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Schnee-Chaos in den USA

Zehntausende frieren

Andreas Geldner , veröffentlicht am 08.02.2010
Foto: AP

Washington - Nach einem der schwersten Schneestürme in der Geschichte Washingtons haben in der US-Hauptstadt die schwierigen Aufräumarbeiten begonnen. Auch gestern Morgen waren noch mehr als 100.000 Menschen in der Region ohne Strom. Jede Stunde strahlte der örtliche Nachrichtensender WTOP dramatische Appelle von Menschen insbesondere aus den nordwestlichen Vorstädten aus, die in ihren eiskalten Häusern ungeduldig wurden: "Hier spricht Anna aus Rockville. Unsere Nebenstraße ist noch nicht geräumt, wir können das Haus nicht verlassen. Uns wird kalt, wir haben nichts mehr zu essen", lautete eine der Botschaften. Die Behörden planten Notunterkünfte.


"Das Problem ist nicht der Platz, sondern wie wir die Leute dorthin bringen", sagte ein Sprecher der besonders betroffenen, nordwestlich von Washington gelegenen Montgomery County. Der mit dem Spitznamen "Schneepokalypse" versehene Sturm hatte weite Regionen der amerikanischen Ostküste von New Jersey im Norden bis Virginia im Süden erfasst, war jedoch in den weiter südlich gelegenen Bundesstaaten besonders folgenreich. In der Region um Washington hatte der wegen der anfangs milden Temperaturen sehr nasse und schwere Schnee an zahllosen Stellen Bäume und Masten gefällt oder Leitungen heruntergerissen. Allein dort waren zeitweise 250.000 Menschen von Stromausfällen betroffen, weil die in den USA frei verlegten Leitungen bei Wetterkatastrophen sehr anfällig sind.

Öffentliches Leben in Washington lahmgelegt


Innerhalb von Stunden waren rund um die Hauptstadt 50 bis 75 Zentimeter Schnee gefallen. Der Washingtoner Flughafen Dulles und das 55 Kilometer westlich der Metropole gelegene Leesburg erreichten mit Schneemengen von 81 Zentimetern beziehungsweise einem Meter neue historische Rekordwerte. Bei Windstärken von bis zu 80 Kilometern pro Stunde gab es häufig meterhohe Verwehungen. Angesichts von Neuschneemengen, die oft mehr als zehn Zentimeter in der Stunde betrugen, waren geräumte Straßen gleich wieder blockiert. Das öffentliche Leben in Washington war auch gestern weitgehend lahmgelegt. Die Flughäfen fertigten nur wenige Passagiere ab, der Busbetrieb war eingestellt, die U-Bahn verkehrte nur noch in den unterirdischen Streckenteilen. Die Behörden warnten vor Fahrten mit dem eigenen Auto.

Nach der Räumung, für die auch schwere Baufahrzeuge eingesetzt werden mussten, türmten sich die zusammengeschobenen Schneemassen auf bis zu fünf Meter Höhe. Viele Nebenstraßen werden noch tagelang unpassierbar sein. In der ersten Wochenhälfte werden die meisten Schulen geschlossen bleiben. Nachdem der Sturm am Samstagnachmittag abgeflaut war, stürzten die Temperaturen in der Nacht auf Sonntag auf bis zu minus 15 Grad ab, was ohne Strom in den häufig dünn isolierten Häusern eine unangenehme Nacht bedeutete. Die meisten Bewohner der Hauptstadt nahmen die Lage aber gelassen. Nach dem Chaos, das am 19. Dezember 2009 ein anderer Schneesturm angerichtet hatte, waren Räumdienste und Bewohner besser vorbereitet. Noch während die Flocken fielen, begannen viele Washingtoner auf eigene Faust damit, den Schnee in ihren Straßen zu räumen. US-Präsident Barack Obama war von den Problemen kaum betroffen – er hatte es zu einer Konferenz der Demokraten in der Innenstadt nicht weit. Für morgen ist neuer Schnee vorhergesagt.


Kommentare (1)
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joerg heinrich,
08.02.2010
lausige Infrastruktur
Das sollte einen ja nicht wundern, wenn wie vor hundert Jahren Strom- und Telefonleitungen an hölzernen Pfosten baumeln...Häuser zusammengenagelt werden und keine Isolation haben! Die USA ist einfach in vielen Bereichen erstaunlich unterentwickelt, zeigen aber immer auf andere. In keinen s.g. zivilisierten Staat leben so viele Menschen in Wohnwägen. Ich wünsche den Betrofffenen eine zügige Versorgung und bald wieder funktionierende Elektroöfen denn das ist der Standard...!
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