VfB Stuttgart
Neuer Trainer - neue Hackordnung
Heiko Hinrichsen, veröffentlicht am 06.02.2010
Stuttgart - Als in der Partie gegen Borussia Dortmund die 48. Minute angebrochen war, suchte der VfB-Sportvorstand Horst Heldt auf der Stuttgarter Reservebank sitzend den nötigen Halt im Aberglauben. Also guckte der 40-Jährige einfach nicht hin, als Ciprian Marica beim Spielstand von 1:0 für den VfB zum Elfmeter anlief. Schließlich hatte es Heldt im Spiel gegen Hoffenheim genauso gehandhabt - und Marica hatte getroffen. Diesmal vergab der Rumäne - und Heldt sagte hinterher: "Ob ich beim nächsten Elfer für uns hinsehe, weiß ich noch nicht."
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Anders als sein Vorgesetzter schaute der Trainer Christian Gross auch bei Maricas Elfmeter den Tatsachen lieber ins Auge. Das mag daran liegen, dass der Schweizer nicht auf derart nervenzehrende Wochen zurückblickt wie Horst Heldt. Denn seit der ehemalige Baseler Coach den VfB trainiert, läuft es. "Man merkt, dass die Mannschaft inzwischen gefestigter spielt", sagt Gross nach dem 4:1 über den BVB, dem vierten Sieg in Serie, "aber wir sind noch lange nicht da, wo wir spielerisch hinwollen."
Doch Tatsache ist auch: hatten die Stuttgarter in 15 Partien unter Markus Babbel zwölf Punkte gesammelt, sind es in den fünf Spielen unter Christian Gross schon 13. Auf den sechsten Tabellenplatz beträgt der Rückstand nur noch drei Punkte, bis zu Rang fünf, der zum Auftritt in der Europa League berechtigt, sind es aber noch zehn Zähler.
Dabei basieren die Maßnahmen, mit denen Gross den VfB zurück in die Erfolgsspur geholt hat, nicht auf Aberglauben, sondern sie folgen einem klaren Plan. Nach dem Rotationsfreund Markus Babbel gibt es in der Strategie des 55-Jährigen ein oberstes Prinzip: größtmögliche Konstanz in Personalfragen. Obendrein hat Gross eine neue Hierarchie innerhalb der Mannschaft aufgestellt.
Hierbei baut der Schweizer vor allem auf seine starke Mittelachse. Daher haben unter Gross neben dem Torwartroutinier Jens Lehmann auch der Innenverteidiger Serdar Tasci, die zentralen Mittelfeldmänner Sami Khedira und Christian Träsch sowie die beiden Stürmer Pawel Pogrebnjak und Ciprian Marica ihren Platz in der Startelf sicher.
Nach überstandenem Zehenbruch dürfte sich auch der Kapitän Matthieu Delpierre zu dem Kreis der Spieler gesellen, die in der vom VfB-Trainer geschaffenen, neuen Hierarchie oben stehen. Dagegen hat der Exkapitän Thomas Hitzlsperger den Verein verlassen. Auch der dienstälteste VfB-Profi, Cacau, der gegen den BVB verletzt fehlte, hat einen schweren Stand. Und Julian Schieber, unter Babbel immerhin bester Torschütze, spielt zurzeit gar keine Rolle.
Seine bisherigen Trümpfe macht Christian Gross dagegen weiter stark: "Beide sind einsatzfreudig, harmonieren und kommunizieren gut", sagt Gross etwa über das Sturmduo Pogrebnjak/Marica, das sich in der Vorwoche in Mailand gemeinsam das Derby Inter gegen den AC anschaute. "Die beiden sind dabei, aus dem Schatten von Mario Gomez herauszutreten - was nicht einfach ist", sagt Gross, der auch an den zweikampfstarken Christian Träsch ("Er macht seine Sache auf einer wichtigen Position sehr gut") Lob verteilt.
Allerdings läuft auch im System Gross - der Siegesserie zum trotz - längst nicht alles reibungslos. So gab es gegen Dortmund in der VfB-Startelf einen linken Verteidiger (Cristiano Molinaro) zu sehen, dessen Flankenläufe meist verpufften, es gab einen rechten Verteidiger (Stefano Celozzi) zu begutachten, dessen Spieleröffnung oft dem Prinzip Zufall gehorcht und einen vermeintlichen Regisseur Alexander Hleb, der zwar mit einem Zuckerpass das 1:0 einleitete, aber kaum Bindung zum Spiel fand und nach 59 Minuten ermüdet ausgewechselt wurde.
Daher muss auch der Weißrusse im neuen Teamgefüge um seine Pfründe kämpfen. "Alex muss von der Physis her weiter zulegen - und sein Spiel muss zielstrebiger werden", sagt Gross, der dem Weißrussen keinen Sonderstatus einräumt und generell seine Spieler auf den Außenpositionen - Molinaro, Celozzi, Hleb, Gebhart und Hilbert - in die Pflicht nimmt: "Über die Außen müssen wir künftig viel mehr Druck entwickeln."
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Auch ein Luxusproblem besitzt Christian Gross in der neuen Hackordnung: Es heißt Zdravko Kuzmanovic, der sich nach seiner Einwechslung durch das Freistoßtor zum 2:1 empfahl. Doch hinter Träsch und Khedira spielt Kuzmanovic im defensiven Mittelfeld nur die dritte Geige. Da hilft es auch nicht, dass "Kuz" bereits als 18-Jähriger unter Gross in Basel spielte.
