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Hochstapler gefasst

"Dr. Schenk" narrt Kliniken

Annette Clauß und Thomas Schwarz, veröffentlicht am 09.02.2010
Patienten abhören wird der 26-Jährige wohl so schnell nicht mehr. Erst einmal wird er verhört–von der Polizei. Foto: dpa

Backnang - Einen falschen Arzt hat jetzt die Kriminalpolizei Backnang (Rems-Murr-Kreis) festgenommen. Wie am Montag bekannt wurde, ist der 26-jährige Mann, der sich als Dr. Schenk ausgab, längere Zeit in Stuttgart gewohnt hat und seit Ende 2009 in Aspach lebte, bereits am Montag der vergangenen Woche verhaftet worden. Der angebliche Mediziner hatte laut dem Waiblinger Polizeisprecher Klaus Hinderer seine Zulassungsurkunde als Arzt im Sommer 2009 mit einer fingierten Unterschrift selbst am Computer hergestellt und sich damit erfolgreich bei einer Klinik in München beworben. Dort habe er von August bis Dezember 2009 als Assistenzarzt im Bereich Anästhesie gearbeitet.


Fehlerhaftes Bewerbungsschreiben ließ ihn auffliegen


Vom 12. bis zum 20 Januar dieses Jahres war er dann laut der Auskunft der Polizei Freudenstadt als Notarzt beim Krankenhaus in Horb tätig. Im Rems-Murr-Kreis heuerte der Mann auch beim Ortsverein Aspach des Roten Kreuzes (DRK) an. Dort war er laut Monika Herrmann, der Geschäftsführerin des Kreisverbands, jedoch als Ehrenamtlicher im "Helfer-vor-Ort"-System im Einsatz. Dessen Sinn sei es, dass Ehrenamtliche erste Maßnahmen übernehmen würden, bis der hauptamtliche Rettungsdienst an der Unfallstelle eintreffe. In einem weiteren DRK-Kreisverband im Schwarzwald sei der Mann jedoch tatsächlich als Notarzt tätig gewesen.

Aufgeflogen ist der Schwindler durch eine Bewerbung beim Kreiskrankenhaus Backnang. Dort war man aufgrund des Bewerbungsschreibens von "Dr. Schenk" stutzig geworden. Dieses sei so mit Fehlern gespickt gewesen, dass sich der zuständige Direktor bei der Ärztekammer über den Mann erkundigt habe, teilte eine Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken mit. Bei der Standesvertretung der Mediziner war der Mann, der sich als externer Notarzt beworben hatte, nicht bekannt.

Ermittlungen sind in vollem Gange


Externe Notärzte werden im Gegensatz zu festangestellten pro Einsatz bezahlt. "Der Mann war nie bei uns angestellt und hat nie einen unserer Patienten behandelt", betonte die Klinik-Sprecherin, um Gerüchten gleich einen Riegel vorzuschieben. Ärzte, die sich bei den Rems-Murr-Kliniken bewerben wollten, müssten zudem ihre Originalzeugnisse zum Vorstellungsgespräch mitbringen.

Laut dem Polizeisprecher Hinderer ist der Verhaftete bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Internetbetrugs und der Verbreitung pornografischer Schriften. Im aktuellen Fall müsse ermittelt werden, wie oft er als falscher Arzt Körperverletzung begangen habe: "Man weiß nicht, wie oft er Hand angelegt hat."


Kommentare (2)
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Bonn,
27.02.2010
"Dr. Schenk narrt Kliniken"
Erschreckend finde ich, dass immer häufiger auf das Auftreten geachtet wird. Sicherlich ist auch dies wichtig, aber deshalb muss man sich doch bei einer langfristigen Entscheidung, wie dies personelle Entscheidungen nun einmal sind mit den Qualifikationen auseinandersetzen!
Ein fehlerhaftes Anschreiben ist eine Sache, aber ein nicht authentischer Lebenslauf und Zeugnisse, deren Inhalt man in einem Gespräch schnell abschätzen kann, sind etwas anderes.
Ich sehe hier sicherlich die Gefahr einzelner Schicksale, wenn Arzteinstellungen schlampig durchgeführt werden. Aber bedenken Sie bitte auch die betriebs- und sogar volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Scharlatane, Glücksritter und Blender verursacht werden und wurden. Uups, da war doch neulich so 'ne Kriese!? Wie viel Menschen sind hier direkt und indirekt ins Elend gestürzt worden (das waren z.B. Folgen der dilettantischen Finanzblender, die nicht rechtzeitig gebremst wurden http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~EC3B401FA7FD5423083EF289E291D0676~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
Nein! es ist wirklich nicht mehr zum lachen!!
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