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VfB Stuttgart

Barca weckt zwiespältige Gefühle

Thomas Haid, veröffentlicht am 19.12.2009
Zuletzt war der FC Barcelona (hier Ronaldinho) gegen den VfB (mit Hilbert) obenauf. Foto: Baumann

Stuttgart - Natürlich ist Christian Gross Freitagmittag vor dem Fernseher gesessen und hat mitgefiebert, als in Nyon das Achtelfinale der Champions League ausgelost wurde. Denn angesichts des harten Abstiegskampfs in der Bundesliga ist der Europapokal auch für den Trainer das Sahnehäubchen, das dem VfB diese Saison noch versüßen kann. Deshalb war Gross so aufgeregt wie der Finanzchef Ulrich Ruf und der Verwaltungsdirektor Matthias Huber, die das Geschehen direkt im Hauptquartier der Europäischen Fußball-Union (Uefa) verfolgten. Kurz nach zwölf stand fest, dass der VfB auf den Titelverteidiger FC Barcelona trifft.


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Das Hinspiel findet am 23. Februar in Stuttgart statt, ehe am 17. März in Spanien die Entscheidung über den Einzug ins Viertelfinale fällt. Viel attraktiver geht es nicht - aber viel schwerer auch nicht. Das dachte sich in diesem Augenblick vermutlich auch Ulrich Ruf. Nachdem der frühere Real-Madrid-Star Emilio Butragueno die Lose gezogen hatte, huschte ein etwas gequält wirkendes Lächeln über das Gesicht des Stuttgarter Vorstandsmitglieds. Fürs Image ist Barcelona gut und für die Finanzen auch, da der VfB mit einer Einnahme von acht Millionen Euro rechnen kann. Aber sportlich? Ruf nahm das Gesamtpaket offensichtlich mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Dabei hatte er schon zuvor erlebt, welchen Stellenwert die Champions League generell besitzt.

Denn der europäische Fußball-Hochadel war fast vollzählig bei der Zeremonie versammelt, die damit eröffnet wurde, dass die 16 verbliebenen Clubs in einem Videofilm vorgestellt wurden. Als der VfB an der Reihe war, flimmerten die Tore von Elson (beim 1:3 gegen Sevilla) und von Pawel Pogrebnjak (beim 3:1 gegen Urziceni) aus der abgelaufenen Gruppenphase über die Leinwand.

Bei Barcelona läuft der Ball derzeit bestens


So stieg die Spannung bis zum Auftritt von Butragueno. Und jetzt? "Es war ja klar, dass wir einen großen Namen bekommen werden", sagt der Manager Horst Heldt. Mit dem FC Barcelona sei eine der spielstärksten Mannschaften zugelost worden. "Da sind wir krasser Außenseiter."

Für diese Erkenntnis genügt Heldt ein Blick auf die Tabelle der spanischen Priméra Division. Da liegt Barcelona an der Spitze - mit zwölf Siegen, drei Unentschieden und keiner Niederlage und mit fünf Punkten Vorsprung vor Real Madrid. Welche Qualität vorhanden ist, zeigt sich auch daran, dass das Team am Samstag im Finale der Club-WM auf den argentinischen Vertreter Estudiantes de la Plata trifft und bei einem Erfolg den sechsten Titel in diesem Jahr eingefahren hätte. Deshalb hätte sich Heldt einen anderen Gegner gewünscht - am liebsten den AC Florenz. Aber er freue sich auch über Barcelona, sagt der Manager, und chancenlos sei der VfB nicht: "Schließlich müssen auch diese beiden Spiele erst einmal gespielt werden."

So wie im Herbst 2007, als es in der Gruppenphase gegen die Katalanen ging. Der VfB verlor mit 0:2 und 1:3 und schied damals als Tabellenletzter aus. Heute ist er in der Champions League schon weiter vorgerückt - und hinzu kommt für Heldt noch ein anderer Aspekt. Welcher Verein könne schon von sich behaupten, dass er innerhalb von gut zwei Jahren zweimal gegen Barcelona antreten dürfe, fragt der Manager, der das als Beleg dafür sieht, dass sich der VfB auf internationaler Ebene etabliert hat oder zumindest kurz davor ist.

Sie dürfen den VfB nicht unterschätzen


Schrecken verbreitet die Mannschaft in Barcelona allerdings nicht. "Wir können uns über die Auslosung nicht beschweren", sagt Txiki Begiristain, dem nur ein Punkt leichte Sorgen macht: der eigenartige Saisonverlauf der Stuttgarter, wie der Manager sagt: "Das könnte dazu führen, dass wir sie unterschätzen."

Das ist dem Team schon ein paar Mal passiert, erst vor ein paar Wochen beispielsweise in der Champions League, als es gegen den Neuling Rubin Kasan eine 1:2-Heimniederlage setzte. Und auch Christian Gross hat in der vergangenen Saison nicht nur negative Erfahrungen mit Barcelona gemacht. Nach einer 0:5-Niederlage erreichte der damals noch beim FC Basel tätige Trainer mit seiner Elf im Rückspiel im Stadion Camp Nou immerhin ein 1:1.

Daran wird Gross vor dem ersten Duell im Februar sicher erinnern. Aber auch bis dahin dürfte Barcelona zumindest in den Hinterköpfen der Spieler stecken. Negative Auswirkungen auf die Bundesliga befürchtet Heldt deshalb jedoch nicht. "Diese Perspektive kann sogar sehr motivierend sein", sagt der Manager, "denn es gibt viele, die gerne mit uns tauschen würden."




Rund um das Champions-League-Achtelfinale


FC Barcelona:
Der Verein ist neben Real Madrid die dominierende Mannschaft Spaniens. 19 Meistertitel und 25 Pokalsiege haben die Katalanen geholt, dazu kommen auf internationaler Ebene drei Uefa-Cup-Siege, vier Erfolge im Pokalsiegerwettbewerb und drei Champions-League-Triumphe. Barcelona ist Titelverteidiger.

Stars:
Die auffälligsten Akteure des aktuellen Tabellenführers in Spanien sind die Stürmer Zlatan Ibrahimovic (Schweden), Lionel Messi (Argentinien) und Thierry Henry (Frankreich), sowie im Mittelfeld Andres Iniesta und in der Abwehr Carles Puyol. Trainiert wird das Team seit dem 1. Juli 2008 von Josep Guardiola.

Karten:
Bei der Ticketvergabe für das VfB-Heimspiel gegen Barcelona (Dienstag, 23. Februar) in der Mercedes-Benz-Arena werden Dauerkarteninhaber und Mitglieder bevorzugt behandelt. Sollten Karten übrig bleiben, kommen diese dann in den freien Verkauf.

Weitere Informationen im Internet unter vfb.de »



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