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Stuttgarter "Tatort"

Olli, der Zauberer

Markus Heffner, veröffentlicht am 23.12.2009
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Der zehnjährige Tim Krebs tritt im nächsten Stuttgarter "Tatort" als Olli der Zauberer auf. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Die Notfallpläne von Eoin Moore sind kaum zum Einsatz gekommen. Sicherheitshalber hatte der irische Regisseur für all jene Szenen Ersatzdialoge vorbereitet, die das Drehbuch für seinen jüngsten Darsteller vorgesehen hatte - falls dieser mittendrin doch nicht mitspielen will. "Es war für uns ein Sprung ins kalte Wasser", sagt der 41-jährige Filmprofi: "Anfangs hatten wir einige Bedenken, am Ende waren alle begeistert." Begeistert von Olli, dem Zauberer.


"Anfangs hatten wir einige Bedenken, am Ende waren alle begeistert."
Eoin Moore, "Tatort"-Regisseur


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Olli heißt eigentlich Tim, ist zehn Jahre alt und hat das Downsyndrom, also ein Chromosom zu viel in jeder Körperzelle. Nach einem solchen Jungen, möglichst aus Stuttgart, hatte der SWR für seinen nächsten "Tatort" um die Kommissare Lannert und Bootz gesucht, einer Verfilmung des Drehbuchs "Altlasten" von Katrin Bühlig. Olli spielt darin den Sohn der Familie, um die sich die Geschichte dreht. Eines Tages habe der SWR angerufen und zum Casting nach Baden-Baden eingeladen, sagt Maren Krebs, Mutter von Tim und Vorsitzende des Vereins 46 Plus, einer Anlaufstelle für Eltern von Kindern mit Downsyndrom. Ein paar Tage später hätte sich der Regisseur gemeldet und gesagt, dass er Tim für die Rolle des Olli haben will.

Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang für alle Beteiligten. "Wir wussten auch nicht genau, auf was wir uns einlassen und wie Tim das schaffen wird", sagt Maren Krebs. Insgesamt acht Drehtage waren vorgesehen, an Plätzen in Baden-Baden, Karlsruhe, Kuppenheim und Stuttgart. Zuvor hatte das "Tatort"-Team noch einen Probentag anberaumt, der als "kalte Dusche" in Erinnerung geblieben ist, wie Regisseur Moore sagt. "Tim hat nichts gemacht, was wir wollten." Er habe zwar genau zugehört, dann aber den Kopf geschüttelt und gesagt: Nein, mache ich nicht." "Wir waren ganz schön verzweifelt", sagt Moore. "In den eng gesteckten Drehplänen gibt es kaum Zeit für Verzögerungen."

Eintauchen in Tims Welt


Tim dagegen hat eigentlich immer genug Zeit. Er lebt vor allem im Heute, für den Augenblick, und interessiert sich kaum dafür, dass mit Kindern nicht länger als fünf Stunden am Tag gedreht werden darf. "Zahlen sind nicht seine Welt", sagt Maren Krebs. Und es wollte ihm auch nicht in den Kopf, warum er plötzlich der Olli sein und zu wildfremden Frauen Omi oder Mama sagen soll. "Das war ihm nur ganz schwer beizubringen", sagt Maren Krebs.

Gelungen ist das schließlich dem Regisseur Eoin Moore, der sich in jeder freien Minute um Tim gekümmert hat und in dessen eigener Welt eingetaucht ist. "Es war faszinierend zu sehen, welche Fortschritte Tim mit jedem Tag gemacht hat und wie selbstbewusst er geworden ist" , sagt er.

Auch Maren Krebs hat während der "aufregenden Drehtage" teils fassungslos beobachtet, wie ihr Sohn immer mehr aus sich herausging und plötzlich problemlos seine Texte auf Bestellung aufsagen konnte und spielte, was immer der Regisseur von ihm verlangte. "In diesem Dreivierteljahr hat Tim sich ganz enorm verändert", sagt die stolze Mutter, die immer noch gerührt ist, wie viel Geduld und Verständnis alle trotz des enormen Drucks aufgebracht haben. Jeder habe sich auf Tim eingelassen und geduldig gewartet, auch die Filmkommissare Richy Müller und Felix Klare. Am letzten Drehtag sei Tim zum Set gekommen und hätte alle der Reihe nach abgeklatscht. "Früher war er ein schüchterner und zurückhaltender Jungen, seit diesem Tag wird er immer stärker", sagt Maren Krebs.

"Das hat tollen Spaß gemacht"


Von einem Teil seiner Gage, die es an jedem der Drehtage gab, hat Tim sich einen Nintendo gekauft. Noch lieber als damit spielt er allerdings mit seiner Schwester Sina, die nicht allzu traurig ist, dass Tims Filmkarriere zumindest zunächst mal vorbei ist. "Alle haben nur noch von diesem doofen Film geredet", klagt die Fünfjährige.

Bei Tim selbst, der auf die Karl-Schubert-Schule in Degerloch geht, setzt dagegen das große Strahlen ein, wenn er von Olli erzählt. "Das hat tollen Spaß gemacht", sagt er. Vor ein paar Tagen hat er den Film erstmals selbst gesehen, beim offiziellen Preview im Metropol-Kino. Gekommen sind neben den Filmleuten auch Mitschüler und Lehrer von Tim, hinterher haben alle dem kleinen Filmhelden gratuliert.

"Ich bin Olli, der Zauberer." Dieser Satz, den Tim unter seinem Harry-Potter-Hut immer wieder sagt, hat für Regisseur Moore eine neue Bedeutung gewonnen. Tim ist ein faszinierender Junge sagt er. Er habe eine unglaubliche Fantasie und eine ganz eigene Logik. "Er ist ein ganz besonderes Kind", sagt der zweifache Vater, dem beim Abschied die Tränen kamen: "Tim hat uns mit seiner Art alle verzaubert."

Die "Tatort"-Folge "Altlasten" wird am 27. Dezember in der ARD ausgestrahlt (20.15 Uhr)


Kommentare (1)
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Zauberer De Pasco,
23.12.2009
Wundervoll...
Den nächsten Tatort werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Danke für diesen Tipp. Und super Tim dass du da mitgemacht hast - klasse.
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