Zeiten ändern dich
Echte Rapper sind doch nur Muttersöhnchen
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 08.02.2010
Filmbeschreibung
Den 11. September 2001 in all seinen dramatischen Nuancen und Verästelungen hatten wir bisher noch gar nicht angemessen erfasst. Die Dramatik dieses Datums begann viel früher, und zwar genau da, als Dauerfreundin Selina (Karoline Schuch), die Tochter aus bestem Hause, ihrem Freund, Schulabbrecher, Kiffer und Drogendealer Anis genervt den Laufpass gab, weil der nichts aus seinem Leben mache, sondern nur noch mit seinen Asikumpels um die Häuser ziehe und nichts als Hip-Hop im Kopf habe. Nichts habe sie verstanden, argumentiert der agile und adrette Grafitto-Sprayer daraufhin: "Ich will, dass alle wissen, dass ich da war!" Und dann schlägt er zu, und dass das ein Fehler war, begreift er sofort. Trübsal blasend begibt sich Anis nach Hause zur geliebten Mutter (Hannelore Elsner), die fassungslos vor dem Fernseher sitzt, wo gerade Bilder vom Terroranschlag in New York zu sehen sind. Zufall oder Weltgeist?
Anis, aus dem später der Starrapper Bushido werden sollte, erinnert diesen Moment so: "Das war das Krasseste, was ich je gesehen hatte. Wie ein Computerspiel! Im Angesicht der Katastrophe und der vielen Toten entstand ein unbändiger Wille zu leben." Und so beschließt Anis Musiker zu werden, schreibt einen ersten krassen Text für einen krassen Song und entdeckt kurz darauf beim Computerspielen seinen Nom de guerre: Bushido, der Weg des Kriegers.
Mit der Erzählung begonnen hat der Kinofilm "Zeiten ändern dich" aber viel später, als der äußerst populäre und umstrittene Popstar Bushido nämlich eine Postkarte von seinem Vater bekommt. Der Alkoholiker hatte einst Bushidos Mutter verprügelt und die Familie im Stich gelassen. Die Karte beschwört böse Erinnerungen herauf, weshalb Bushido natürlich gleich losrappen muss, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Vater auf dem Kinderspielplatz, bei der Einschulung und überhaupt ist. Da ist da viel von "Respekt und Ehre" die Rede, von Liebe zur Mutter und davon, dass der Vater für ihn, den Sohn, echt gestorben sei.
Überhaupt wundert man sich, was für selbstmitleidige Jammerlappen sich hinter den Berliner "Hardcore"-Rappern verbergen. Die dreschen zwar gerne gewaltverherrlichende, homophobe oder misogyne Phrasen, aber fühlen sich eigentlich nur einsam und irgendwie benachteiligt. Sie bekommen zwar Schule und Ausbildung nicht gebacken, weil sie lieber chillen, kiffen und sprayen, aber eigentlich würden sie gerne mitmischen in der Mitte der Gesellschaft. Nicht länger nur Opfer sein!
Der Regisseur Uli Edel hat interesselos die Biografie Bushidos nach einem haarsträubenden Drehbuch von Bernd Eichinger verfilmt, Bushido selbst hat die Hauptrolle des erwachsenen Bushido übernommen und der Film bietet zudem reichlich Prominenz wie Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht oder Katja Flint in Nebenrollen auf. Das Resultat ist ein groteskes Fernsehspiel auf Rosamunde-Pilcher-Niveau, das Wasser auf die Mühlen all derer gießt, die immer schon wussten, dass die Berliner Gangsterrapper in Wirklichkeit Muttersöhnchen mit Spießerträumen sind.
Am Schluss, als Bushido den Hass in seinem Herzen besiegt hat, gibt er ein bedeutendes Konzert vor dem Brandenburger Tor. Im Vorprogramm singt Karel Gott, der hier wie ein charismatischer Superstar erscheint, sein Lied von der "Biene Maja" zu fetten Beats. Anschließend rappt Bushido, wie schön es ist, auf der Welt zu sein. Wie die Biene und das Stachelschwein.
Anis, aus dem später der Starrapper Bushido werden sollte, erinnert diesen Moment so: "Das war das Krasseste, was ich je gesehen hatte. Wie ein Computerspiel! Im Angesicht der Katastrophe und der vielen Toten entstand ein unbändiger Wille zu leben." Und so beschließt Anis Musiker zu werden, schreibt einen ersten krassen Text für einen krassen Song und entdeckt kurz darauf beim Computerspielen seinen Nom de guerre: Bushido, der Weg des Kriegers.
Mit der Erzählung begonnen hat der Kinofilm "Zeiten ändern dich" aber viel später, als der äußerst populäre und umstrittene Popstar Bushido nämlich eine Postkarte von seinem Vater bekommt. Der Alkoholiker hatte einst Bushidos Mutter verprügelt und die Familie im Stich gelassen. Die Karte beschwört böse Erinnerungen herauf, weshalb Bushido natürlich gleich losrappen muss, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Vater auf dem Kinderspielplatz, bei der Einschulung und überhaupt ist. Da ist da viel von "Respekt und Ehre" die Rede, von Liebe zur Mutter und davon, dass der Vater für ihn, den Sohn, echt gestorben sei.
Überhaupt wundert man sich, was für selbstmitleidige Jammerlappen sich hinter den Berliner "Hardcore"-Rappern verbergen. Die dreschen zwar gerne gewaltverherrlichende, homophobe oder misogyne Phrasen, aber fühlen sich eigentlich nur einsam und irgendwie benachteiligt. Sie bekommen zwar Schule und Ausbildung nicht gebacken, weil sie lieber chillen, kiffen und sprayen, aber eigentlich würden sie gerne mitmischen in der Mitte der Gesellschaft. Nicht länger nur Opfer sein!
Der Regisseur Uli Edel hat interesselos die Biografie Bushidos nach einem haarsträubenden Drehbuch von Bernd Eichinger verfilmt, Bushido selbst hat die Hauptrolle des erwachsenen Bushido übernommen und der Film bietet zudem reichlich Prominenz wie Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht oder Katja Flint in Nebenrollen auf. Das Resultat ist ein groteskes Fernsehspiel auf Rosamunde-Pilcher-Niveau, das Wasser auf die Mühlen all derer gießt, die immer schon wussten, dass die Berliner Gangsterrapper in Wirklichkeit Muttersöhnchen mit Spießerträumen sind.
Am Schluss, als Bushido den Hass in seinem Herzen besiegt hat, gibt er ein bedeutendes Konzert vor dem Brandenburger Tor. Im Vorprogramm singt Karel Gott, der hier wie ein charismatischer Superstar erscheint, sein Lied von der "Biene Maja" zu fetten Beats. Anschließend rappt Bushido, wie schön es ist, auf der Welt zu sein. Wie die Biene und das Stachelschwein.
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