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Ein Hauch von Orient mitten im Schönbuch
Artikel aus der vom 19.01.2010
Schon die Herkunftsgeschichte von Naceur Charles Aceval klingt wie ein Märchen. "Ich wurde 1951 geboren, doch meine Geschichte beginnt bereits im Jahr 1830 mit der Kolonisierung Algeriens durch die Franzosen", beginnt Charles Aceval stets seine Erzählungen. Damals seien seine Vorfahren aus dem Baskenland in das algerische Hochland ausgewandert, um dort Gärtner zu werden. Jean, einer der Nachkommen, verliebte sich in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unsterblich in ein Mädchen des Nomadenstamms Ouled Sidi Khaled. Doch Jean war Christ, seine Angebetete Ghèziel Muslimin. Eine Heirat war undenkbar. Kurzerhand entführte Jean die junge Frau und heiratete sie in der Stadt. "Damit war meine Mutter zu einer Ausgestoßenen geworden", sagt Aceval.
Trotzdem habe er durch seine Mutter und später nach dem Tod des Vaters auch durch die Großmutter die Erzähltradition seines Stammes mitbekommen. Denn das Märchenerzählen sei bei den algerischen Nomaden stets die Aufgabe der Frauen gewesen, für die Heldenepen seien die Männer zuständig. "Mit Märchen hat unsere Mutter uns unseren Hunger vergessen lassen", sagt Aceval. Sie habe Geschichten erzählt von Datteln, Honig und Brot, bis die hungrigen Kinder erschöpft einschliefen, eingelullt in Träume von süßem Essen.
Lange haben die Geschichten aus seiner Kindheit in Charles Aceval geruht, andere Dinge waren wichtiger. 1973 kam er als 22-Jähriger über Frankreich nach Reutlingen, wo einer seiner Brüder bei der französischen Armee stationiert war. In Tübingen lernte Aceval seine Frau kennen, mit der er nach einer kurzen Episode in Paris seit mehr als 30 Jahren in Weil im Schönbuch lebt. Die beiden Kinder sind längst erwachsen und Aceval ist zweifacher Großvater. Schwere Zeiten habe er hinter sich, sagt der 58-Jährige. Mit diversen Jobs und Tätigkeiten habe er sich über Wasser gehalten, bis er zusammenbrach und Depressionen sein Leben bestimmten. Doch dann stieß Aceval wieder auf den Schatz in seinem Inneren: die Geschichten seiner Kindheit. "Die Märchen haben mich gerettet", sagt er. Und er begann, diesen Schatz an andere weiterzugeben. Vorbild ist dabei seine Schwester Nora, eine bekannte Märchenerzählerin in Frankreich.
Bei seinen Erzählstunden verlässt sich der Erzähler ausschließlich auf die mündlich überlieferten Geschichten aus seiner Kindheit. Diese mischt er mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben und auch so manch Erdachtem. Wahrheit und Märchen, Realität und Fiktives verschwimmen. Stets findet Aceval ganz getreu der orientalischen Erzählkunst in seinen Geschichten einen neuen Faden.
Das Erzählen übt Charles Aceval auf ausgedehnten Spaziergängen durch den Schönbuch. Und er hat dabei so manch erfreuliche Begegnung. "Kürzlich habe ich eine Frau mit ihrem Hund getroffen und ihr spontan eine kleine Geschichte erzählt", sagt Aceval. "Als ich sie Wochen später zufällig wiedertraf, hat sie sich bei mir bedankt und gesagt, meine Geschichte hätte ihr weitergeholfen."
Ein eigenes Programm hat Aceval für Kinder entwickelt. Ausgangspunkt ist dabei eine Reise auf dem fliegenden Teppich. Für jede Situation hat er eine Geschichte. Zum Beispiel zur Entstehung des algerischen Nationalgerichts Couscous: die Engel weinten über die hungernden Menschen während einer Dürre. Und die Tränen, die auf die Erde fielen, verwandelten sich in nahrhafte Couscouskörner. Gerne erzählt Aceval bei Veranstaltungen dieses Märchen und bereitet dazu das Gericht zu. Denn er ist nebenbei auch ein Koch.
Weitere Informationen gibt es unter
www.aceval.net
Trotzdem habe er durch seine Mutter und später nach dem Tod des Vaters auch durch die Großmutter die Erzähltradition seines Stammes mitbekommen. Denn das Märchenerzählen sei bei den algerischen Nomaden stets die Aufgabe der Frauen gewesen, für die Heldenepen seien die Männer zuständig. "Mit Märchen hat unsere Mutter uns unseren Hunger vergessen lassen", sagt Aceval. Sie habe Geschichten erzählt von Datteln, Honig und Brot, bis die hungrigen Kinder erschöpft einschliefen, eingelullt in Träume von süßem Essen.
Lange haben die Geschichten aus seiner Kindheit in Charles Aceval geruht, andere Dinge waren wichtiger. 1973 kam er als 22-Jähriger über Frankreich nach Reutlingen, wo einer seiner Brüder bei der französischen Armee stationiert war. In Tübingen lernte Aceval seine Frau kennen, mit der er nach einer kurzen Episode in Paris seit mehr als 30 Jahren in Weil im Schönbuch lebt. Die beiden Kinder sind längst erwachsen und Aceval ist zweifacher Großvater. Schwere Zeiten habe er hinter sich, sagt der 58-Jährige. Mit diversen Jobs und Tätigkeiten habe er sich über Wasser gehalten, bis er zusammenbrach und Depressionen sein Leben bestimmten. Doch dann stieß Aceval wieder auf den Schatz in seinem Inneren: die Geschichten seiner Kindheit. "Die Märchen haben mich gerettet", sagt er. Und er begann, diesen Schatz an andere weiterzugeben. Vorbild ist dabei seine Schwester Nora, eine bekannte Märchenerzählerin in Frankreich.
Bei seinen Erzählstunden verlässt sich der Erzähler ausschließlich auf die mündlich überlieferten Geschichten aus seiner Kindheit. Diese mischt er mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben und auch so manch Erdachtem. Wahrheit und Märchen, Realität und Fiktives verschwimmen. Stets findet Aceval ganz getreu der orientalischen Erzählkunst in seinen Geschichten einen neuen Faden.
Das Erzählen übt Charles Aceval auf ausgedehnten Spaziergängen durch den Schönbuch. Und er hat dabei so manch erfreuliche Begegnung. "Kürzlich habe ich eine Frau mit ihrem Hund getroffen und ihr spontan eine kleine Geschichte erzählt", sagt Aceval. "Als ich sie Wochen später zufällig wiedertraf, hat sie sich bei mir bedankt und gesagt, meine Geschichte hätte ihr weitergeholfen."
Ein eigenes Programm hat Aceval für Kinder entwickelt. Ausgangspunkt ist dabei eine Reise auf dem fliegenden Teppich. Für jede Situation hat er eine Geschichte. Zum Beispiel zur Entstehung des algerischen Nationalgerichts Couscous: die Engel weinten über die hungernden Menschen während einer Dürre. Und die Tränen, die auf die Erde fielen, verwandelten sich in nahrhafte Couscouskörner. Gerne erzählt Aceval bei Veranstaltungen dieses Märchen und bereitet dazu das Gericht zu. Denn er ist nebenbei auch ein Koch.
Weitere Informationen gibt es unter
www.aceval.net
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