Interview
"Ich bin nun mal kein harter Hund"
Thomas Haid, veröffentlicht am 07.02.2010
Stuttgart - Markus Babbel, 37, hat seine Zeit beim VfB Stuttgart aufgearbeitet und beschlossen, seine Art der Mannschaftsführung zu ändern. Groll hegt er keinen - außer gegen Guido Buchwald.
Wundert Sie das? Natürlich ist eine große Belastung von mir abgefallen. Ich stelle fest, dass ich wieder deutlich aufnahmefähiger bin. Jetzt kann ich mich auf eine Sache konzentrieren - den Trainerlehrgang in Köln. Zuvor war ich hin- und hergerissen und habe mich auch etwas verzettelt.
Wir wollten kein Fass aufmachen. Das wäre unserer Meinung nach nur kontraproduktiv gewesen und hätte an den Gegebenheiten auch nichts geändert.
Zuvor war es eine meiner Stärken, ein Gespür für die Mannschaft zu entwickeln. Um solche Strömungen zu erfassen, muss man ganz nah dran sein, jede Trainingseinheit genau beobachten und gut in die Spieler hineinhören können. Aber wenn man drei Tage in der Woche fehlt, ist das schwierig.
Ich habe gelernt, dass es da kein Patentrezept gibt. Das habe ich jedoch auch schon vorher gewusst. In der Praxis ist manches anders als in der Theorie. Insgesamt weiß ich nun aber, dass wir bis zum Schluss beim VfB nicht so viel falsch gemacht haben. Diese Bestätigung habe ich jetzt.
Wir waren nicht stur, sondern kreativ und haben alles versucht, um den Schalter umzulegen. Deshalb müssen wir uns keine Vorwürfe machen. Es hat nicht mehr geklappt, aber das hatte seine Gründe.
Exakt.
Es ist normal, dass wir uns zusammengesetzt haben. Wir wollen ja nicht stehenbleiben, sondern weiterkommen. Deshalb haben wir uns gefragt, worauf wir in Zukunft vielleicht noch mehr achten müssen.
Einige Leute haben mir zuletzt gesagt, dass es für mich besser gewesen wäre, wenn ich im Sommer beim VfB aufgehört hätte. Aber diese Ansicht teile ich nicht. Durch das letzte halbe Jahr bin ich ein ganz anderer Trainer geworden. Ich habe die andere Seite kennengelernt, nicht nur den Erfolg. Diese Erfahrung nimmt mir keiner. Ich weiß, wie sich ein Problem aufbauen kann. Deshalb kann ich künftig früher gegensteuern, wenn ich solche Tendenzen erkenne.
Nach außen mag das so gewirkt haben. Ich bin nun mal kein harter Hund. Das ist nicht mein Stil. Mir haben immer Trainer wie Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel imponiert, die sich schützend vor ihre Mannschaft gestellt haben. Intern habe ich die Dinge jedoch deutlich angesprochen. Leider ist das offenbar nicht so angekommen.
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Herr Babbel, Sie wirken viel entspannter als in Ihren letzten Wochen beim VfB.
Wundert Sie das? Natürlich ist eine große Belastung von mir abgefallen. Ich stelle fest, dass ich wieder deutlich aufnahmefähiger bin. Jetzt kann ich mich auf eine Sache konzentrieren - den Trainerlehrgang in Köln. Zuvor war ich hin- und hergerissen und habe mich auch etwas verzettelt.
Dass die Pendelei ein Problem ist, haben Sie und der VfB aber stets bestritten.
Wir wollten kein Fass aufmachen. Das wäre unserer Meinung nach nur kontraproduktiv gewesen und hätte an den Gegebenheiten auch nichts geändert.
Was waren denn die Folgen der phasenweisen Abwesenheit in Stuttgart?
Zuvor war es eine meiner Stärken, ein Gespür für die Mannschaft zu entwickeln. Um solche Strömungen zu erfassen, muss man ganz nah dran sein, jede Trainingseinheit genau beobachten und gut in die Spieler hineinhören können. Aber wenn man drei Tage in der Woche fehlt, ist das schwierig.
Gerade steht in Köln das Fach Krisenmanagement auf dem Stundenplan. Haben Sie etwas gelernt, was Sie im Herbst beim VfB hätten anwenden können?
Ich habe gelernt, dass es da kein Patentrezept gibt. Das habe ich jedoch auch schon vorher gewusst. In der Praxis ist manches anders als in der Theorie. Insgesamt weiß ich nun aber, dass wir bis zum Schluss beim VfB nicht so viel falsch gemacht haben. Diese Bestätigung habe ich jetzt.
Wie würden Sie selbst Ihr Krisenmanagement in Stuttgart beschreiben?
Wir waren nicht stur, sondern kreativ und haben alles versucht, um den Schalter umzulegen. Deshalb müssen wir uns keine Vorwürfe machen. Es hat nicht mehr geklappt, aber das hatte seine Gründe.
Die Sie schon im Sommer als mögliche Gefahrenquellen benannten: den Gomez-Abgang, den Stadionumbau und die Selbstzufriedenheit nach dem Champions-League-Einzug.
Exakt.
Der für die Ausbildung in Köln zuständige Sportpsychologe Werner Mickler hat Ihnen empfohlen, den Abschnitt beim VfB mit Ihrem alten Trainerteam genau zu analysieren, um daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Haben Sie das getan?
Es ist normal, dass wir uns zusammengesetzt haben. Wir wollen ja nicht stehenbleiben, sondern weiterkommen. Deshalb haben wir uns gefragt, worauf wir in Zukunft vielleicht noch mehr achten müssen.
Wie lautet die Antwort?
Einige Leute haben mir zuletzt gesagt, dass es für mich besser gewesen wäre, wenn ich im Sommer beim VfB aufgehört hätte. Aber diese Ansicht teile ich nicht. Durch das letzte halbe Jahr bin ich ein ganz anderer Trainer geworden. Ich habe die andere Seite kennengelernt, nicht nur den Erfolg. Diese Erfahrung nimmt mir keiner. Ich weiß, wie sich ein Problem aufbauen kann. Deshalb kann ich künftig früher gegensteuern, wenn ich solche Tendenzen erkenne.
Haben Sie beim VfB zu spät reagiert und die Spieler zu lange in Schutz genommen?
Nach außen mag das so gewirkt haben. Ich bin nun mal kein harter Hund. Das ist nicht mein Stil. Mir haben immer Trainer wie Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel imponiert, die sich schützend vor ihre Mannschaft gestellt haben. Intern habe ich die Dinge jedoch deutlich angesprochen. Leider ist das offenbar nicht so angekommen.
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