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VfB Stuttgart - FSV Mainz 05

Jens Lehmann sieht Rot

Marko Schumacher, veröffentlicht am 14.12.2009
Foto: dpa

Stuttgart - Es dauerte bis zur 87. Spielminute, bis Jens Lehmann endgültig Rot sah. Nach einem unnötigen Rempler gegen den Mainzer Stürmer Aristide Bancé stellte der Schiedsrichter Wolfgang Stark den aufgebrachten VfB-Torhüter vom Platz - und entschied auf Strafstoß. Diese Entscheidung war hart, aber vertretbar. Und Lehmann servierte den Mainzern somit den Ausgleich per Elfmetertor durch Eugen Polanski auf dem Silbertablett.


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Diese spielentscheidende Szene zeigt, dass Lehmann, der 40-jährige Torwart mit dem ausgeprägten Ego, nach Monaten voller Eskapaden weiter unnachgiebig auf Solopfaden unterwegs ist. Eines ist allerdings neu: Erstmals hat der eigenwillige Jens Lehmann seinem Team direkt geschadet. Denn die Unbeherrschtheit des Keepers, der sich in der Schlussphase zu einem Revanchefoul an Bancé hinreißen ließ, hat den VfB zwei wichtige Punkte gekostet.

Der große Machtkampf


Dieses sportliche Tief kommt für Jens Lehmann zu einer ungünstigen Zeit. Denn der Schlussmann lässt es dieser Tage abseits des Rasens auf die große Machtprobe ankommen. Wie diese letztlich ausgehen wird, ist schwer abzuschätzen in Zeiten, in denen der erfolgreiche Kampf um den Bundesliga-Klassenverbleib den VfB-Verantwortlichen verständlicherweise über alles geht. Daher hatten Trainer und Management den Einsatz des routinierten Lehmanns vor dem Gastspiel in Mainz für unverzichtbar erklärt.

Er werde die vom Verein verhängte Strafe in Höhe von 40.000 Euro nicht bezahlen - mit dieser Ansage hatte Jens Lehmann den Vereinsvorstand vor dem Spiel am Mainzer Bruchweg brüskiert. "Ich akzeptiere die Geldstrafe nicht. Den Grund dafür habe ich dem Vorstand dargelegt", erklärte der Torhüter, der zuvor in einem Fernsehinterview vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Unirea Urziceni (3:1) der Clubführung vorgeworfen hatte, mit der Entlassung von Teamchef Markus Babbel auf den Druck "meist pubertärer" Fans reagiert zu haben.

Heldt stärkt Lehmann den Rücken


Lehmann wertet diesen Schritt als Zeichen von Führungsschwäche, denn er wisse, "dass man den Schwachen im Verein zwar zuhört, aber nie das machen sollte, was die Schwachen verlangen, weil man dann keinen Erfolg haben wird". Der VfB hatte ihn daraufhin schriftlich abgemahnt - und mit einer der höchsten Geldstrafen in der Vereinsgeschichte belegt.

Ob der Torwart diese allerdings jemals bezahlen wird, ist unklar. "Es ist keine Provokation, sondern sein gutes Recht, eine andere Meinung zu haben", sagte Horst Heldt zur jüngsten Ansage Lehmanns, die Strafe des VfB nicht zu akzeptieren. "Heute ist Spieltag. Und Jens ist ein guter Torwart", ergänzte der Manager dann noch, gewillt, den eigenwilligen Schlussmann (vorerst?) gewähren zu lassen.

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Trotz der Vorgeschichte in seinen 18 Monaten beim VfB, der Schiedsrichter-, der Stirnband-, der Schuh-, der Versammlungs-, der Ellenbogen- und der Wiesnaffäre, war die Maß vor dem Spiel in Mainz noch immer nicht voll. Rückendeckung hatte der Torwart von Christian Gross erhalten. "Ich kann nicht beurteilen, wie es zu dieser Situation kam", sagte der neue Trainer, stellte dann aber klar: "Ich brauche Jens Lehmann, weil er ein guter und erfahrener Torhüter ist." Jetzt hat sich Lehmann durch die Rote Karte und die zu erwartende Sperre selbst aus dem Spiel genommen. Es ist nun an den anderen beiden Torhütern Sven Ulreich und Alexander Stolz, zu beweisen, dass es beim VfB auch ohne Jens Lehmann geht.


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