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Gefestigt, aber noch nicht am Ziel
Anders als sein Vorgesetzter schaute der Trainer Christian Gross auch bei Maricas Elfmeter den Tatsachen lieber ins Auge. Das mag daran liegen, dass der Schweizer nicht auf derart nervenzehrende Wochen zurückblickt wie Horst Heldt. Denn seit der ehemalige Baseler Coach den VfB trainiert, läuft es. "Man merkt, dass die Mannschaft inzwischen gefestigter spielt", sagt Gross nach dem 4:1 über den BVB, dem vierten Sieg in Serie, "aber wir sind noch lange nicht da, wo wir spielerisch hinwollen."
Doch Tatsache ist auch: hatten die Stuttgarter in 15 Partien unter Markus Babbel zwölf Punkte gesammelt, sind es in den fünf Spielen unter Christian Gross schon 13. Auf den sechsten Tabellenplatz beträgt der Rückstand nur noch drei Punkte, bis zu Rang fünf, der zum Auftritt in der Europa League berechtigt, sind es aber noch zehn Zähler.
Neue Hierarchie beim VfB
Dabei basieren die Maßnahmen, mit denen Gross den VfB zurück in die Erfolgsspur geholt hat, nicht auf Aberglauben, sondern sie folgen einem klaren Plan. Nach dem Rotationsfreund Markus Babbel gibt es in der Strategie des 55-Jährigen ein oberstes Prinzip: größtmögliche Konstanz in Personalfragen. Obendrein hat Gross eine neue Hierarchie innerhalb der Mannschaft aufgestellt.
Hierbei baut der Schweizer vor allem auf seine starke Mittelachse. Daher haben unter Gross neben dem Torwartroutinier Jens Lehmann auch der Innenverteidiger Serdar Tasci, die zentralen Mittelfeldmänner Sami Khedira und Christian Träsch sowie die beiden Stürmer Pawel Pogrebnjak und Ciprian Marica ihren Platz in der Startelf sicher.
Nach überstandenem Zehenbruch dürfte sich auch der Kapitän Matthieu Delpierre zu dem Kreis der Spieler gesellen, die in der vom VfB-Trainer geschaffenen, neuen Hierarchie oben stehen. Dagegen hat der Exkapitän Thomas Hitzlsperger den Verein verlassen. Auch der dienstälteste VfB-Profi, Cacau, der gegen den BVB verletzt fehlte, hat einen schweren Stand. Und Julian Schieber, unter Babbel immerhin bester Torschütze, spielt zurzeit gar keine Rolle.
Gross verteilte Lob
Seine bisherigen Trümpfe macht Christian Gross dagegen weiter stark: "Beide sind einsatzfreudig, harmonieren und kommunizieren gut", sagt Gross etwa über das Sturmduo Pogrebnjak/Marica, das sich in der Vorwoche in Mailand gemeinsam das Derby Inter gegen den AC anschaute. "Die beiden sind dabei, aus dem Schatten von Mario Gomez herauszutreten - was nicht einfach ist", sagt Gross, der auch an den zweikampfstarken Christian Träsch ("Er macht seine Sache auf einer wichtigen Position sehr gut") Lob verteilt.
Allerdings läuft auch im System Gross - der Siegesserie zum trotz - längst nicht alles reibungslos. So gab es gegen Dortmund in der VfB-Startelf einen linken Verteidiger (Cristiano Molinaro) zu sehen, dessen Flankenläufe meist verpufften, es gab einen rechten Verteidiger (Stefano Celozzi) zu begutachten, dessen Spieleröffnung oft dem Prinzip Zufall gehorcht und einen vermeintlichen Regisseur Alexander Hleb, der zwar mit einem Zuckerpass das 1:0 einleitete, aber kaum Bindung zum Spiel fand und nach 59 Minuten ermüdet ausgewechselt wurde.
Kein Sonderstatus für Alexander Hleb
Daher muss auch der Weißrusse im neuen Teamgefüge um seine Pfründe kämpfen. "Alex muss von der Physis her weiter zulegen - und sein Spiel muss zielstrebiger werden", sagt Gross, der dem Weißrussen keinen Sonderstatus einräumt und generell seine Spieler auf den Außenpositionen - Molinaro, Celozzi, Hleb, Gebhart und Hilbert - in die Pflicht nimmt: "Über die Außen müssen wir künftig viel mehr Druck entwickeln."
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Auch ein Luxusproblem besitzt Christian Gross in der neuen Hackordnung: Es heißt Zdravko Kuzmanovic, der sich nach seiner Einwechslung durch das Freistoßtor zum 2:1 empfahl. Doch hinter Träsch und Khedira spielt Kuzmanovic im defensiven Mittelfeld nur die dritte Geige. Da hilft es auch nicht, dass "Kuz" bereits als 18-Jähriger unter Gross in Basel spielte.
Kommentare (3)
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p.kauffi,
04.02.2010
Träsch im Mittelfeld TOPP
Ein Mittelfeldspieler hat in einem Bundesligaspiel ungefähr 90 Ballkontakte. Ein Außenverteidiger maximal 60 und kann seine Torgefährlichkeit nicht ausspielen. Der beste defensive Mittelfeldspieler ist momentan Träsch im Zweikampf und Raumaufteilung. Weshalb sollte man diesen wertvollen Spieler schwächen?
Ein Kuzi als Reservist ist besser als ein Hilbert als Jocker! Je nach Spielstand kann man die Außenposition opfern, das Spiel des Gegners im Mittelfeld zerstören und Konter fahren. Das hat gegen den BVB SUPER geklappt. Der Trainer Gross weiß es BESSER als wir, denn er spielt erfolgreich.
Ein Kuzi als Reservist ist besser als ein Hilbert als Jocker! Je nach Spielstand kann man die Außenposition opfern, das Spiel des Gegners im Mittelfeld zerstören und Konter fahren. Das hat gegen den BVB SUPER geklappt. Der Trainer Gross weiß es BESSER als wir, denn er spielt erfolgreich.
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