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Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück

"Wir bleiben eigenständig"

Michael Heller, veröffentlicht am 21.11.2009
Uwe Hück über den Porsche-Chef: "Macht ist nicht in der IG Metall. Da habe ich mich erkundigt."  Foto: dpa

Wolfsburg - In Wolfsburg nennen sie ihn schon "Mister Eigenständigkeit". Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der für eine Sonderstellung des Sportwagenbauers nach dem Zusammenschluss mit VW gekämpft hat, erzählt das mit einem Schmunzeln. Gleichwohl verspricht er sich Vorteile für Porsche aus der Verschmelzung.



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Herr Hück, wie wollen Sie die Eigenständigkeit von Porsche sichern?


Wir haben das genau festgeschrieben. Im Vertrag zwischen der Porsche AG und der Porsche Zwischenholding steht eindeutig, dass Porsche voll umfänglich eigenständig bleibt. Klar ist, dass es keinen Kauf von Porsche gibt; es gibt eine VW-Beteiligung von 49,9 Prozent an der Porsche Zwischenholding; die Porsche Finanzholding SE hat knapp 51 Prozent an VW. Die Porsche Finanzholding SE verschmilzt sich auf VW zu einer Dachgesellschaft. Dort wird auch nach der Verschmelzung die Familie Porsche/Piëch weiter größter Aktionär sein. Wichtig ist dabei, dass wir voll umfänglich eigenständig sind und bleiben. Wir können eigene Produkt- und Investitionsentscheidungen treffen; wir können Modelle selber entwickeln, bauen und verkaufen. Das ist die Eigenständigkeit, die wir in den Verträgen gewahrt haben - in der Grundlagenvereinbarung und in vielen anderen Verträgen, die alle notariell beurkundet sind.

Widerspricht es nicht dem Anspruch auf Eigenständigkeit, wenn VW-Chef Martin Winterkorn jetzt Vorstandsvorsitzender der Porsche Finanzholding SE wird?


Nein, überhaupt nicht. Wir haben es unterstützt, dass Winterkorn und VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch in den Vorstand der Porsche Finanzholding SE kommen. Wir wollen uns ja verschmelzen. Deshalb ist es auch gut, dass von beiden Seiten zwei Vertreter im Vorstand sitzen: von VW Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch, von Porsche Michael Macht und Thomas Edig. Es wäre etwas völlig anderes, wenn eine feindliche Übernahme beschlossen worden wäre, doch VW und Porsche werden weiterhin partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Was ist seit dem Abschluss der Grundlagenvereinbarung im August passiert?


Es ist ganz klar, dass es am Anfang großes Misstrauen gab: Will die Porsche SE noch VW kaufen, oder will VW Porsche kaufen? Wir mussten uns erst einmal beschnuppern, dann sind die Gespräche aber schnell konstruktiv geworden. Das ist auch deshalb ganz schön hart gewesen, weil zu allen Verhandlungen immer ein ganzer Bus mit Rechtsanwälten angefahren kam. Wichtig war, dass es zu Beginn eine offene Aussprache gab. Jetzt haben wir Vertrauen zueinander gefasst; wir werden die Verschmelzung hinkriegen.

Zeichnet sich schon ab, wie Porsche von dem Zusammenschluss profitieren kann?


Man muss sich vor Augen halten, dass alleine die elektronische Plattform des Panamera eine Milliarde Euro gekostet hat. Das kann ein Unternehmen alleine gar nicht finanzieren. Zusammen können wir besser, schneller und kostengünstiger entwickeln. Denn wir wollen ja noch mehrere Modellreihen auf den Markt bringen. Und die werden sehr interessant sein. Als Aufsichtsratsmitglied kenne ich da natürlich schon Einzelheiten, aber sagen darf ich dazu nichts.

Kommen die Verhandlungen über einen neuen Standortsicherungsvertrag voran?


Sondierungsgespräche haben bereits stattgefunden. Klar ist, dass es eine harte Auseinandersetzung geben wird. Denn mein Ziel ist ganz klar, dass Belegschaft aufgebaut wird. Wir werden das aber schaffen. Porsche-Chef Macht denkt, die so genannte Steinkühler-Pause in der Produktion ist nicht mehr zeitgemäß, aber wir werden dafür kämpfen, dass sie eins zu eins bestehen bleibt. Es werden keine einfachen Verhandlungen - auf beiden Seiten werden Handtücher gebraucht, denn jeder wird schwitzen.

Ist der Vorstand bereit, beim Thema Aufbau der Belegschaft mitzuziehen?


Die sehen das natürlich überhaupt nicht so. Aber wir wollen, dass an all unseren Standorten, wie zum Beispiel Zuffenhausen, Weissach, Ludwigsburg und Sachsenheim Arbeitsplätze aufgebaut werden. Wenn künftig 150.000 Autos jährlich gebaut und verkauft werden sollen - doppelt so viel wie zuletzt -, so wie das der Vorstandschef angekündigt hat, dann geht das nicht mit der gleichen Belegschaft. 2010 oder 2011 wird es noch keine Aufstockung geben, sondern erst längerfristig, also 2012 und 2013. Die Verhandlungen dazu werden bestimmt ein halbes Jahr dauern.

Wie ist die Lage in der Motorenfertigung?


Wir wollen die Auslastung, die jetzt etwa bei 60 Prozent liegt, erhöhen. Da können wir noch 50.000 bis 70.000 Motoren zusätzlich im Jahr bauen. Das werden wir auch erreichen, aber wir müssen dafür hart verhandeln. Der Vorstand wird jeden Euro fünfmal umdrehen, bevor er uns einen gibt.

Wann wird über neue Modelle entschieden?


Das geschieht in den Verhandlungen über die Standortsicherung. Ohne neue Projekte und Fahrzeuge kann ich nicht über zusätzliche Beschäftigung sprechen. Klar ist, dass wir nichts geschenkt bekommen werden. Macht ist Vorstandsvorsitzender von Porsche, er ist Arbeitgeber, und er ist nicht in der IG Metall. Da habe ich mich erkundigt.


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