Stuttgart 21

Tausende Gegner demonstrieren Laut-Stärke

Wolf-Dieter Obst, veröffentlicht am 29.01.2010
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Foto: Moritz

Stuttgart - "Das ist so ein Typ, der so was macht", sagt Gangolf Stocker verblüfft. Tausende Gegner von Stuttgart 21 haben am Freitagabend ihren Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 lautstark geäußert. Und mittendrin auf der Bühne am Nordausgang: Bahnchef Rüdiger Grube. Mitten im gellenden Pfeifkonzert sagt er: "Ich will weiter den Dialog suchen." Seine Überraschung ist gelungen.

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Umarmungstaktik bei Schneefall und Kälte. "Das ist sein Trick", sagt Stocker, Stadtrat und einer der Wortführer des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Stocker und die Demonstranten glauben, dass sie getäuscht werden sollen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut", skandieren sie. Da eilt Grube schon im Eilschritt wieder zurück ins Forum der LBBW. Eine Absperrung macht den Vorplatz zur Bannmeile. Sie wird später nötig sein.

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"So voll war der Platz noch nie", zeigt sich Gangolf Stocker zufrieden. 10.000 Teilnehmer am Nordausgang des Hauptbahnhofs schätzen die Veranstalter. Die Polizei kommt dagegen auf einen Höchstwert von 4000. Auf drei Sternmärschen sind 400 vom Marktplatz, Stöckach und Berliner Platz mit Trommel, Trompete und Trillerpfeife zum Hauptbahnhof marschiert, der ein Kopfbahnhof bleiben soll. "Grube", sagt Stocker, "hat den richtigen Eindruck bekommen vom Widerstand in Stuttgart."

Die Gegner haben Lautstärke zum Thema gemacht, "weil auch der Bau laut wird". 3500 Betonpfähle müssten gesetzt werden, sagt einer. Jeder Pfahl 125 Schläge. Eine halbe Million Rammstöße, ein unzumutbarer Krach. "Diesen Lärm geben wir weiter an die Verantwortlichen." Die Veranstaltung ist lautstark, sie verläuft ohne größere Zwischenfälle. "Keine großen Besonderheiten", sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. 150 Beamte sind im Einsatz. Die Demonstration, um 19 Uhr begonnen, endet gegen 20 Uhr mit dem Versprechen: "Unser Widerstand wird nicht zusammenbrechen."

Danach aber droht die Lage kurz zu eskalieren. Einer der Veranstalter ruft dazu auf, näher an die Absperrung zu rücken, "damit die uns drinnen besser hören können!" Die Menschenmenge drängt zur Absperrung, einzelne Demonstranten dringen auf den Platz ein, werden von Polizisten dingfest gemacht. "Das war kropfunnötig", schüttelt Alfons Nastold vom Ordnungsamt über das Nachspiel den Kopf. Personalien werden notiert. Um 20.45 Uhr gehen die Letzten und schreien: "Wir kommen wieder!"

Die Gegner des Bahnprojekts wollen ihren Protest fortsetzen. Am 1. Februar demonstrieren sie um 18 Uhr wieder vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs. Redner sind Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, und der Liedermacher Thomas Felder. Zum symbolischen Baustart am Dienstag, 2. Februar, ist eine Demonstration um 12.30 Uhr angemeldet.
 
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