Bündnis gegen Google
Vereinter Groll auf den Giganten
Sebastian Moll, New York, veröffentlicht am 26.11.2009
New York - Als Microsoft-Chef Steve Ballmer vor fünf Jahren erfuhr, dass einer seiner leitenden Ingenieure die Firma verlassen will, wollte er nur eines von ihm wissen: Geht er zu Google? Der Mann bejahte kleinlaut, wohlwissend, dass dies seinen Chef nicht eben glücklich stimmen würde. Doch auf das, was dann kam, war er nicht vorbereitet. Ballmer packte einen Stuhl, feuerte ihn gegen die Wand und erging sich in einer Tirade auf Google, die sich gewaschen hatte. "Dieser verdammte Eric Schmidt ist ein verdammtes Weichei. Ich werde ihn lebendig auffressen. Google ist keine Firma, das ist ein Kartenhaus."
Ballmer hasst den Suchmaschinengiganten. Deshalb wird er sich diebisch gefreut haben, als vor wenigen Wochen Medienmogul Rupert Murdoch bei ihm anrief. Der Verleger des "Wall Street Journals", der "New York Post" und der "Londoner Times", will sich mit Microsoft verbünden, um Googles Vormachtstellung zu brechen. Murdochs Zeitungen sollen demnächst den Zugriff von Google auf ihre Inhalte blocken und stattdessen exklusiv in der Microsoft Suchmaschine Bing auftauchen. Über die Modalitäten der Zusammenarbeit wird noch verhandelt. Murdochs Schachzug wird als Teil seines Versuches gewertet zu beweisen, dass Qualitätsjournalismus im Internet rentabel zu betreiben ist. Im vergangenen Sommer kündigte der 78-Jährige an, er werde nicht akzeptieren, dass der Journalismus vor die Hunde gehe, weil man sich daran gewöhnt habe, im Internet alle Informationen kostenlos zu erhalten. Sein Flaggschiff, das "Wall Street Journal", bietet schon lange einen Großteil seiner Artikel im Netz nur gegen Bezahlung an.
Als Erzfeind des bezahlten Journalismus hatte Murdoch schon damals die Suchmaschine Google ausgemacht. "Google stiehlt unsere Geschichten", wetterte er. Über Google und Google News gelangten lediglich Querleser, die nur einen bestimmten Artikel suchten, auf die Seiten der Zeitungen. Google löse so das Geschäftsmodell der traditionellen Nachrichtenorganisation auf, die ein breites Spektrum an Themen biete. Dass ohne Google auch auf die Websites seiner Zeitungen weniger Leser zugriffen, nimmt Murdoch dabei in Kauf: "Ich habe lieber weniger Leute auf unseren Seiten, aber dafür solche, die bezahlen."
Ballmers Suchseite Bing hat zwar bisher nur einen Marktanteil von zehn Prozent, aber Ballmers Groll auf Google ist so groß, dass er bereit ist, Murdoch für die Rechte zu bezahlen. Wenn Murdochs Rechnung aufgeht, könnte dies eine Revolution auslösen. Google könnte sich genötigt fühlen, ebenfalls zu bezahlen - ein Zukunftsmodell für den Journalismus wäre geboren.
Skeptiker wenden ein, dass Murdoch gar nicht die Macht habe, eine solche Revolution herbeizuführen. Michael Wolff, Chef der Nachrichtenwebsite Newser.com, wies in seiner Kolumne darauf hin, dass Murdoch in Wirklichkeit nur eine Zeitung in Amerika in die Waagschale zu werfen habe. Die Artikel des "Wall Street Journal" tauchten ohnehin nicht in ganzer Länge in Suchmaschinen auf, weil das Journal eine Bezahlseite ist. Es handele sich also nur um das Boulevardblatt "New York Post". "Die mächtige ,New York Post"', spottet Wolff. "Das ist ein Mückenstich in einem Elefantenhintern." Druck auf Google entstünde nur, wenn sich "alle großen Zeitungen und Nachrichtenagenturen einig wären", wie das Marktforschungsunternehmen Bernstein meint. Bisher erwägen aber offenbar nur die "Denver Post" und die "Dallas Morning News", es Murdoch gleichzutun.
Manch ein Beobachter glaubt, dass es Murdoch nicht darum gehe, ein Geschäftsmodell für den Internetjournalismus zu entwickeln. Douglas Rushkoff von der Nachrichtenwebsite Daily Beast und Michael Wolff von Newser sind sich einig, dass der altgediente Zeitungsmann Murdoch noch immer einen Krieg gegen das Internet insgesamt führt. Die Absage an Google könnte eine Taktik sein, mehr Leute zum Kauf seiner Zeitungen zu bewegen und diese dadurch noch ein wenig länger am Leben zu halten, so Wolff.
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Suchmaschine "bing" mit 10 Prozent Markanteil
Als Erzfeind des bezahlten Journalismus hatte Murdoch schon damals die Suchmaschine Google ausgemacht. "Google stiehlt unsere Geschichten", wetterte er. Über Google und Google News gelangten lediglich Querleser, die nur einen bestimmten Artikel suchten, auf die Seiten der Zeitungen. Google löse so das Geschäftsmodell der traditionellen Nachrichtenorganisation auf, die ein breites Spektrum an Themen biete. Dass ohne Google auch auf die Websites seiner Zeitungen weniger Leser zugriffen, nimmt Murdoch dabei in Kauf: "Ich habe lieber weniger Leute auf unseren Seiten, aber dafür solche, die bezahlen."
Ballmers Suchseite Bing hat zwar bisher nur einen Marktanteil von zehn Prozent, aber Ballmers Groll auf Google ist so groß, dass er bereit ist, Murdoch für die Rechte zu bezahlen. Wenn Murdochs Rechnung aufgeht, könnte dies eine Revolution auslösen. Google könnte sich genötigt fühlen, ebenfalls zu bezahlen - ein Zukunftsmodell für den Journalismus wäre geboren.
Krieg gegen das Internet?
Skeptiker wenden ein, dass Murdoch gar nicht die Macht habe, eine solche Revolution herbeizuführen. Michael Wolff, Chef der Nachrichtenwebsite Newser.com, wies in seiner Kolumne darauf hin, dass Murdoch in Wirklichkeit nur eine Zeitung in Amerika in die Waagschale zu werfen habe. Die Artikel des "Wall Street Journal" tauchten ohnehin nicht in ganzer Länge in Suchmaschinen auf, weil das Journal eine Bezahlseite ist. Es handele sich also nur um das Boulevardblatt "New York Post". "Die mächtige ,New York Post"', spottet Wolff. "Das ist ein Mückenstich in einem Elefantenhintern." Druck auf Google entstünde nur, wenn sich "alle großen Zeitungen und Nachrichtenagenturen einig wären", wie das Marktforschungsunternehmen Bernstein meint. Bisher erwägen aber offenbar nur die "Denver Post" und die "Dallas Morning News", es Murdoch gleichzutun.
Manch ein Beobachter glaubt, dass es Murdoch nicht darum gehe, ein Geschäftsmodell für den Internetjournalismus zu entwickeln. Douglas Rushkoff von der Nachrichtenwebsite Daily Beast und Michael Wolff von Newser sind sich einig, dass der altgediente Zeitungsmann Murdoch noch immer einen Krieg gegen das Internet insgesamt führt. Die Absage an Google könnte eine Taktik sein, mehr Leute zum Kauf seiner Zeitungen zu bewegen und diese dadurch noch ein wenig länger am Leben zu halten, so Wolff.
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