbeiter gekümmert. Doch war er "nie Bediensteter des Justizministeriums".


Kommentare (1)
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fakten II,
18.11.2009
Ein einziger Skandal!
Es ist schon unglaublich, wie viele Verbrecher unentdeckt täglich in Ministerien ein- und ausgehen können!
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